Zum Hauptinhalt springen

«Als würde ich in Walhalla einziehen»

Jill Abramson ist die erste Frau an der Spitze der renommierten «New York Times». Auf die neue Chefredaktorin wartet eine Herkulesaufgabe.

Jill Abramson ist die neue Chefredaktorin der «New York Times». Sie berichtete jahrelang aus Washington mit Spezialgebiet Recht und Politik.
Jill Abramson ist die neue Chefredaktorin der «New York Times». Sie berichtete jahrelang aus Washington mit Spezialgebiet Recht und Politik.
Keystone
Abramson mit ihrem Vorgänger Bill Keller (rechts) sowie ihrem neuen Stellvertreter Dean Baquet.
Abramson mit ihrem Vorgänger Bill Keller (rechts) sowie ihrem neuen Stellvertreter Dean Baquet.
Keystone
1 / 2

Jill Abramson wird Chefredakteurin der renommierten «New York Times». Zum ersten Mal in der 160-jährigen Geschichte des Medienhauses übernimmt damit eine Frau «den wohl begehrtesten Posten überhaupt im Journalismus», wie der Medienreporter des Magazins «New Yorker» schreibt. Abramson, eine gebürtige New Yorkerin, jubelte nach der Bekanntgabe, sie fühle sich, als würde sie «in Walhalla einziehen».

Jubel kam auch von Journalisten beiderlei Geschlechts, die sich seit Jahren für mehr Frauen an der Spitze der Redaktionen einsetzen. «Das ist ein gewaltiger Tritt gegen die gläserne Decke», schreibt etwa der «Guardian»-Reporter Ed Pilkington. Die 57-jährige Abramson ist sich ihrer Symbolfunktion offenbar bewusst: «Ich danke all meinen Schwestern, ohne die ich nicht hier stehen würde», sagte Abramson in ihrer Willkommensrede an die Redaktion. «Jeder Chefredakteur steht auf den Schultern vieler anderer.»

«Eine starke Führung, damit sie sich verändern»

Die Unterstützung kann Abramson gut brauchen. Die gebürtige New Yorkerin, die in Harvard Geschichte und Literatur studiert hat, gilt als hartnäckige Investigativ-Reporterin und Dramaturgin. Von 1988 bis 2003 berichtete sie aus dem Machtzentrum Washington, danach holte der bisherige Chefredakteur Bill Keller sie als Nachrichtenchefin und stellvertretende Chefredakteurin nach New York. Ihre inoffizielle Aufgabe nun: Den behäbigen langjährigen Journalisten nahezubringen, dass sie sich nicht mit Berichten, sondern mit gut geschriebenen Reportagen und intensiver Recherche vom Online-Nachrichtenfluss abheben müssen. Die Reporter, so schreibt es der Medienjournalist von Reuters, bräuchten «eine starke Führung, damit sie sich verändern». Darum, so mutmassen verschiedene US-Medien, habe die «New York Times» erstmals keinen profilierten Auslandkorrespondenten oder Denker an die Spitze der Redaktion gesetzt, sondern eine führungsstarke Rechercheurin.

Nach der herzlichen Stabsübergabe vor der Redaktion kündigte Abramson denn auch gleich einen Kurswechsel an – wenn auch in sehr freundschaftlichen Worten. «Wir haben hier eine Konsenskultur, und das ist einerseits wunderbar, andererseits lähmend», wird sie im Artikel aus dem eigenen Haus zitiert. «Ich glaube, dass es möglich ist, die guten Seiten dieser Kultur zu bewahren – aber ich weiss auch, dass es Arthur wichtig ist, mehr Effizienz und Durchlagskraft zu entwickeln.» Arthur, das ist Arthur Sulzberger, als Geschäftsführer verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Hauses.

Es werde allerlei Leute geben, die Abramson künftig für ihren harten Managementstil kritisieren würden, schreibt denn auch der Medienredaktor des «New Yorker». Trotzdem sind die meisten Kommentatoren überzeugt, dass Abramson die richtige Frau ist, um den Tanker in die Zukunft zu führen: Mit ihrer grossen Erfahrung als Erzählerin – Abramson unterrichtet unter anderem Storytelling an der Universität von Yale –, sei sie genau die richtige Frau, um das Blatt aus den Strömen des täglichen Newsgeschehens herauszuheben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch