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Arbeitskampf mit tödlichen Folgen

Der Chef einer Oerlikon-Tochter in Indien ist getötet worden. Die indische Öffentlichkeit hat mit Bestürzung reagiert.

«Die Gewalt der Entlassenen gegenüber dem Geschäftsführer von Oerlikon-Granziano Transmissions ist bedauerlich und entspricht nicht unserer Kultur und Tradition von einer friedlichen Lösung solcher Konflikte», erklärte der indische Handelsminister Kamal Nath zur Tötung des Inders Lalit Kishore Choudhary. Der 50-Jährige war am Montag von wütenden entlassenen Arbeitern gelyncht worden. Auch der Präsident des indischen Industrieverbandes (CII), Rajeev Chandrasekhar, war schockiert und unterstrich, dass ein unschuldiger Mensch sterben musste. Kein Disput könne durch Gewalt gelöst werden. Ähnliches ist in Indien überall zu hören und in den Zeitungen zu lesen.

Die Fabrik des Oerlikon-Konzerns liegt im Industriekomplex Greater Noida, etwa 40 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Delhi. Hier wohnen 50'000 Menschen. Bewohner erzählen, Gewalt wie Diebstahl oder Autoklau sei hier alltäglich.

Im Industriekomplex herrschen keine Gesetze

Neben indischen sind auch internationale Konzerne wie Yamaha, Pepsi und Honda hier angesiedelt. Die Menschen kommen aus verschiedenen Gegenden Indiens, um Arbeit zu suchen. Den Zugewanderten fehlt die in Indien übliche soziale Kontrolle, was möglicherweise das Verhalten der Täter mitbestimmt hat. Zudem liegt der Industriekomplex im Gliedstaat Uttar Pradesh – mit etwa 120 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste und bekannt für industrielle Rückständigkeit, Gesetzlosigkeit und Korruption.

Grosse Betroffenheit

Die Tötung des Konzernchefs löste im Land grosse Trauer und Betroffenheit aus – und Angst um die ausländischen Investitionen in Indien, die das Land dringend braucht, um seine wirtschaftliche Liberalisierung fortzusetzen. Ministerpräsident Manmohan Singh, zurzeit in New York an der Uno-Generalversammlung, hat ein Meeting auf höchster Ebene angekündigt.

Gelyncht, weil er Inder war?

«Gemäss unserem Glauben soll niemand einem anderen das Leben rauben», betonte der Minister für Wissenschaft und Technologie, Kapil Sibal. Damit appellierte er an den hinduistischen Glauben, dass nur Gott die Macht habe, über Leben und Tod zu entscheiden. Ein lokaler Unternehmer, der an der Grenze zu Greater Noida wohnt, meinte, dass Choudhary vielleicht noch leben würde, wenn er nicht Inder gewesen wäre. Denn allgemein ist die Schwelle zur Gewalt gegenüber Ausländern höher als gegenüber Einheimischen.

Den Gewerkschaften wird vorgeworfen, die Gewaltbereitschaft der Arbeiter herausgefordert zu haben. Im Falle der Tochterfirma des Oerlikon-Konzerns versuchte die Gewerkschaft, ihre Zulassung zu erzwingen. Da der Konzernchef sich unter anderem dagegen wehrte, wurde er zum Opfer der entlassenen Angestellten.

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