Schweizer Topbanker ein Geldwäscher?

Ein Schweizer verschob eine Million Franken auf seine Helikopterfirma. Er habe nicht gewusst, dass es Schmiergeld sein könnte. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Akis Tsochatzopoulos: Der verurteilte griechische Ex-Minister beschäftigt Schweizer Behörden. Foto: O. Panagioutou (Keystone)

Akis Tsochatzopoulos: Der verurteilte griechische Ex-Minister beschäftigt Schweizer Behörden. Foto: O. Panagioutou (Keystone)

Thomas Knellwolf@KneWolf

Vorletzte Woche stand für Vertreter der Bundesanwaltschaft wieder einmal eine Dienstreise an. Das Ziel des Kurztrips ist den Ermittlern aus Bern mittlerweile wohlbekannt: In Athen waren sie zuletzt des Öfteren.

Grund des Arbeitsbesuchs in der griechischen Kapitale scheint diesmal vor ­allem ein Mann gewesen zu sein, der ­bereits seit einem halben Jahr in der Schweiz in Untersuchungshaft sitzt: ein Zürcher Banker, lange ein Topshot am schweizerischen Europasitz von Morgan Stanley, ehe er bei der UBS unterkam. Allerdings nur für kurze Zeit. Dann holte ihn seine Vergangenheit ein.

Zuerst war sein Name in der griechischen Presse aufgetaucht. Und zwar im Zusammenhang mit einem selbst für Athener Verhältnisse gigantischen Korruptionsskandal um Rüstungsbeschaffungen. Doch es kam noch schlimmer für den Mann, der in Griechenland zur Auf- und nun zur Absteigergruppe der «Goldenboys» gezählt wird: Bei ihm an der Zürcher Goldküste fuhren eines frühen Adventmorgens 2014 Bundesanwaltschaft und Polizei vor und durchsuchten die Villa. Dann wurde der Privatbanker abgeführt.

Keine Weihnachten am Kap

In den ersten Befragungen bestritt er die Geldwäscherei-Vorwürfe, die ihm gemacht wurden. «Sie können mir jetzt nicht mit Untersuchungshaft drohen», sagte er gemäss Einvernahmeprotokoll aus. «Ich fliege in zwei Tagen nach Südafrika, wo wir seit Jahren immer die Weihnachtsfeiertage verbringen.» Doch aus Familien-Weihnachten am Kap wurde nichts. Die Bundesanwaltschaft schenk­te den Unschuldsbeteuerungen keinen Glauben. Und die Zwangsmassnahmenrichter ordneten Untersuchungshaft an. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr, befanden sie.

Recherchen von DerBund.ch/Newsnet und der griechischen Zeitung «Kathimerini» zeigen nun, welche Spuren die Berner Wirtschaftsermittler verfolgen. Vorletzte Woche in Athen befragten sie Zeugen beziehungsweise Auskunftspersonen zu den Vorgängen und verdächtigen Transaktionen bei Morgan Stanley in Zürich. Das Programm war dicht. Sechs Personen wurden einvernommen, wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage bestätigt. Drei von ihnen standen oder stehen dem Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos sehr nahe. Es waren die ehemalige und die aktuelle Frau des inhaftierten Spitzenpolitikers sowie dessen Cousin Nikos Zigras.

Wusste angeblich von nichts

Zigras diente früher seinem schwer korrupten Vetter Akis Tsochatzopoulos als Geldbote, heute ist er Kronzeuge gegen ihn. Damit ist er ein Hauptgrund, weshalb der sozialdemokratische Mehrfachminister im Oktober 2013 in erster Instanz zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Zigras, der in einem ärmlichen Viertel der griechischen Hauptstadt lebt, verfügte über ein stattliches Vermögen bei Morgan Stanley in Zürich. Nach eigenen Angaben und nach Ansicht der Ermittler in Bern und Athen gehört das Geld aber nicht ihm. Er war allem Anschein nach nur Strohmann.

Doch war dem inhaftierten Schweizer Banker bewusst, dass hinter den Zigras-Konten dessen mächtiger Cousin, Ex-Verteidigungsminister Tsochatzopoulos steckte? In seiner ersten Einvernahme erklärte der Ex-Morgan-Stanley-Chef, er habe nichts geahnt. Stimmt das? Die Staatsanwälte des Bundes zweifeln stark. Sie wussten in den ersten Befragungen kurz vor Weihnachten bereits mehr, als dem Untersuchungshäftling lieb sein konnte. Sie hatten Kontobewegungen analysiert. Dabei waren sie auf sonderbare Transaktionen gestossen: Zwischen Juli 2010 und November 2011 waren in sechs Tranchen 960'000 Euro von den Schweizer Zigras-Tsochatzopoulos-Konten nach London geflossen. Das Geld – zum damaligen Kurs weit über eine Million Franken – landete auf einem Londoner Konto der Offshore-firma Juniper. Dort blieb es nicht lange.

Angeblicher Bilderverkauf

Es wanderte weiter zur Rotorflug Anstalt. Die Rotorflug ist einerseits eine Briefkastenfirma in Liechtenstein, die damals vom Morgan-Stanley-Banker und Hobbypiloten verwaltet wurde. Gemäss Angaben in öffentlichen Registern und Fachpublikationen besitzt die Rotorflug Anstalt einen Helikopter und hat auch einen Sitz in der Schweiz, an der Privatadresse des Inhaftierten am rechten Zürichseeufer. In seiner zweiten Einvernahme sagte der Banker aus, er habe das Geld verdient, weil er mit einem Partner Werke des verstorbenen griechisch-amerikanischen Künstlers Theodoros Stamos an Zigras verkauft habe. Die komplizierten Transaktionen über seine Rotorflug Anstalt seien «aus steuerlichen Gründen» gemacht worden.

Die Ermittler scheinen dem Untersuchungshäftling das nicht abzunehmen. Sie hegen den Verdacht, dass Schwarzgeld aus griechischen Rüstungsbeschaffungen gewaschen werden sollte. Just vor den hektischen Transaktionen war in Griechenland der Tsochatzopoulos-Skandal ausgebrochen. Bekam es ein Banker in Zürich nach den Schlagzeilen über seine Kundschaft mit der Angst zu tun? Verschob er Schwarzgeld bewusst weiter? Es liegt an der Bundesanwaltschaft, das zu beweisen. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

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