Zürich ist Easyjet zu teuer

Easyjet-Europachef Thomas Haagensen erklärt, weshalb der Flughafen Zürich für ihn keine grosse Bedeutung hat und wie die zweitgrösste europäische Billigfluggesellschaft auf den Brexit reagiert.

Schwierige Umstände: Im dritten Quartal 2018 musste Easyjet insgesamt 2600 Flüge annullieren. Foto: Bloomberg, Getty Images

Schwierige Umstände: Im dritten Quartal 2018 musste Easyjet insgesamt 2600 Flüge annullieren. Foto: Bloomberg, Getty Images

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Herr Haagensen, wir sind mitten in den Sommerferien. Wie ist die operationelleGefühlslage bei Easyjet?
In den vergangenen Monaten haben wir aufgrund von Unwettern und Streiks unter den schwierigen Umständen gelitten. Insgesamt mussten wir in diesem Quartal 2600 Flüge annullieren. Vor allem der Streik der Fluglotsen in Frankreich, der auch Einfluss auf den Betrieb in Basel hatte, machte uns zu schaffen. Wir haben viel mehr Betriebsstörungen als in anderen Jahren. Das betrifft aber alle Airlines. Als Industrie müssen wir eine Lösung mit den Fluglotsen und auch eine für mehr Kapazitäten am Himmel finden.

Wie wirken sich diese Probleme finanziell aus?
Wenn wir Flüge stornieren müssen, schlägt sich dies auf unseren Gewinn nieder. Wenn wir die Gäste, die ein Ticket für 30 oder 40 Franken gekauft haben, im letzten Moment auf andere Flüge umbuchen müssen, dann kommt uns das teuer zu stehen. Wenn es sich um nicht-aussergewöhnliche Umstände handelt, dann müssen wir auch die EU-Entschädigungen bezahlen. Schlussendlich kommen die Hotelübernachtungen hinzu, im letzten Quartal waren es 70'000 Buchungen von Hotelzimmern. Die finanziellen Auswirkungen sind riesig.

Ryanair leidet noch stärker, andere Airlines wie Air Berlin und Monarch Airline sind in Konkurs gegangen. Easyjet war die grosse Profiteurin. Hält der Effekt weiterhin an?
Den Effekt haben wir besonders im Winter auf zahlreichen Strecken und in verschiedenen Märkten gesehen. In Berlin beispielsweise gibt es diesen Sommer wieder mehr Wettbewerb. In Grossbritannien gibt es durch die Monarch-Insolvenz nochmals einen positiven Schub für uns, aber auch das wird sich bald normalisieren.

Thomas Haagensen: Der 46-Jährige Chef von Easyjet Europe ist in Genf aufgewachsen und hat in Lausanne studiert. Bild: Keystone/Georgios Kefal

Die Brexit-Strategie von Easyjet war die Gründung von Easyjet Europe in Wien. Sind Sie mit der Umsetzung zufrieden?
Ja, es läuft alles nach Plan. Das Ziel ist, dass alle Flugzeuge, die in einem der EU-27-Staaten stationiert sind, in österreichische Flugzeuge umregistriert werden. Das werden insgesamt 130 bis 140 Maschinen sein, bis heute haben wir 117.

Noch immer ist ein vertragsloser Zustand nach dem Brexit möglich. Wie gross ist die Verunsicherung bei Easyjet?
Eine gewisse Unsicherheit ist auf jeden Fall da. Aber deshalb haben wir als Massnahme Easyjet Europe gegründet. Wenn alle Flieger umregistriert sind, dann können wir innerhalb von Europa fliegen und innerhalb von Grossbritannien ja sowieso.

Easyjet wächst, nimmt neue, grössere Flugzeuge in die Flotte auf und hat soeben die Gewinnerwartungen um fast zehn Prozent erhöht. Wo müssen Sie sich noch verbessern?
Beim Thema «Daten» sehen wir noch ein Riesenpotenzial. Die bessere Nutzung wird eine grosse positive Wirkung auf unsere Kosten haben. Erst vor Kurzem hat unser Data-Intelligence-Team seine Arbeit aufgenommen.

Mit welchem konkreten Ziel arbeitet dieses Team?
Es ist unglaublich, was diese Ingenieure machen können. Man gibt denen einen Haufen Daten, und sie finden etwas, ohne dass wir zuvor überhaupt ein Problem identifiziert hatten. So haben sie es etwa anhand der drei Variablen Destination, Art der Kunden und Uhrzeit geschafft, die Prognose zu verbessern, wie viele Passagiere an Bord etwas essen werden. Wir starteten mit diesem Projekt vor ein paar Monaten, und bereits konnten wir die Verschwendung von frischen Esswaren arg reduzieren. Das ist nur ein kleines, einfaches Beispiel. All das wird dazu führen, dass wir bessere Preise anbieten können.

Dann werden die Preise weiter sinken?
Generell waren die Ticketpreise zuletzt rückläufig. Aber letztendlich ist dies von Markt zu Markt und von Strecke zu Strecke unterschiedlich. Wo es Wettbewerb gibt und die Airlines investieren, sinken die Preise. In Basel, wo wir zwei zusätzliche Flugzeuge stationierten, gibt es nun mehr Kapazität und mehr Wettbewerb, was die Preise unter Druck setzt.

Welche Rolle hat der Flughafen in Basel für Easyjet heute?
Der Euro-Airport ist wichtig für uns, weshalb wir in den letzten Jahren hier auch kontinuierlich investiert haben. Elf Flugzeuge sind in Basel stationiert. Wir haben eine Nummer-eins-Position, die wir halten wollen.

Was muss sich in Zürichändern, damit der Flughafen für Easyjet interessanter wird?
Wir haben nur wenige Verbindungen von und nach Zürich.Die Kriterien sind die Betriebszeiten, die Gebühren, die Kapazitäten und Slots. In Zürich gibt es nicht viele Slots, die Gebühren sind nicht die niedrigsten in Europa, und auch die Betriebszeiten sind nicht sehr gut. Aktuell ist unsere Strategie vielmehr, dass wir die heutige Position in Basel und in Genf konsolidieren. Es macht mehr Sinn, uns darauf zu konzentrieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2018, 19:58 Uhr

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