Oberländer Jungunternehmer mischen die Reisebranche auf

Trekksoft aus Interlaken hat eine Plattform aufgebaut, über welche bereits 850'000 Touren und Aktivitäten verkauft wurden.

Ein Windsurfer auf dem Urnersee: Anbieter von Outdoorangeboten zählen zu den Kunden von Trekksoft.

Ein Windsurfer auf dem Urnersee: Anbieter von Outdoorangeboten zählen zu den Kunden von Trekksoft.

(Bild: Comet Photoshopping)

Adrian Sulc@adriansulc

Über 1600 Reisebüros sind hierzulande seit der Jahrtausendwende verschwunden. Die Ursachen sind offensichtlich: Im Internet finden Selbstbucher heute (Billig-)Flüge und Hotels samt Nutzerbewertungen. Reiseforen, Google Maps und der Wunsch nach Individualität sind Gift für die Pauschalferien-Branche.

Ein Oberländer Jungunternehmen greift nun eine der letzten Bastionen der Reisebüros an: geführte Touren und andere Aktivitäten, die man im Voraus buchen muss. Den Anbietern von Trekkings, Fallschirmsprüngen oder Kneipentouren ist es zwar mehr als recht, wenn die Kunden direkt bei ihnen buchen. Denn dann sparen sie sich die hohen Provisionen, die sie den Reisebüros für die Vermittlung zahlen müssen. Doch das Problem der Tour-Anbieter ist, dass sie ohne die Reisebüros gar nicht an die Kunden herankommen – vor allem nicht, wenn es sich bei diesen um Touristen aus dem Ausland handelt.

Dieses Manko will Trekksoft aus Interlaken beheben. Die Firma hat eine Internet-Plattform programmiert, die es Veranstaltern erlaubt, ihre Angebote ohne grösseren Aufwand über die eigene Internetseite zu verkaufen. Im Hintergrund werden Buchung und Kreditkartenzahlung über die Trekksoft-Plattform abgewickelt.

Vom Tour- zum Softwareanbieter

Bereits 850'000 Buchungen wurden seit dem Start vor vier Jahren über die Plattform gebucht. Entstanden ist die Idee, weil Philippe Willi und Jon Fauver nach einer Möglichkeit gesucht hatten, die Abenteuer-Aktivitäten ihrer Firma Outdoor Interlaken im Internet zu verkaufen. «Wir konnten unsere Software an weitere Tourenanbieter im Oberland verkaufen und haben gemerkt, dass dies ein neues Geschäftsmodell ist», sagt Willi, der in Interlaken aufgewachsen ist. Zusammen mit Valentin Binnendijk haben die beiden dann die Trekksoft AG gegründet.

Der 30-jährige Willi räumt ein, dass die Verkaufsplattform an sich nicht sonderlich komplex ist. Aus zwei Gründen habe aber noch kein Anbieter auf diesem Feld Erfolg gehabt: Erstens müsse das System so benutzerfreundlich sein, «dass es auch der Ein-Mann-Unternehmer bedienen kann, der Surfkurse verkauft», sagt Philippe Willi. Zweitens sei der Markt der Tourenanbieter sehr fragmentiert. Die Internetplattform Tripadvisor liste weltweit über 700'000 Anbieter von Freizeitaktivitäten auf. «Diese müssen wir erreichen», sagt Willi.

Heute zählt Trekksoft 300 Anbieter zu ihren Kunden, diese bieten insgesamt 4800 Aktivitäten in über 100 Ländern an. Um dereinst Gewinne zu schreiben, muss Trekksoft die Kundenbasis deutlich vergrössern. Denn das Unternehmen verdient sein Geld mit den Verkäufen über seine Plattform: 94 Prozent gehen an den Anbieter, rund 2 Prozent an die Kreditkartenfirmen und der Rest an Trekksoft.

Illustre Investoren

Um rasch weitere Firmen an die Trekksoft-Plattform anzubinden, beschäftigen die Jungunternehmer ein 15-köpfiges Verkaufsteam in New York. Dazu kommt eine Handvoll Programmierer in Zürich, Israel und Weissrussland. Dafür braucht es Geld. So haben die drei Gründer in zwei Finanzierungsrunden 1,4 Millionen Franken gesammelt, wie sie gestern mitteilten. Neben der Investmentgesellschaft Redalpine und dem Innovationsfonds der Schwyzer Kantonalbank kommt das Geld von privaten Investoren, darunter der frühere Kuoni-Chef Armin Meier, Ex-Hotelplan-Chef Walter Güntensperger und Deindeal-Gründer Adrian Locher.

Der Bund

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