Amazon ist zur fünftgrössten Fracht-Airline aufgestiegen

Der Onlinehändler will seine Lieferketten kontrollieren. Dafür baut Amazon kräftig bei den Frachtflügen aus.

Prime Air wurde mittlerweile zu Amazon Air umbenannt: Frachtflugzeug des Onlinehändlers.

Prime Air wurde mittlerweile zu Amazon Air umbenannt: Frachtflugzeug des Onlinehändlers.

Caroline Freigang@c_freigang

Im Herbst 2015 tauchten erste Meldungen auf, Amazon wolle eigene Frachtflugzeuge leasen. Damals hiess es, Amazon wolle unabhängiger von Zustelldiensten wie UPS oder Fedex sowie traditionellen Post-Dienstleistern werden. Dem Onlinehändler schlug Häme entgegen: «Jetzt übernehmen die sich», kommentierte laut Wirtschaftswoche ein führender Frachtflugmanager. Eine Fluggesellschaft aufzuziehen, sei ein extrem anspruchsvolles und teures Vorhaben.

Für Amazon scheint sich der Einstieg in die Luftfracht aber auszuzahlen. Mittlerweile ist Amazon Air zur fünftgrössten Frachtlinie der Welt geworden. An der Spitze steht dabei Fedex mit über 600 Maschinen, dahinter UPS und DHL. Der Name wurde Ende letzten Jahres von Amazon Prime Air auf Amazon Air geändert, um Verwirrung mit dem Namen des Drohnenlieferservice Amazon Prime Air zu verhindern.

Platz für doppelte Anzahl Flieger

Der Konzern hat inzwischen seine vierzigste Maschine erhalten und damit mehr Frachter als die meisten etablierten Anbieter. Lufthansa Cargo etwa kommt nur auf 17 Maschinen. Keine andere Airline ist je so schnell gewachsen. Für die Transporte verpflichtete der Händler zunächst die Airline Atlas Air und das Unternehmen Air Transport International, um Frachtflüge für Amazon durchzuführen.

Anfang 2017 fing der Onlinehändler zudem an, sich ein eigenes Drehkreuz für Luftfracht am Flughafen Cincinnati zu bauen. Das Projekt soll Schätzungen zufolge rund 1,5 Milliarden Dollar kosten. In Cincinnati soll Platz für bis zu 100 Amazon-Frachtflugzeuge sein. Das gibt Einblick über das Ausmass der Pläne des Giganten. Im Juni 2018 standen in Cincinnati bereits 20 Flugzeuge. In Zukunft sollen von dem Flughafen im US-Bundesstaat Kentucky 200 Flieger pro Tag abheben, 15'000 Mitarbeiter sollen beschäftigt werden.

Seit Oktober dieses Jahres hebt Amazon Air auch zweimal am Tag von Miami aus ab. Von dem südlichen Bundesstaat aus können vor allem die Karibik und Mittelamerika gut beliefert werden. Auch in Brasilien ist Amazon mit Fluggesellschaften in Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit.

In Lastwagen und Seefracht investiert

Amazon will seine Lieferketten möglichst umfassend kontrollieren – und baut neben der Luftfracht auch ein umfassendes Liefergeschäft auf dem Land- und Seeweg auf. Das Unternehmen investiert in eigene Lastwagen, um Ware zwischen Lagern in den USA hin und her zu transportieren. In den USA hat der Konzern zuletzt 20'000 Kleintransporter beim Autobauer Daimler bestellt.

Ausserdem hat der Händler laut «Wall Street Journal» damit angefangen, den Versand von Waren von chinesischen Händlern per Seefracht an seine US-Lager abzuwickeln. Zuvor hatten diese Rolle internationale Frachtunternehmen übernommen.

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