Swatch gibt Wasserstoffauto auf, Freiburger Groupe E übernimmt

Es wird kein Wasserstoffauto mit dem Namen Swatch geben. Die Uhrenfirma konzentriert sich auf die Entwicklung von Batterien.

Swatch lässt vom Geschäft mit Wasserstoffautos (Symbolbild).

Swatch lässt vom Geschäft mit Wasserstoffautos (Symbolbild). Bild: Keystone

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Ein eingeschlafenes Projekt wird wiederbelebt: Das Freiburger Elektrizitätsunternehmen Groupe E hat die Lizenz für die Weiterentwicklung des Wasserstoffautos von Belenos erworben. Das ist gestern im Rahmen des Wasserstoffkongresses Green Salon in Luzern bekannt geworden.

Das Unternehmen Belenos wurde 2007 von Uhrenpatron Nicolas G. Hayek gegründet. Er holte Prominente wie den Schauspieler George Clooney und den Astronauten Claude Nicollier in den Verwaltungsrat. In Marin-Epagnier tüfteln die Belenos-Ingenieure seither an einem Gesamtsystem für die umweltfreundliche Mobilität: Mit Solarstrom wird Wasserstoff produziert, welcher mit Brennstoffzellen ausgerüstete Autos antreibt. Statt Abgasen stossen die Brennstoffzellen nur Wasserdampf aus.

Zäsur nach dem Tod von Hayek

Doch nach dem Tod von Gründer Nicolas G. Hayek vor fünf Jahren wurde es still um Belenos. Im Februar dieses Jahres gab dann der heutige Swatch-Chef Nick Hayek eine Strategieänderung bekannt: Belenos setzt demnach nicht mehr auf Wasserstoffautos, sondern auf Batterien. Konkret soll die Swatch-Tocher Renata im basellandschaftlichen Itingen eine Superbatterie für Elektro­autos und Haushalte mit eigener Solarstromanlage entwickeln.

Der Strategiewechsel bedeutet aber nicht das Ende des Wasserstoffprojekts: Am Green Salon im Kongress- und Kulturzentrum Luzern (KKL) wurde gestern ein in Marin auf Wasserstoffbetrieb umgebautes Fahrzeug ausgestellt. Auf dem Auto stand der Name Swiss Hydrogen, und die Firmenprospekte waren mit Swiss Hydrogen SA, Marin-Epagnier, angeschrieben. Der Schriftzug Belenos fehlte.

Der Besitzerwechsel hat diese Woche stattgefunden, wie die Medienstellen der Groupe E und der Swatch bestätigten. Die Groupe E, welche ab 2007 an Belenos beteiligt war, hat demnach ihre Belenos-Aktien an die Swatch-Group zurückgegeben. Im Gegenzug hat die Groupe E die Belenos-Niederlassung in Marin-Epagnier erworben. Rund ein Dutzend Mitarbeitende wechseln von Belenos zur Groupe E, welche nun die Aktienmehrheit an der Swiss Hydrogen SA hält.

Wasserstoff als Energiespeicher

Die Groupe E will laut Mediensprecherin Nathalie Salamin umweltfreundliche Wasserstoffautos entwickeln und längerfristig ein Netz von Wasserstofftankstellen und Wasserstoffspeichern aufbauen. Der Wasserstoff soll dabei mit Wind- und Solarstrom produziert werden. Belenos wiederum steigt nicht ganz aus dem Wasserstoffgeschäft aus: Laut Swatch-Sprecher Bastien Buss entwickelt das Unternehmen neben der Superbatterie auch die Brennstoffzellentechnologie weiter und vergibt dafür Lizenzen.

Der Wasserstoffkongress in Luzern fand vor 20 Jahren zum ersten Mal statt. Damals herrschte Euphorie rund um die saubere Energie. Doch die Technologie konnte sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht durchsetzen. Konzerne wie ABB und Sulzer gaben die Herstellung von Brennstoffzellen wieder auf. Jetzt hoffen viele Hersteller auf einen Wiederaufschwung, wie sich gestern am Green Salon in Luzern zeigte. Alle grossen Hersteller entwickeln Wasserstoffautos. Aber erst Toyota produziert serienmässig: Vom Mirai – auf Deutsch Zukunft – sollen 7000 bis 8000 Stück vom Band laufen. (Der Bund)

Erstellt: 03.07.2015, 10:06 Uhr

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