UBS und CS investieren Milliarden in Umweltsünder

Greenpeace hat ausgerechnet, wie hoch die CO2-Emissionen aus Krediten an Kohle- und Ölförderer sind.

Kohleabbau durch den US-Konzern Peabody Energy unweit von Gillette/Wyoming – die Credit Suisse ist an der Finanzierung prominent beteiligt.

Kohleabbau durch den US-Konzern Peabody Energy unweit von Gillette/Wyoming – die Credit Suisse ist an der Finanzierung prominent beteiligt. Bild: Kristina Barker/Reuters

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Den Banken stünde ein wirksamer Hebel zur Verfügung, um den Übergangsprozess zu einer klimaverträglicheren Wirtschaft zu forcieren: Sie können Kreditlinien für besonders schwere Umweltsünder reduzieren und von Aktien- und Anleihenemissionen solcher Konzerne Abstand nehmen. Wie gehen die UBS und die Credit Suisse mit dieser Verantwortung um? In einem kürzlich veröffentlichten Papier zeichnet Greenpeace Schweiz ein ernüchterndes Bild.

Die Erhebung beschränkt sich nur auf jene Branchensegmente, «die besonders dreckige, sogenannt extreme fossile Brennstoffe nutzbar machen», wie Greenpeace schreibt. Dazu zählen Kohle, die Ölförderung aus Teersanden, aus der Arktis und aus der Tiefsee sowie die Gewinnung von Flüssiggas.

Für 47 global tätige Unternehmen, die in diesen ökologisch höchst problematischen Bereichen tätig sind, haben UBS und Credit Suisse in den drei Jahren 2015 bis 2017 insgesamt 12,3 Milliarden Dollar an Finanzierungen bereitgestellt.

183 Millionen Tonnen Ausstoss von Treibhausgasen

Der Löwenanteil von 7,8 Milliarden entfiel auf die Credit Suisse; sie belegt damit den 20. Rang unter 36 in die Untersuchung einbezogenen Grossbanken. Die UBS rangiert mit ihren 4,5 Milliarden auf Platz 26. Berücksichtigt man nur europäische Geldhäuser, liegen die beiden Schweizer Vertreter bereits auf den Rängen 4 und 8.

Greenpeace stützt sich bei diesen Daten auf vorausgegangene Recherchen verschiedener Nichtregierungsorganisationen sowie auf Daten der Agentur Bloomberg. Aus Kreisen der Grossbanken heisst es dazu, «wir stellen die Zahlen nicht in Abrede».

Als «unsachlich» und «methodologisch fragwürdig» bezeichnen sie hingegen, wie Greenpeace mit dem besagten Finanzierungsvolumen von 12,3 Milliarden Dollar verfährt. Die Umweltorganisation liess von externen Experten berechnen, wie gross die mit diesen Mitteln freigesetzten Kohlendioxid-Emissionen sind.

Ergebnis: UBS und Credit Suisse haben über den dreijährigen Beobachtungszeitraum hinweg einen Ausstoss an Treibhausgasen von knapp 183 Millionen Tonnen finanziert. Zum Vergleich: Laut Treibhausgasinventar wurden hierzulande 2016 gut 48 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestossen.

«Aufgeblasene» Kohlendioxid-Emissionen

Gegen die Umrechnung der Kreditvergaben und Kapitalemissionen in ausgestossene Treibhausgase «ist grundsätzlich nichts einzuwenden», lassen die Grossbankenkreise durchblicken. «Voraussetzung ist jedoch, dass hierfür die effektive Kohlen- und Ölproduktion der betreffenden Konzerne zwischen 2015 und 2017 zugrunde gelegt wird». Dem sei aber nicht so.

Vielmehr werde in dem Greenpeace-Papier das Finanzierungsvolumen der Grossbanken mit den gesamten ausgewiesenen Kohlen- respektive Ölreserven dieser Unternehmen multipliziert. Also mit Reserven, die allenfalls in den nächsten 10 bis 20 Jahren abgebaut – oder je nach Entwicklung von Preisen und Kosten oder regulatorischen Eingriffen vielleicht gar nie vollständig gefördert werden.

Mit dieser Berechnungsmethodik würden die von UBS und Credit Suisse ermöglichten klimaschädlichen Emissionen «regelrecht aufgeblasen», heisst es aus ihren Kreisen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des US-Konzerns Peabody Energy, dem weltgrössten privatwirtschaftlichen Kohleförderer: Er hat seine Reserven per Ende 2018 auf rund 5,2 Milliarden Tonnen beziffert, während die letztjährige Produktion auf 192 Millionen Tonnen zu stehen kam. Auf dieser Basis würden die Reserven für 27 Jahre reichen.

Auch an Pipeline-Finanzierungen beteiligt

Peabody Energy ist auch der Grund, weshalb die Finanzierungen der Credit Suisse für «Dreckschleudern» von 2016 auf 2017 drastisch gestiegen sind. Die Grossbank gewährte dem Kohlekonzern laut dem Greenpeace-Papier knapp 1 Milliarde Dollar durch Kredite und Anleihen, nachdem dieser 2017 ein Konkursverfahren in den USA abgeschlossen und einen grossen Nachholbedarf an Finanzierungen gehabt hatte. Laut den seit 2016 geltenden Richtlinien der Credit Suisse darf die Bank keine Mittel zur Verfügung stellen für Projekte, die ausschliesslich oder mehrheitlich dem Abbau von Kraftwerkskohle dienen.

Der UBS wird von Greenpeace attestiert, dass sie «die Finanzierung führender Bergbaufirmen von 2015 bis 2017 deutlich reduziert» habe. Anders sieht es aus bei der Finanzierung der 120 global führenden Kohlekraftwerk-Entwickler: Hier hat die UBS ihren Rivalen vom Zürcher Paradeplatz überholt – mit Krediten und Anleihen in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar zwischen 2014 und 2017. Die Credit Suisse vergab gleichzeitig 3,8 Milliarden. In der weltweiten Rangliste der kreditgebenden Banken belegen die beiden Schweizer Institute damit die Plätze 31 und 42.

UBS und Credit Suisse sind ferner an Finanzierungen beteiligt für Firmen wie Enbridge, Kinder Morgan, Transcanada oder Energy Transfer Partners. Diese projektieren und bauen in Nordamerika die besonders umstrittenen Pipelines Line 3, Trans Mountain, Keystone XL, Dakota Access oder Bayou Bridge. Während die Finanzierungen der UBS auf die Zeit vor 2017 zurückgehen, hat die Credit Suisse gemäss dem Greenpeace-Papier «als eine der wenigen verbleibenden europäischen Banken auch 2017 und 2018 den Zugang zu Kapital für diese ... Ölpipeline-Firmen sichergestellt».

Den Übergangsprozess mitgestalten

Aus dem Umfeld der Grossbanken heisst es dazu, man sehe sich in der Pflicht, den Übergang zu einer klimafreundlicheren und ressourcenschonenden Wirtschaft mitzugestalten. Den Forderungen nach einem sofortigen Ausstieg aus allen öl- und kohlebezogenen Finanzierungen erteilen sie aber eine Absage. Das sei unrealistisch und mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden. Die Geldausleihungen für karbonhaltige Energieträger schrittweise zurückfahren und für erneuerbare Energien gleichzeitig erhöhen – das sei der vorgezeichnete Weg.

Als Kompass, so heisst es in den Kreisen, dienten der UBS und der Credit Suisse die 2017 ergangenen Empfehlungen einer internationalen Arbeitsgruppe zur Offenlegung klimabezogener finanzieller Risiken. Eingesetzt wurde die Arbeitsgruppe vom Financial Stability Board, die weltweit die Regulierung des Bankensektors koordiniert.

Die Empfehlungen zielen darauf ab, dass die Banken die Auswirkungen und Risiken des Klimawandels auf ihre eigenen Aktivitäten offenlegen respektive regelmässig im Geschäftsbericht darüber Auskunft geben. Allein diese vermehrte Transparenz werde dafür sorgen, dass sich die Banken der klimatischen Auswirkungen ihres Geschäftsgebarens stärker bewusst würden und ihre Kreditvergaben entsprechend umsteuern, verlautet aus den Grossbanken. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 04.02.2019, 14:13 Uhr

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