Postfinance stösst ins Kreditgeschäft vor

Zusammen mit dem Berliner Start-up Lendico baut die Bank in der Schweiz eine Crowdfunding-Plattform auf.

Die Postfinance will zusammen mit einem Berliner Start-up eine Crowdfunding-Plattform in der Schweiz aufbauen.

Die Postfinance will zusammen mit einem Berliner Start-up eine Crowdfunding-Plattform in der Schweiz aufbauen. Bild: Adrian Moser

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Crowdfunding ist der Finanzierungstrend der Stunde. Wer Geld braucht für ein Start-up, eine CD-Produktion oder ein Projekt in der Entwicklungszusammenarbeit, hat bei einer Bank als Geldgeberin meist keine Chance. Bessere Erfolgsaussichten gibt es beim Publikum – auf Neudeutsch: der Crowd. Allein in der Schweiz gibt es rund 30 Internetplattformen, über die sich Organisationen und Private bei der Crowd Geld beschaffen können. Und bald gibt es eine mehr.

Obwohl der Crowdfunding-Markt hierzulande noch sehr klein ist und kaum nennenswerte Volumen generiert, steigt die Postfinance ins Geschäft ein. Sie hat dafür ein Joint Venture mit dem deutschen Unternehmen Lendico gegründet, wie sie am Montag mitteilte.

Gemeinsam wollen sie Crowdlending – so nennt man Crowdfunding, bei dem Kredite vergeben werden – «aus dem Nischenstatus in den Massenmarkt heben». Vorerst will das Portal nur Firmenkredite anbieten.

Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern beträgt das Kreditvolumen am Schweizer Crowdlending-Markt derzeit rund 8 Millionen Franken. Welche Volumen Postfinance und Lendico für ihre Plattform erwarten, wollten sie auf Anfrage nicht sagen. Und auch nicht, wie sie konkret aus dem Nischen- einen Massenmarkt machen wollen.

Nur so viel: Sie erhoffen sich viel vom geplanten Co-Branding. Die Plattform wird also klar als Produkt der Postfinance erkennbar sein. Die gelbe Bank setzt auch darauf, dass sie ihre Kunden dazu bringen kann, die Plattform zu nutzen. Denn von Gesetzes wegen darf sie ihnen nicht direkt Kredite geben. Ob sie dafür Vermittlungprovisionen erhält, wird nicht bekannt gegeben.

Misserfolge in anderen Ländern

Für die Postfinance geht es beim Vorstoss in den Wachstumsmarkt im Wesentlichen darum, sich neue Verdienstmöglichkeiten zu erschliessen. Die traditionelle Einnahmequelle, das Zinsdifferenzgeschäft, ist mit den tiefen Zinsen versiegt. Allerdings dürfte auch die neue Plattform auf absehbare Zeit nicht den grossen Geldsegen bringen.

Wie hoch die Gebühren in der Schweiz sein werden, sei noch nicht bekannt, heisst es auf Anfrage. In Deutschland behält Lendico 1 Prozent der an die Kreditgeber bezahlten Zinsen und Amortisationen zurück.

Selbst wenn also der neue Anbieter den gesamten Schweizer Markt erobern könnte, würde er mit solchen Gebühren höchstens 80'000 Franken Umsatz machen. Und diesen muss die Postfinance sogar noch mit Lendico teilen – in welchem Verhältnis, wollen die Partner nicht verraten.

Für die Berliner ist es nicht der erste Vorstoss ins Ausland. Die 2013 gegründete Lendico ist bereits in sieben Ländern tätig. Teilweise allerdings mit mässigem Erfolg. Gemäss Medienberichten wurde das Geschäft in Polen, Südafrika und Spanien bereits wieder reduziert und Personal abgebaut.

Wie viele Kredite Lendico bisher insgesamt vermittelt hat, ist nicht bekannt. Auf der deutschen Website laufen derzeit fünf Kreditgesuche, auf der niederländischen vier und auf der österreichischen zwei. (Der Bund)

Erstellt: 11.07.2016, 23:24 Uhr

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