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Alitalia-Rettung ist gescheitert

Weil sich die Gewerkschaften nicht einigen konnten, zog das Konsortium zur Rettung sein Angebot zurück. Nun steht die Airline vor dem endgültigen Aus.

Das Jahr 2009 wird schwierig für die Fluggesellschaften. Die italienische Alitalia liess bereits diesen Sommer die Gäste stehen, andere Airlines blieben definitiv am Boden.
Das Jahr 2009 wird schwierig für die Fluggesellschaften. Die italienische Alitalia liess bereits diesen Sommer die Gäste stehen, andere Airlines blieben definitiv am Boden.
Keystone
Wie lange fliegt die einst stolze italienische Airline noch?
Wie lange fliegt die einst stolze italienische Airline noch?
Keystone
Es passiert nicht nur anderswo - das musste die Schweiz 2001 bitter lernen. Das ganze Land hielt den Atem an, als am 1. Oktober die Swissair den Flugbetrieb einstellte.
Es passiert nicht nur anderswo - das musste die Schweiz 2001 bitter lernen. Das ganze Land hielt den Atem an, als am 1. Oktober die Swissair den Flugbetrieb einstellte.
Martin Rütschi, Keystone
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Das Drama um die Rettung der maroden italienischen Fluggesellschaft Alitalia nahm gestern eine neue Wendung zum Schlechten. Nachdem am Nachmittag ein Ultimatum an die Gewerkschaften verstrichen war, das Abkommen mit dem Konsortium unter dem Piaggio-Chef Roberto Colaninno zu unterzeichnen, zogen die Investoren ihr Angebot zurück. Das Schicksal der Alitalia, die seit Jahren hochgradig defizitär ist und täglich zwei Millionen Euro Verluste einfliegt, ist damit ungewisser als je zuvor.

Selbst Regierungschef Silvio Berlusconi, der die Rettung der Fluglinie zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht hatte, formulierte es drastisch: «Wir stehen am Abgrund.» Über die Zukunft des Unternehmens, an dem der italienische Staat 49,9 Prozent hält, wollte er sich vorerst nicht äussern. Man müsse sich erst noch einmal eingehend mit der Sache befassen, erklärte er, machte aber die Gewerkschaften für das Scheitern verantwortlich.

Der sogenannte Plan Phönix sah vor, die Alitalia in zwei Gesellschaften aufzuspalten und die wertvollen Teile gemeinsam mit der privaten Fluglinie Air One in eine neue Alitalia zu überführen, während die defizitären bereits unter staatliche Konkursverwaltung gestellt wurden.

Die Nerven lagen blank

Nicht nur in den politischen Schaltzentralen der Macht, auch im Römer Hauptquartier der Alitalia und am Flughafen Fiumicino lagen gestern die Nerven blank. Unter vielen Mitarbeitern geht schon seit Tagen die Angst vor einem endgültigen Grounding um, das allein bei der Alitalia fast 20’000 Menschen arbeitslos machen würde. Das könnte nun am kommenden Montag eintreten, wenn die Luftfahrtbehörde entscheiden will, ob überhaupt noch die Bedingungen zur Aufrechterhaltung der Lizenz bestehen.

Schon für den jetzt eingetretenen Fall hatte der staatliche Konkursverwalter Augusto Fantozzi angekündigt, das Personal von insgesamt 34 Maschinen sofort auf Kurzarbeit zu setzen. Betroffen wären davon vorerst 831 Piloten, 1383 Flugbegleiter und 2072 Mitglieder des Bodenpersonals. Er versicherte jedoch gestern Abend, dass die Alitalia weiter fliegen werde, solange noch genug Geld da sei. Er werde nun nach neuen Partnern zur Rettung der Airline suchen, hiess es gestern am späten Abend nach einem Treffen mit den zuständigen Ministern.

Jubel unter den Angestellten

Die Piloten, an deren eisernem Widerstand nicht zuletzt das Abkommen gescheitert war, versprachen, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.

Viele zeigten sich höchst zufrieden damit, dass man hart geblieben sei. «Lieber bankrott als in den Händen von Banditen», lautete einer ihrer Slogans. Auch viele Flugbegleiter in Fiumicino jubelten und applaudierten gestern, nachdem die Compagnia Aerea Italiana (CAI) ihr Angebot zurückgezogen hatte, während viele Passagiere das Treiben konsterniert beobachteten.

Ähnliche Szenen spielten sich in Mailand ab. «Berlusconi wird intervenieren», erklärte der Vorsitzende der Pilotengewerkschaft, Fabio Berti, in einer Stellungnahme zuversichtlich, denn jetzt drohe ein Mobilitätsproblem für das ganze Land. «Es gibt keine Möglichkeit mehr für eine staatliche Intervention», sagte gestern Abend jedoch Arbeitsminister Maurizio Sacconi.

Alitalia befindet sich in dramatischer Position

Das Unternehmerkonsortium begründete seine Entscheidung mit der «dramatischen Situation», in der sich die Alitalia befinde. In einem am Abend verbreiteten Communiqué erklärte die CAI, es sei auch angesichts der Lage auf dem internationalen Markt nicht möglich, noch länger zu warten, zumal man zahlreiche Zugeständnisse gemacht habe. Nachdem die CAI bereits vor einer Woche erstmals den Verhandlungstisch verlassen hatte, kam sie den Gewerkschaften insofern entgegen, als die Zahl der vorgesehenen Entlassungen um 1000 reduziert wurde. Nicht abrücken wollte sie dagegen von einem Gesamtarbeitsvertrag für alle Mitarbeiter, der Lohnkürzungen von bis zu 40 Prozent und längere Arbeitszeiten vorsah. Das lehnten fünf der neun Gewerkschaften, die die Belegschaft vertreten, als unzumutbar ab und unterbreiteten ihrerseits ein schriftliches Angebot.

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