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ABB mit Milliardendeal in den USA

Der Technologiekonzern ABB schluckt das US-Unternehmen Thomas & Betts für 3,9 Milliarden US-Dollar. ABB baut damit seine Stellung in Nordamerika aus. Die Reaktion der Ratingagenturen blieb nicht aus.

Die Ratingagentur Agentur Fitch hat für ABB im Anschluss an die Bekanntgabe der Übernahme der amerikanischen Thomas & Betts das langfristige Emittentenausfallrating (IDR) mit «BBB » bestätigt, den Ausblick dafür jedoch auf «stabil» von «positiv» gesenkt. Die aktuellen Kreditratings würden ABB genügend Spielraum zur Finanzierung der Akquisition von Thomas & Betts für 3,9 Milliarden Dollar lassen, teilte Fitch weiter mit.

Die Transaktion sei aus kurzfristiger Sicht dennoch leicht kredit- negativ zu werten. Zwar sei ABB nun besser diversifiziert und verstärkt im profitablen Niederspannungsbereich aktiv, was auch bessere Margen sowie eine verbesserte Fähigkeit zur Generierung von Cash bringe. Dies werde aber durch die potentiellen Integrationsrisiken mehr als wettgemacht. Die Aussichten auf eine Verbesserung des Ratings von ABB hätten sich deshalb verschlechtert.

Die Bestätigung des Ratings widerspiegle jedoch das weiterhin starke finanzielle Profil von ABB. Die Transaktion sei zwar ziemlich gross, die gesunde Profitabilität des Übernahmeziels und dessen geringe Verschuldung würden dafür den negativen Einfluss auf die Kreditschlüsselzahlen von ABB mildern.

Zehnfacher Umsatz

Der Technologiekonzern ABB wird durch eine Milliardenübernahme zum grossen Player im US-Niederspannungsmarkt. Mit dem geplanten Kauf des Niederspannungs-Spezialisten Thomas & Betts wächst der potentielle Markt für ABB auf einen Schlag um das Doppelte auf 24 Milliarden Dollar.

ABB zahlt für Thomas & Betts 3,9 Milliarden Dollar und übernimmt damit eine Führungsrolle in Nordamerika, wo ABB im relevanten Niederspannungsmarkt bisher kaum Akzente setzen konnte.

Rund 240 Millionen Dollar setzte der Schweizer Technologiekonzern bisher in dieser Sparte in Nordamerika um. Mit Thomas & Betts wird es zehnmal mehr sein. Der US-Konzern erwartet im Geschäftsjahr 2011 nach eigenen Schätzungen voraussichtlich 2,3 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 390 Millionen Dollar.

Im Vertrieb «nicht gerade grossartig»

Tarak Mehta, Leiter der Division Niederspannungsprodukte bei ABB, bezeichnete deshalb den nordamerikanischen Markt an einer Telefonkonferenz am Montag als «ziemlich klein». Zudem sei ABB im Vertrieb «nicht gerade grossartig». «Wir haben grossartige Produkte, aber keine Vertriebswege», so Mehta. Demgegenüber werden die Vertriebskanäle von Thomas & Betts als «hervorragend» gelobt. So sollen weiter auch die starken Marken und Produktnamen von Thomas & Betts beibehalten werden.

ABB kann künftig auf ein Netz von mehr als 6000 Händlerstandorte und Grosshändlern zurückgreifen. Die elektrischen Komponenten von Thomas & Betts und die Niederspannungs-, Regel- und Messprodukte von ABB ergänzten sich zu einem umfassenden Portfolio im Niederspannungsbereich, betonen ABB und Thomas & Betts. Erwartet wird, dass ab 2016 Synergieeffekte von jährlich 200 Millionen Dollar zu Buche schlagen werden. Ohnehin wird der Bereich Niederspannung als einer der rentabelsten bezeichnet.

Weitere Übernahmen geplant

Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben einer Transaktion zugestimmt. ABB zahlt Thomas & Betts 72 Dollar je Aktie in bar. Der Übernahmepreis entspricht einem Aufschlag von 24 Prozent auf den Schlusskurs der Thomas & Betts-Aktie am 27. Januar 2012 und einem Aufschlag von 35 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 60 Handelstage, wie die Konzerne mitteilten.

Die Transaktion untersteht der Zustimmung der Aktionäre von Thomas & Betts und den üblichen regulatorischen Genehmigungen. Sie soll bis Mitte 2012 abgeschlossen werden. ABB hat damit aber noch nicht genug. Wie Konzernchef Joe Hogan am Montag ausführte, sollen im Zeitraum von 2011 bis 2015 insgesamt 9 bis 18 Milliarden Dollar in Übernahmen investiert werden. Derzeit seien jedoch keine Transaktionen unmittelbar vor dem Abschluss.

Die Strategie ist klar: Der Konzern soll wachsen. ABB hatte bereits im November vergangenen Jahres ehrgeizige Ziele für die nächsten fünf Jahre formuliert. Organisch soll das Unternehmen 7 bis 10 Prozent zulegen. Übernahmen sollen rund 3 bis 4 Prozent zum Wachstum beitragen.

Anfang 2011 hatte der ABB-Konzern für 4,2 Milliarden Dollar das US- Unternehmen Baldor Electric übernommen. Hinzu kamen zahlreiche kleinere Transaktionen wie etwa die Übernahme des kanadischen Energieunternehmens Envitech Energy oder der Spezialist für unterbrechungsfreie Stromversorgung Newave. Die Anleger indes scheinen dem Kauf skeptisch gegenüber zu stehen. Die ABB-Aktie verlor am Montagmorgen vorübergehend bis zu 2,2 Prozent. Um 11.30 Uhr stand der Titel bei -1,3 Prozent.

Erfinderin des Kabelbinders

Thomas & Betts beschäftigt rund 9400 Mitarbeitende. Der Konzern stellt eine ganze Reihe von Niedrigspannungsprodukten her. Dazu gehören etwa Verbinder, Kabelkanäle und Armaturen. Ausserdem liefert das Unternehmen Masten für die Stromübertragung und betreibt einen Bereich für die Produktion von Heiz-, Klima- und Ventilationsanlagen.

Thomas & Betts gilt als Erfinderin des Kabelbinders, den die Firma 1958 auf den Markt brachte. ABB hat bisher rund 18'000 Personen in Nordamerika beschäftigt. Weltweit sind für die ABB-Gruppe rund 130'000 Personen tätig. An den verschiedenen Standorten in Nordamerika erzielte der Konzern in den ersten neun Monaten 2011 einen Umsatz von 5 Milliarden Dollar.

SDA/kpn/jak

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