Nun also doch – Hayek kündigt Smartwatch an

Bisher machte sich Nick Hayek lustig über die Konkurrenz. Jetzt erklärt er, wie seine Swatch künftig mit Android und Windows kommuniziert. Und er überrascht Migros und Coop.

Die Swatch-Gruppe will nun auf dem Smartwatch-Markt mitmischen: Konzernchef Nick Hayek. Foto: Keystone

Die Swatch-Gruppe will nun auf dem Smartwatch-Markt mitmischen: Konzernchef Nick Hayek. Foto: Keystone

Adrian Sulc@adriansulc

Eine Smartwatch ist mühsam, weil man jeden Tag ihre Batterie aufladen muss. Eine Smartwatch ist mühsam, weil man andauernd ihre Software updaten muss. Eine Smartwatch ist mühsam, weil man sie am Steuer nicht benutzen kann. Nick Hayek hat schon viele Argumente gegen den Kauf einer Computeruhr vorgebracht. Und er erzählt immer wieder, zuletzt gestern Mittag am Westschweizer Radio, die Geschichte, wie er vor zehn Jahren gemeinsam mit Microsoft eine Uhr mit Internetverbindung lancierte – und sie niemand kaufen wollte.

Nachdem Apple im September seine Smartwatch vorgestellt, aber noch kein Lancierungsdatum genannt hatte, spottete der Chef des weltgrössten Uhrenherstellers gar über die neue Konkurrenz.

Trotzdem will die Swatch-Gruppe nun auf dem Smartwatch-Markt mitmischen. Während die klassischen Marken des Konzerns wie Omega, Breguet oder Longines weiterhin auf mechanische Uhrwerke setzen, wird die Marke Swatch einen Teil ihrer Digitaluhren mit Zusatzfunktionen versehen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erläuterte Hayek gestern, wie diese aussehen sollen: Die Uhr soll mit Smartphones mit Android- und Windows-Betriebssystem kommunizieren können (also mit allen ausser den iPhones) und, wie Hayek ­andeutet, eingehende Anrufe oder Textnachrichten anzeigen.

Coop und Migros überrascht

Zudem werde die Uhr mit einem System für mobiles Bezahlen ausgerüstet sein, mit welchem «in Läden wie Migros und Coop» eingekauft werden könne. Migros und Coop zeigten sich gestern beide überrascht von der Aussage Hayeks und konnten oder wollten nicht ausführen, um welches Bezahlsystem beziehungsweise um welche Technologie es sich ­dabei handeln soll.

Bei beiden Detailhändlern funktioniert heute bereits das kontaktlose Smartphone-Zahlsystem der Swisscom namens Tapit. Möglich, dass sich Swatch dort einklinken wird. Doch auch andere in- und ausländische Unternehmen wie die Postfinance und Google arbeiten an Smartphone-basierten Bezahlsystemen.

Hayek will die Uhr «in zwei bis drei Mona­ten» auf den Markt bringen – etwa zum gleichen Zeitpunkt, zu welchem auch Apple mit dem Verkauf seiner ­Apple Watch starten will. Zu weiteren Details wollte sich Hayek nicht äussern.

Bleibt – wie beim noch kaum benutzten mobilen Bezahlsystem der Swisscom – die Frage, ob Smartwatches überhaupt ein Bedürfnis der Konsumenten sind, oder ob sie zu einem gemacht werden können.

Auf und Ab der Swatch-Aktie

Um über 7 Prozent sackte der Kurs der Swatch-Group-Aktie gestern zwischenzeitlich ab, nachdem der Uhrenkonzern bekannt gegeben hatte, der Gewinn sei um ein Viertel tiefer als im Vorjahr ausgefallen. Nachdem Nick Hayek jedoch – trotz des starken Frankens – eine Betriebs­gewinnmarge von 20 bis 23 Prozent in Aussicht gestellt hatte, drehte der Swatch-Kurs am Nachmittag schlagartig wieder ins Plus.

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