Übernahme

Migros kauft sich Ryffel Running

Der Grossverteiler übernimmt die Mehrheit an Ryffel Running und will in seinen SportXX-Filialen Ryffel- Running-Shops einrichten. Die beiden bestehenden Shops in Bern und Uster werden Markus und Urs Ryffel weitergeführt.

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Markus Ryffel gewann 1984 in Los Angeles Olympiasilber über 5000 Meter. Seine damalige Laufzeit von 13:07,54 gilt noch immer als Schweizer Rekord. Ein halbes Jahr zuvor hatte er zusammen mit seinem Bruder Urs das eigene Geschäft gegründet: Ryffel Running mit Filialen in Bern und Uster.

«Natürlich dachte 1984 noch niemand, dass man in diesem Geschäft Geld verdienen kann. Wir waren ganz klar gesellschaftliche Aussenseiter. Man lächelte über uns oder sagte, wir seien Spinner», sagte er einmal in einem «Bund»-Interview.

Doch Ryffel und sein Betreuer Heinz Schild, der ihm früh zum Aufbau einer beruflichen Existenz riet, hatten den richtigen Riecher: Der einst belächelte Laufsport begann zu boomen. Die grossen Marathonläufe sind heute derart beliebt, dass Interessierte abgewiesen werden müssen.

Die feine Spürnase Ryffels sollte sich noch mehrmals bewähren: So stieg er rechtzeitig auf die neuen Trends Nordic Walking und Aquafit auf. Er organisierte Laufwochen und Seminare. Aber er verzettelte sich nicht: Seine Kernkompetenz blieb immer das Laufen. Hier hat er sich durch seine sportlichen Erfolge einen Namen geschaffen und durch seine 190 000 Trainingskilometer Erfahrung gesammelt wie kein Zweiter in der Schweiz. Dank seiner Fachkenntnis und seinem bescheidenen und sympathischen Auftreten ist sein Kundenkreis ständig gewachsen.

Trotz des Erfolges widerstand er der Versuchung, das Filialnetz zu vergrössern und zu grosse Risiken einzugehen. Es blieb bei dem von ihm geführten Geschäft in Bern sowie der von seinem Bruder Urs geleiteten Niederlassung in Uster. In beiden Geschäften und in der Lauforganisation zusammen sind 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig.

Shops mit Beratung

«Es war von Anfang an unser Ziel gewesen, in verschiedenen grösseren Städten eine Filiale zu errichten. Wir haben die Möglichkeiten alle fünf Jahre durchgerechnet und haben erkennen müssen, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen», sagte Ryffel gestern. Deshalb erfolgt der Schritt erst jetzt, 27 Jahre nach der Gründung: Die Migros übernimmt 60 Prozent der Aktien an der Ryffel Running AG, und sie hat Interesse, die Beteiligung zu erhöhen, wie sie mitteilte.

Sie will in ihren SportXX-Filialen ab dem kommenden Herbst Ryffel-Running-Shops einrichten. Diese werden laut Ryffel etwa die Grösse der heutigen Berner Niederlassung haben. Entsprechend geschulte Verkäuferinnen und Verkäufer sollen die Laufbegeisterten nicht nur bei der Wahl ihrer Schuhe und Kleider beraten, sondern auch Serviceleistungen wie Fussanalysen erbringen können, verspricht die Migros. Analysen sind wichtig: Weil jeder Fuss anders ist, eignet sich nicht jeder Schuh gleich gut für alle Läuferinnen und Läufer – ein ständiges Thema sind Stützen gegen das Einknicken des Fusses. Markus und Urs Ryffel werden die Migros beim Aufbau der neuen Filialen und der Ausbildung der Angestellten unterstützen. «Dank der engen Zusammenarbeit mit Markus und Urs Ryffel können wir unsere Kompetenz im Bereich Running und Nordic Walking weiter ausbauen», sagt Felix Kubat, Spartenleiter Sport der Migros.

Frauenlauf bleibt bei Ryffels

Die Ryffel Versand AG wird von der Migros zu 100 Prozent übernommen. Die Migros werde vor allem in die Software investieren und so beispielsweise auch Bestellungen über Smartphones ermöglichen, sagte Markus Ryffel. Operativ wird der Versandhandel aber weiterhin von den Brüdern Ryffel ausgeführt. Die Ryffel Running Event GmbH in Gümligen bleibt vollständig bei der Familie Ryffel. Sie organisiert unter anderem den Berner Frauenlauf mit der Migros als neuer Hauptsponsorin, den Strongman Run in Thun und den Swiss Walking Event in Solothurn.

«Die Ryffel Running AG gehörte bisher zu gleichen Anteilen meinem Bruder und mir. Dank der Migros können wir unser Lebenswerk sichern und ausbauen», sagte Markus Ryffel. Er sei jetzt 55 Jahre und Urs 61 Jahre alt. Deshalb hätten sie sich seit einiger Zeit die Nachfolgeregelung überlegt: «Wir haben beide zwei Söhne, aber wir wollten keinen Druck auf sie ausüben, in unser Geschäft einzusteigen.»

Der Umstieg vom sportlichen zum beruflichen Erfolg gelingt nicht allen: Markus Ryffel hat ihn geschafft. (Der Bund)

Erstellt: 03.01.2011, 07:00 Uhr

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