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Airbus' neuer Albtraum

Flugzeugbauer Airbus muss den Erstflug des neuen Militärtransporters A400M wegen Triebwerkproblemen erneut, und zwar auf unbestimmte Zeit verschieben.

A400M: Airbus' neustes Kind will nicht recht.
A400M: Airbus' neustes Kind will nicht recht.
Keystone

Die bisher eingeräumten Verzögerungen – ursprünglich sollte die Maschine im Januar starten – kosteten bereits 1,4 Milliarden Euro. Wie teuer die erneute Verschiebung zu stehen kommt, kann der Airbus-Mutterkonzern EADS noch nicht beziffern. Damit wird nach dem A380-Fiasko der A400M endgültig zum neuen Problemvogel bei Airbus.

Der Konzern und das Vier-Länder-Konsortium EPI, das das Propellertriebwerk entwickelt, weisen sich jetzt gegenseitig die Schuld zu. «Das Triebwerk ist noch nicht einsatzbereit», heisst es in der EADS-Erklärung. «Das erste Triebwerk ist seit April für die Flugerprobung zugelassen», sagt ein dem deutschen Konsortiumspartner MTU Aero Engines nahestehender Insider der AP. Nach Entwicklungsverzögerungen sei nun Airbus dafür verantwortlich, dass das Triebwerk noch nicht an einem Probeflugzeug in der Luft getestet worden sei.

Erste Erprobungsflüge für Triebwerk in kommenden Wochen

Immerhin sollen die Testreihen auf dem sogenannten fliegenden Prüfstand in den kommenden Wochen beginnen. Aber erst nach deren Auswertung und weiteren Gesprächen mit Kunden könnten die finanziellen Auswirkungen und der weitere Zeitplan überprüft werden, erklärte EADS-Sprecherin Barbara Kracht.

Die französische Luftwaffe sollte ihren ersten A400M ursprünglich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres erhalten. Später wurde der Termin auf 2010 verschoben. Auch dieses Datum wackelt nun. Weder von Seiten des Konsortiums EPI noch von Airbus werden derzeit Prognosen abgegeben.

Vier bauen mit

Das Joint Venture von Rolls-Royce (Grossbritannien), Snecma Moteurs (Frankreich), MTU Aero Engines (Deutschland) und Industria de Turbo Propulsores (Spanien) wurde nach dem Programmstart 2003 mit der Entwicklung der Motoren beauftragt. Dass Firmen aus vier Ländern allein bei der Produktion der Triebwerke zusammenarbeiten, wird in der Branche als Beispiel für ineffiziente, von nationalen Ansprüchen geprägte Strukturen bei dem europäischen Flugzeugbauer gewertet.

Die technischen Pannen und Managementfehlern geschuldete mehr als zweijährige Verspätung des Superjumbos A380 riss ein Loch von fast fünf Milliarden Euro in die EADS-Kasse. Der Abbau von 10'000 Stellen ist die Folge. Beim A400M droht sich der Alptraum nun zu wiederholen.

Luftwaffen kommen in Zeitdruck

Der wuchtige, graue Transporter mit schwarzer Nase und vier Propellertriebwerken ist das ehrgeizigste militärische Beschaffungsprogramm in Europa. Knapp 200 Bestellungen liegen vor. Die Bundeswehr ist mit 60 Aufträgen wichtigster A400M-Kunde. Neben sieben Staaten aus Europa, darunter die Türkei, wollen auch Malaysia und Südafrika die Maschine anschaffen.

Die Luftwaffen warten unter Hochdruck auf den modernsten Militärtransporter der Welt, sie müssen ihre in die Jahre gekommenen Transalls und C-130 Hercules ersetzen. Der A400M ist wegen des Einsatzes von Kunststoffbauteilen leichter als andere Transporter gleicher Grösse. Eine elektronische Flugsteuerung und ein automatisches Ladesystem sollen zudem für mehr Sicherheit und eine höhere Einsatzbreite sorgen.

AP/cpm

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