Weshalb Ackermann nicht auf die umstrittenen Boni verzichten will

«Aus Solidarität»: Der Ex-Chef der Deutschen Bank sagt, er wolle seinen Kollegen nicht schaden.

Lässt sich feiern: Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank, bei der Generalversammlung 2012.

Lässt sich feiern: Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank, bei der Generalversammlung 2012. Bild: Keystone

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Als Josef Ackermann die Bühne eines Wirtschaftsgipfels im Berliner Hotel Adlon betritt, ist die Meldung keine 24 Stunden alt: Die Deutsche Bank will mehreren ihrer Ex-Vorstände die bereits zugesagten Boni streichen. Betroffen sein sollen unter anderem Anshu Jain, Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzende der Bank bis 2015, und eben Josef Ackermann, der sich auf dem Podium den Fragen stellt.

Es gehe ihm um die jungen Manager

Deshalb interessiert an diesem Nachmittag vor allem: Wird Ackermann auf seine Bonuszahlungen verzichten? Darüber reden will Ackermann sichtlich nicht. Erst ein, dann zwei und schliesslich ein drittes Mal windet sich der ehemalige Deutsche-Bank-Chef um das Thema herum. Erst beim vierten Anlauf sagt er dann, dass er nichts sagen könne. Und er nicht verzichten könne, auch wenn er gern verzichten würde.

Er müsse an seine Kollegen denken, deren Boni auch zur Disposition stünden, sagt Ackermann. «2008 habe ich auf meine fünf Millionen verzichtet und die anderen damit unter Druck gesetzt.» Das könne er heute nicht mehr tun, schliesslich könne er als ehemaliger Deutsche-Bank-Chef nicht für jüngere Manager mitentscheiden. Was er aber noch sagen wolle: «Mir fällt kein Stein aus der Krone, wenn ich auf etwas verzichte».

«Nicht Bösewicht der Finanzkrise»

Sehr wohl scheint es ihn aber zu stören, wenn die Deutsche Bank im Nachhinein als Mitverantwortliche an der Finanzkrise herhalten muss. «Es gab damals keine Alternative», sagt er im Hinblick auf den Einstieg ins riskante Investmentbanking, den er initiiert hatte. Auch die Unternehmenskultur, die damit einherging, habe der Bank im Nachhinein nicht geschadet: «Es war eine Kultur, die wir nicht kannten, aber sie hat der Bank gut getan.»

Er selbst habe nicht das Gefühl, als «Bösewicht der Finanzkrise» dazustehen. Noch nie sei er auf der Strasse oder in einem Restaurant von jemandem kritisch angesprochen, erst recht nicht beschimpft worden. «Ich kann immer noch mit meiner Familie spazieren gehen.»

Dass die Finanzbranche und damit auch die Deutsche Bank dem Populismus durch die Erschütterungen, die sie auslöste, mit den Boden bereitet habe, bestreitet Ackermann ebenfalls vehement: «Also, wenn wir dafür auch noch zuständig sind, dann geht es zu weit.»

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 18.11.2016, 09:29 Uhr

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