Wie Konkurrenten Elon Musks Schwäche nutzen

Die Produktion des Volks-Tesla ist in Rückstand geraten, doch der Wettlauf um Marktanteile für das Elektroauto beschleunigt sich.

Nur 260 statt 1500 Volks-Teslas im dritten Quartal: Roboter bauen in der Fabrik in Kalifornien an einem Tesla. Foto: Keystone

Nur 260 statt 1500 Volks-Teslas im dritten Quartal: Roboter bauen in der Fabrik in Kalifornien an einem Tesla. Foto: Keystone

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Elon Musk ist seinem Ruf als Daueroptimist treu geblieben und hat seine Produktionsziele einmal mehr verfehlt. Statt 1500 baute er diesen Herbst nur 260 Stück des Volks-Tesla. Der Rückschlag kommt den grossen US-Konzernen allerdings gerade recht. General Motors und Ford wollen zu einer Aufholjagd ansetzen und in wenigen Jahren 33 Elektrotypen lancieren. Gemäss den Plänen der führenden Hersteller in Europa, Asien und den USA dürften in sechs Jahren bereits über 130 E-Modelle erhältlich sein.

Der Kampf um Marktanteile im Elektro-Markt ist entbrannt. Nachdem BMW, Volkswagen, Daimler, Volvo, Toyota und selbst der britische Staubsaugerhersteller Dyson bereits Pläne für ihre Elektroautos vorgestellt hatten, zogen General Motors und Ford diese Woche rasch nach. GM präsentierte zu Wochenbeginn einen Katalog mit 20 neuen Modellen, wovon 2 schon in den kommenden 18 Monaten erhältlich sein sollen. Ford präsentierte gestern ein Programm mit 13 Modellen und Investitionen von 4,5 Milliarden Dollar.

Angetrieben werden diese Pläne durch China und Kalifornien und die Angst, von Tesla und deutschen Konzernen überrundet zu werden. China ist der grösste Automarkt der Welt und für Ford wie GM ein entscheidender Wachstumsmarkt.

China ist treibende Kraft

Noch letzten Monat hatte GM-Chefin Mary Barra vorsichtige Töne angeschlagen. Bei einem Besuch der Werke in China warnte sie vor einem gesetzlichen Zwang zur Umstellung auf E-Autos. Der freie Markt müsse entscheiden, nicht die Politik. Doch diese Woche tönte es plötzlich ganz anders. GM sei vor allem wegen China zu «einer sehr aggressiven Förderung der Elektrifizierung» gezwungen. Der Automarkt der Zukunft verspreche «null Unfälle, null Emissionen und null Staus», meinte Barra. In China wolle GM im Jahr 2020 mindestens zehn E-Typen bereitstellen, derzeit sind es drei Modelle.

Ein ähnliches Ziel peilt auch Ford an. China setzt bereits rund die Hälfte aller produzierten E-Autos in Verkehr und will wie kein anderes Land massenhaft auf emissionsarme Fahrzeuge umstellen, um die gravierende Luftbelastung unter Kontrolle zu bringen. Dabei sollen auch ausländische Hersteller ihren Beitrag leisten. Sie müssen ab 2019 in ihren chinesischen Fertigungswerken neben konventionellen Wagen mit Verbrennungsmotor auch Elektrofahrzeuge für den Inlandmarkt herstellen. Zu verdienen ist allerdings auf absehbare Zeit wenig, da die meisten E-Wagen in China unter 20'000 Dollar und einige Modelle sogar weniger als 7000 Dollar kosten. Für eine Grundnachfrage sorgen die Städte, da sie ihre eigene Fahrzeugflotte beschleunigt elektrifizieren wollen.

In den USA übt Kalifornien Druck aus. Der Bundesstaat und grösste Automarkt des Landes verlangt, dass die amerikanischen Hersteller zusätzliche und günstigere E-Modelle anbieten oder andernfalls Emissionszertifikate von Tesla kaufen. Es gebe keinen Grund, die Umstellung nicht zu beschleunigen, sagt Gouverneur Jerry Brown, da China voll auf die Elektrifizierung setze. Bisher sind die Fortschritte bescheiden, auch wenn zahlreiche Bundesstaaten ähnlich hohe Steuerrabatte wie die Schweiz gewähren. Der Marktanteil der E-Autos in Kalifornien liegt bei gut 3 Prozent und in den USA unter 1 Prozent. Tesla ist mit 45 Prozent mit Abstand die Nummer eins, gefolgt von GM und Nissan.

Bildstrecke - Die Produktion des Modell 3 von Tesla

«Zukunft ist elektrisch»

Die Umstellung hat noch einen hohen Preis. Tesla wird bis Ende dieses Jahres mehr als zehn Milliarden Dollar investieren, ohne einen Cent verdient zu haben. General Motors verliert mit jedem Chevrolet Bolt rund 9000 Dollar, und Fiat Chrysler muss auf jeden elektrifizierten Fiat 500 sogar 20'000 Dollar drauflegen. Diese Kosten in einem noch jungen Markt sind ein Grund, weshalb Elon Musk von den Käufern des Volks-Tesla eine Vorauszahlung von 1000 Dollar verlangte und so einen kostenlosen Kredit von 450 Millionen Dollar verbuchte.

Trotzdem bleibt die Produktion des Modells 3, das mit Steuerabzügen unter 30'000 Dollar kosten soll, weit hinter seinen grossen Versprechen zurück. Musk macht dafür nicht näher präzisierte Engpässe geltend. Dagegen läuft die Fertigung der teureren Modelle S und X nach Plan. Dies ist aus Sicht von Marktanalysten positiv, da die Nachfrage nach den Luxusmodellen trotz des billigeren 3 offenbar nicht nachlässt.

Video - Vor über einem Jahr wurde das Modell 3 erstmals vorgestellt

«Niemand zweifelt daran, dass die Zukunft elektrisch sein wird», sagt Erich Joachimsthaler, Chef der Marketingfirma Vivaldi, die unter anderem deutsche Luxusmarken vertritt. «Die Firmen haben mit der Elektrifizierung lange gezögert, doch nun werden sie von Tesla und von den Regulatoren (in China und Kalifornien) gezwungen.»

Das Tempo dürfte vom Batteriepreis bestimmt werden. Zurzeit kostet ein Kilowatt einer ­Lithium-Ionen-Batterie noch 145 Dollar, doch will GM die Kosten in wenigen Jahren auf 100 Dollar senken. Bloomberg New Energy Finance glaubt, dass im Jahr 2040 weltweit zum ersten Mal mehr ­E-Autos als konventionelle Wagen verkauft werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.10.2017, 23:04 Uhr

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