Thiams Lohn lässt sich nicht rechtfertigen

Der CS-Chef hat eine saftige Lohnerhöhung erhalten. Und das zu einem Zeitpunkt, in dem die zweitgrösste Schweizer Bank noch längst nicht saniert ist.

Verdiente 2018 knapp 13 Millionen Franken: CS-Chef Tidjane Thiam an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. (14. Februar 2019)

Verdiente 2018 knapp 13 Millionen Franken: CS-Chef Tidjane Thiam an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. (14. Februar 2019)

(Bild: Keystone Ennio Leanza)

Arthur Rutishauser@rutishau

Zwei Dinge kann man den Chefs der Credit Suisse nicht vorwerfen: Mangelnde Flexibilität oder fehlendes Selbstbewusstsein. «Im Jahr 2018 haben wir unsere Restrukturierung erfolgreich abgeschlossen und mit einem den Aktionären zurechenbaren Reingewinn von 2 Milliarden Franken den ersten Jahresgewinn nach Steuern seit 2014 erzielt.»

So steht es im Geschäftsbericht der zweitgrössten Schweizer Bank zu lesen. Und so lautet die Rechtfertigung für die Lohnerhöhung von CEO Tidjane Thiam um 30 Prozent sowie für die knapp 5 Millionen Franken Gehalt von Bankpräsident Urs Rohner. Die 2015 von Thiam und Rohner definierte Strategie sei umgesetzt und die Bank ein führender Vermögensverwalter mit «ausgeprägter Kompetenz» im Investmentbanking.

Darum geniessen auch die zwölf Mitglieder der CS-Konzernleitung eine saftige Gehaltssteigerung von 34 Prozent. Insgesamt beläuft sich deren Vergütung auf 93,5 Millionen Franken. Und das obwohl sich der Aktienkurs seit Thiams Amtsantritt 2015 halbierte, die CS bis heute ihre Kapitalkosten nicht verdient und die Investmentbank praktisch keinen Gewinn erzielt. Kurz: Die Sanierung ist nicht abgeschlossen, sie müsste erst einmal beginnen.

Verluste übersteigen Gewinn immer noch

Zur Erinnerung: Thiam verkündete 2015, er wolle die Bank in eine glänzende Zukunft führen und bis zu 10 Milliarden Franken Gewinn erzielen. Die Realität ist, dass die Verluste, die sich unter seiner Leitung angehäuft haben, den Gewinn von 2018 noch immer deutlich übersteigen. Gemessen an diesen Aussagen kann man höchstens von einem Etappenerfolg sprechen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die CS macht endlich wieder Gewinn und der Lohn des Chefs liegt bei knapp 13 Millionen und nicht bei über 20 Millionen Franken, wie sie der frühere CS-Chef Lukas Mühlemann und dessen Kontrahent Marcel Ospel von der UBS noch Anfang des Jahrtausends verdienten. Doch das ist als Erfolgsausweis von Thiam und Rohner zu wenig.

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