Airbnb geht gegen Dauergäste vor

Nachdem ein Airbnb-Gast letzten Sommer in den USA eine Wohnung besetzte, passt die Internetplattform ihre Nutzungsbestimmungen an.

Wer über Airbnb Gäste bei sich willkommen heisst, soll sich auch darauf verlassen können, dass diese wieder gehen.

Wer über Airbnb Gäste bei sich willkommen heisst, soll sich auch darauf verlassen können, dass diese wieder gehen.

(Bild: Keystone)

Angela Barandun@abarandun

Der Fall sorgte in den USA für Schlagzeilen: Cory Tschogl, eine Rehabilitationstherapeutin aus San Francisco, wurde ihren Airbnb-Gast namens Maksym Pashanin einfach nicht mehr los. Der junge Mann hatte sich letzten Sommer in ihrer Ferienwohnung in Palm Springs, Kalifornien, eingemietet und weigerte sich, nach den vereinbarten sechs Wochen auszuziehen. Bezahlt hatte er nur für die ersten 30 Tage. Trotzdem drohte er der 39-Jährigen gar mit einer Klage, falls sie versuchen würde, den Strom abzudrehen, um ihn zu vertreiben.

Tschogl hatte sich an die Presse gewandt, weil Airbnb, eine Plattform die Übernachtungen in privaten Zimmern oder ganzen Wohnungen vermittelt, sich zuerst nicht besonders hilfsbereit ­gezeigt hatte. Das änderte sich mit der zunehmenden Publizität, die Tschogls Leidensgeschichte erhielt. Denn eine schnelle Lösung war nicht absehbar: Nach kalifornischem Gesetz erhält ein zahlender Gast nach 30 Tagen die gleichen Rechte wie ein normaler Mieter. ­Jemanden aus der Wohnung zu werfen, auch wenn er seine Miete gar nicht zahlt, wird dadurch zum aufwendigen Unterfangen, das zwingend den Gang vor Gericht beinhaltet.

Jetzt wird Fehlverhalten teuer

Damit das nicht wieder passiert – oder wenigstens die Konsequenzen klar sind –, hat Airbnb die Nutzungsbestimmungen entsprechend angepasst. Unter dem Titel «Überschreitung der Aufenthaltsdauer ohne Zustimmung des Gast­gebers» stellt Airbnb nun klar: «Wenn ein Gast über die vereinbarte Check-out-Zeit hinaus ohne Zustimmung des Gastgebers in der Unterkunft bleibt, hat er keine Berechtigung mehr, sich in der Unterkunft aufzuhalten, und der Gastgeber hat das Recht, den Gast aus der Unterkunft zu verweisen.»

Wer trotzdem nicht geht, schuldet dem Gastgeber pro Tag das Doppelte der durchschnittlichen Übernachtungs­gebühr – «zuzüglich aller geltenden Servicekosten, Steuern und sonstiger, dem Gastgeber im Rahmen der Verweisung des Gastes aus der Unterkunft entstandenen Gerichtskosten». Das Geld kann Airbnb direkt der Kreditkarte des Gastes belasten. Im Klartext: Wenn jemand die Wohnung nicht räumt, kommt ihn das künftig teuer zu stehen.

Ob es sich bei der Änderung um eine reine Lex Tschogl handelt, oder ob es häufig vorkommt, dass Gäste die Wohnungen ihrer Airbnb-Gastgeber nicht mehr räumen wollen, wollte Airbnb auf Anfrage nicht bekannt geben. «Dieses Update ist ein weiteres Feature, um unsere Gastgeber zu stärken und schwarze Schafe von Airbnb auszuschliessen», sagt Sprecher Julian Trautwein lediglich.

Über Nacht aus dem Staub gemacht

Ob Lex Tschogl oder nicht – für die Therapeutin aus San Francisco kommt diese Änderung zu spät. Bis der Fall ausgestanden war, dauerte es noch mehrere Wochen – eigentlich ein relativ glimpflicher Verlauf, nachdem sie ursprünglich mit mehreren Monaten gerechnet hatte. Denn gut einen Monat nachdem die Geschichte das erste Mal in den Zeitungen gestanden hatte, machte sich ihr unbequemer Gast über Nacht aus dem Staub.

Die ganze Aufmerksamkeit war ihm wohl zu viel geworden. Zumal Maksym Pashanin gleichzeitig an einer ganz anderen Front bedrängt wurde: Der junge Mann hatte über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter knapp 40'000 Dollar für die Entwicklung eines Videospiels gesammelt. Seine Rolle als Besetzer nährte aber Zweifel daran, dass sein Game-Projekt jemals realisiert würde. Nicht ganz ohne Grund, wie sich rückblickend zeigt: Am 20. Juli 2014 erschien das letzte Update zum Projekt, das eigentlich bereits im Juni 2014 hätte realisiert sein müssen. Seither hat sich Pashanin nicht mehr gemeldet – sehr zum Ärger seiner Unterstützer.

Tschogl selbst hat sich mit Airbnb versöhnt. Nach dem misslungenen Start setzte sich die Plattform doch noch für die Gastgeberin ein und engagierte sogar einen privaten Ermittlungsdienst, der die Situation vor Ort überwachte. Ausserdem deckte die Plattform sämtliche Kosten, die Tschogl entstanden waren, wie die Therapeutin in den Medien erklärte. Pashanin ist gemäss Airbnb dauerhaft von der Airbnb-Plattform ausgeschlossen worden.

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