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«Arbeitslosenquote steigt auf 4,2 Prozent»

Die Rezession kommt, und zwar heftig. Gefährdet ist vor allem die Maschinenindustrie. Die Arbeitslosenquote klettert auf 4,2 Prozent. Dies prognostiziert Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, im Interview mit Redaktion Tamedia.

Was würde eine Rezession für die Schweizerinnen und Schweizer konkret bedeuten? In welchen Branchen droht zuerst ein Stellenabbau? Die exportorientierte Maschinenindustrie ist gefährdet, aber auch der unter der Kreditkrise leidende Finanzsektor. Die Pharmaindustrie ist typischerweise robuster. Es wäre jedoch übertrieben zu hoffen, dass sich irgendeine Branche vollkommen von einer generellen Rezession abkoppeln kann. Wir erwarten insgesamt, dass die Arbeitslosenquote auf 4,2% ansteigen wird. Das werden mindestens 60'000 mehr Arbeitslose sein.

Die Nationalbank senkt den Leitzins um einen halben Prozentpunkt, die EZB ebenfalls. Das ist mehr als erwartet. Sind Sie überrascht? Nein, gar nicht. Die Wirtschaftsdaten haben sich seit den Finanzmarkt-Turbulenzen im September stark verschlechtert; nicht nur in den USA und im Euroland, sondern auch in der Schweiz. Zudem haben die Turbulenzen zu einer Flucht in sichere Häfen und damit zu einer Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro geführt, welche die Schweizer Exporttätigkeit zusätzlich belastet. Eine einseitige Zinssenkung der Europäischen Zentralbank hätte zu einer weiteren schädlichen Frankenaufwertung führen können. Vor diesem Hintergrund musste die SNB agieren.

Wann wird der Leitzins erneut gesenkt werden und wie tief wird er schliesslich sein? Wir erwarten die nächste Zinssenkung an der nächsten regulären Sitzung des SNB-Direktoriums Mitte Dezember. Ein Schritt an der regulären Sitzung wird der SNB helfen, nicht den Eindruck zu erwecken, in Panik zu handeln. Trotzdem ist Zeitdruck da. Die Wirtschaftslage verschlechtert sich dramatisch. Wird unser Wirtschaftsszenario Realität, wird die SNB die Leitzinsen von heute 2% auf 1% senken müssen. Falls der Franken weiter aufgewertet wird, werden wir sogar noch tiefere Zinsen sehen.

Die SZB warnt vor einer Rezession. Zu Recht? Wir erwarten für die Schweiz eine Rezession im Winterhalbjahr und ein negatives Wachstum 2009 von durchschnittlich minus 0,2%.

Ist aufgrund der Erkenntnisse des IWF gar mit einer noch schlimmeren Rezession zu rechnen? Auch die Rezessionswarnungen des IWF sind nur die logische Schlussfolgerung der volkswirtschaftlichen Daten, die in den letzten Wochen publiziert worden sind. Vor dem Hintergrund dieser Datenlage ist es für Ökonomen schwierig, positives 2009 Wachstum für die USA, Japan oder Europa zu erwarten.

Wann geht es wieder spürbar aufwärts? Wir haben in den letzten Wochen intensiv die Ausprägungen früherer Rezessionen analysiert. Die durchschnittliche Rezession dauert drei Quartale und das Wachstum kehrt zumeist nach 5 Quartalen über das Potenzial zurück. Ausnahmen gab es nur, wenn die politischen Behörden nicht oder sogar falsch gehandelt haben. Doch das ist diesmal nicht der Fall. Der nächste Aufschwung kommt bestimmt! Wir erwarten ihn im zweiten Halbjahr 2009.

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