Auf Facebook für den Job bewerben

Die Plattform will zur Stellenvermittlung werden. Für welchen Konkurrenten das gefährlich sein könnte.

Kampf um Jobsuchende: Die neue Funktion von Facebook könnte auch das Karrierenetzwerk Linkedin beeinflussen.

Kampf um Jobsuchende: Die neue Funktion von Facebook könnte auch das Karrierenetzwerk Linkedin beeinflussen.

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Peter Koklamanis und Tony Relken führen eine ungewöhnliche Firma: ein Spukhaus in Chicago. Neue Angestellte suchten sie bis jetzt hingegen auf gewöhnliche Art und Weise: über Stelleninserate oder Job-Websites. Doch sie hätten den Eindruck, «dass diese Plattformen sterben», sagt Koklamanis in einem Video auf Youtube. Deshalb setzen sie jetzt auf einen anderen Kanal: Facebook.

Das Video ist Teil einer Kampagne von Facebook für eine neue Funktion, die vor zwei Tagen in Kanada und den USA lanciert wurde. Firmen und Menschen hätten die Plattform bereits jetzt genutzt, um Jobs zu vergeben und zu suchen, schreibt Facebook in einer Mitteilung. In Zukunft solle das noch einfacher werden.

Eine Bedrohung für Linkedin?

US- und kanadische Firmen können Stellenangebote nun auf ihren eigenen Profilen veröffentlichen und direkt in die News-Feeds der Nutzer einfliessen lassen. Diese können sich über Facebook bewerben, indem sie auf einen entsprechenden Button klicken. Ein Bewerbungsformular erscheint, das von Facebook automatisch mit Angaben aus den Profilen der Nutzer vorausgefüllt wird und von diesen dann angepasst werden kann. Haben die Firmen Interesse an einem Kandidaten, können sie per Messenger Kontakt aufnehmen.

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Was klingt wie eine simple neue Funktion, könnte viel mehr werden als das. Eine Bedrohung für das Karrierenetzwerk Linkedin, zum Beispiel. Denn Facebook habe zwei grosse Vorteile gegenüber Linkedin, schreibt die Technologiewebsite Techcrunch.com. Einerseits seien dort auch wenig qualifizierte Jobsuchende vertreten, während Linkedin eher besser Qualifizierte anziehe. Eine Studie des US-amerikanischen Forschungszentrums Pew Research Center bestätigt das: 77 Prozent aller Amerikaner, die höchstens einen Highschool-Abschluss haben, sind auf Facebook – aber nur 12 Prozent nutzen Linkedin. Andererseits erreiche Facebook auch Menschen, die nicht aktiv auf der Suche nach einem Job sind. Facebook ist mit seinen fast 2 Milliarden aktiven Nutzern ausserdem ein Gigant im Gegensatz zu Linkedin mit etwas mehr als 100 Millionen.

Während Linkedin also Nutzer verlieren könnte, erschliesst sich Facebook eine zusätzliche Möglichkeit, Geld zu verdienen: indem Firmen dafür bezahlen, dass ihre Jobangebote besonders gut platziert werden. Ausserdem ist es weniger umständlich, auf Facebook den «Apply»-Knopf zu drücken, als sich auf Linkedin ein Profil zu erstellen.

Funktionen für das reale Leben

Einen Tag nach Lancierung der neuen Funktion publizierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg ausserdem einen langen Brief, in dem er seine Vision für die Zukunft des Unternehmens skizziert. Es sei die erste Revision des sogenannten Founders Letter, den Zuckerberg beim Börsengang von Facebook vor über fünf Jahren veröffentlichte, schreibt das Onlineportal «Business Insider».

Facebook sieht es etwa als seine Aufgabe an, dazu beizutragen, dass Nutzer über die Sicherheit und Gesundheit der anderen Bescheid wissen. Zum Beispiel mithilfe des «Safety Check», mit dem sie nach einem Anschlag oder einer Naturkatastrophe melden können, dass es ihnen gut geht. Und die Nutzer sollen sich noch stärker über das Portal informieren. Die Vision fasst also die Strategie von Facebook in Worte, immer mehr Funktionen für das Leben ausserhalb des Netzwerks anzubieten – wie eben die Jobsuche. (fko)

Erstellt: 17.02.2017, 15:05 Uhr

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