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Airlines verzockten sich beim Ölpreis

25 Prozent verlor der Ölpreis seit Anfang Sommer, auch beim Kerosin gings abwärts. Warum das kein Schnäppchen für die Fluggesellschaften ist.

Treibstoff macht rund 30 Prozent der Betriebskosten einer Airline aus: Ein Flugzeug von Easyjet wird in Ljubljana betankt.
Treibstoff macht rund 30 Prozent der Betriebskosten einer Airline aus: Ein Flugzeug von Easyjet wird in Ljubljana betankt.
Reuters

Der Einbruch des Ölpreises Anfang September liess in den vergangenen Wochen auch die Kerosinpreise sinken. Die Treibstoffkosten fielen in diesem Monat um fast neun Prozent. Auf Jahressicht sind es rund 16 Prozent, berichtet das «Wall Street Journal» basierend auf Zahlen des Branchenverbandes Iata.

Dies dürfte die Airlines freuen, könnte man meinen. Treibstoff macht im Schnitt 30 Prozent der Betriebskosten einer Airline aus; der Preiseinbruch dürfte sich also auf den Gewinn auswirken. Tatsächlich profitieren die europäischen Fluggesellschaften aber kaum von dieser Entwicklung. Denn das Gros der Airlines bezieht sein Kerosin basierend auf langfristigen Vereinbarungen.

Diese sogenannten Hedging-Verträge sollten die Firmen eigentlich gegen Preisschwankungen und ausufernde Treibstoffkosten schützen. Derzeit erweisen sie sich als hinderlich. Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl ist überzeugt, dass sich viele Fluggesellschaften verschätzt haben. Gegenüber dem österreichischen Aviatikmagazin «Austrian Aviation» sagte er, die Airlines hätten auf steigende Treibstoffpreise spekuliert und damit aus heutiger Sicht zu hohe Preise abgesichert.

Treibstoff zu festen Konditionen

Europas grösster Billigflieger Ryanair etwa hat laut WSJ bis März 2015 gut 90 Prozent seiner Kerosinkosten festgelegt. Dieses Kerosin ist 15 Prozent teurer als der aktuelle Marktpreis. Ähnlich sieht es bei anderen Gesellschaften aus: Die Holding von British Airways, IAG, hat fast 80 Prozent des Kerosinverbrauchs im laufenden Quartal an feste Konditionen gebunden; bei Air France sind es 65 Prozent.

Anders sieht dies ausserhalb von Europa aus. HSBC-Analyst Andrew Lobbenberg gegenüber dem WSJ: «Die europäischen Fluggesellschaften sichern sich stärker ab als die US-Airlines und in der Tat auch mehr als Asien.»

Auch der starke Dollar schadet

Wie steht es um kleinere Airlines? Gesellschaften wie die österreichische Regionalairline Inter Sky oder der norwegische Billigflieger Norwegian Air Shuttle haben wegen der geringeren Einkaufsvolumen selten Hedging-Verträge. Von den momentan tieferen Preisen profitieren sie dennoch wenig bis nichts, zumal die Abwertung des Euro zum Dollar jegliche positiven Effekte abschwächt. Die Airlines buchen ihre Umsätze in Euro oder der jeweiligen Landeswährung, die Treibstoffkosten jedoch in Dollar. Der Gewinn, den zum Beispiel Norwegian Air Shuttle mit den einbrechenden Kerosinpreisen erzielt hatte, wurde wieder aufgezehrt: Der Dollar hatte auch gegenüber der norwegischen Krone erheblich zugelegt.

Somit ist denn auch für die Passagiere klar, dass die Treibstoffzuschläge auf Flugtickets trotz billigem Kerosin nicht sinken werden. Einzig die Hoffnung besteht, so Analyst Lobbenberg zum WSJ, dass die Preise konstant niedrig bleiben. Dann könnte sich womöglich in den nächsten ein bis zwei Jahren etwas ändern.

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