Mehr Skifahrer durch die Schöllenenschlucht

Analyse

Mithilfe von schwedischen Investoren soll in Uri und Graubünden eine neue Skiarena entstehen. Tausende Tagesgäste mehr? In Andermatt führen die Pläne zu einem kniffligen Transportproblem.

  • loading indicator

Für viele Wintersportler gehört Andermatt zu den reizvollsten Orten – und den schwer zugänglichen. Durch die Schöllenenschlucht transportiert die Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) heute die Touristen über knapp 340 Höhenmeter ans Ziel, das zwischen dem Gemsstock und dem Gütsch liegt. Dort, von Andermatt bis Sedrun, soll in den kommenden Jahren eine neue Skiarena entstehen – mit zahlreichen neuen Bahnen und Liften.

Die geplanten Investitionen des schwedischen Konzerns Skistar dürften sich insgesamt auf 150 bis 200 Millionen Franken belaufen, wie Samih Sawiris, Mitinitiator des Projekts, gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte. Dies wiederum würde laut dem Zermatter Bergbahnen-Chef Christen Baumann «rund 10'000 zusätzliche Tageseintritte» nötig machen, damit sich das Projekt bezahlt macht.

Der Bahnhof vor einer Neugestaltung

Für die Region Andermatt würde ein Zuwachs in dieser Höhe eine logistische Herausforderung bedeuten. Der Bahnhof beispielsweise ist laut Christoph Kronig, Pressesprecher der Matterhorn Gotthard Bahn, den Anforderungen schon heute nicht gewachsen. Als Drehscheibe zwischen der Schöllenenstrecke von Göschenen nach Andermatt und der Furka-Oberalplinie sind dort zu viele Rangierbewegungen nötig. Das Umsteigen für die Reisenden ist oft schwieriger als nötig, und auch die Unterführungen und Perrons erinnern eher an Gründerzeiten als an einen modernen Knotenpunkt für Bahnverkehr.

«Er muss so oder so weiterentwickelt werden», sagt Kronig gegenüber DerBund.ch/Newsnet und soll bei der Gelegenheit strategisch günstiger platziert sein: nahe einer geplanten Seilbahn über den Nätschen auf den Gütsch, die in der ersten Etappe des Grossprojekts bis 2013 entstehen soll. Anschliessend, in den Jahren 2016 bis 2018, könnte das Nadelöhr Schöllenenschlucht laut dem kantonalen Richtplan schon am Beginn entlastet werden – mit einer Achter-Gondelbahn, die schon von Göschenen auf den Gütsch führt.

Den Ausbau Schritt für Schritt gestalten

Aufwendige Projekte – doch um den künftigen Aufgaben gewachsen zu sein, ist auch die MGB selbst gefordert. Statt des heutigen Wechseltakts von 20 und 40 Minuten könnte die Bahn die Passagiere dann alle 20 Minuten nach Andermatt bringen. Die Kosten werden beachtlich sein: Allein die neuen Züge dürften einen zweistelligen Millionen-Betrag erfordern; dazu kommt der Ausbau der Infrastruktur, dessen Kosten zwischen den Kantonen Uri, Graubünden, Wallis und dem Bund aufgeteilt werden.

Der Ausbau soll schrittweise geschehen, parallel zum Ausbau der neuen Skiregion in den kommenden Jahren. Ob die Bahnpläne mit dem gewünschten Wachstum beim Tourismus mithalten werden, ist also offen. «Das ist eine ganz grosse Nummer», sagt Kronig, doch allzu grosse Sorgen macht er sich nicht. «Bei den Planungen sind ja noch viele Fragen offen», erklärt er, «wir rechnen nicht damit, dass hier schon bald alles auf den Kopf gestellt wird.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt