Keine Koffer mehr in der Passagierkabine

Bei Ryanair muss neu auch kleines Reisegepäck gegen Gebühr aufgegeben werden. Ziehen andere Airlines bald nach?

Weitere Gebühren im Anflug: Frau mit Handgepäckskoffer.

Weitere Gebühren im Anflug: Frau mit Handgepäckskoffer. Bild: Stefano Rellandini/Reuters

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Der Kampf um die Gepäckablagen im Flugzeug raubt vielen Reisenden den letzten Nerv. Seitdem Airlines hohe Gebühren für Check-in-Gepäck verlangen, nehmen immer mehr Menschen ihr Hab und Gut in Carry-on-Koffern mit in die Kabine, anstatt Gepäck einzuchecken. Das führt zu Überlastungen und Verspätungen.

Die Billigairline Ryanair führte im Januar als erste Airline Gebühren für Handgepäck ein. Fluggäste hatten aber weiterhin die Möglichkeit, ihre Rollkoffer am Gate freiwillig einchecken zu lassen – ohne Zusatzkosten. Das reichte offenbar nicht: Die Verspätungen seien zu gross gewesen, schreibt Ryanair. Deshalb verschärft die Airline ihre Handgepäckregeln erneut: Ab November müssen alle Reisenden für ihre Handgepäck-Rollkoffer zahlen. Die Option, das Gepäck gratis einzuchecken, wird abgeschafft.

8 Euro fürs Handgepäck

Erlaubt ist in der Kabine weiterhin ein kleines Gepäckstück, das unter den Vordersitz passt. Trolleys mit bis zu 10 Kilogramm Gewicht müssen für 8 Euro hinzugebucht und bei der Gepäckabgabe eingecheckt werden. Sie dürfen nicht mehr mit in die Kabine genommen werden. Wird diese Option nachträglich hinzugebucht, kostet dies 10 Euro. Statt einem 20-Kilo-Koffer, der bisher 25 Euro kostete, können neu auch nur 10-Kilo-Gepäckstücke für den günstigeren Tarif eingecheckt werden.

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Ausgenommen von der Regel sind Kunden, die für Priority Boarding gezahlt haben. Diese Option kostet bei der Buchung 6 Euro, wird sie nachträglich hinzugefügt, sind es 8 Euro. Sie dürfen weiterhin gratis einen Rollkoffer und ein weiteres kleines Gepäckstück mit an Bord bringen. Wenn dieses die Vorgaben sprengt, muss es für 25 Euro eingecheckt werden.

Weniger Verspätungen

«Diese neue Regel wird das Boarding beschleunigen und die Flugverspätungen verringern», sagt Kenny Jacobs, Marketingchef von Ryanair. Die Umstellung sei nicht dazu da, mehr Geld zu machen. Man rechne damit, dass mehr Menschen statt eines 20-Kilo-Koffers für 25 Euro neu ein leichteres und damit günstigeres Gepäckstück einchecken würden.

Jacobs zufolge buchten ausserdem bereits 30 Prozent der Fluggäste Priority Boarding. Sie sind von der Änderung also nicht betroffen. Die Airline rechnet damit, dass nun mehr Personen diese Option wählen werden.

Bei den Kunden kommt die Änderung nicht gut an: Ryanair habe vergessen, zu erwähnen, dass man lange Wartezeiten auf sich nehmen müsse, wenn man sein Gepäck einchecken wolle, schreibt etwa dieser Nutzer auf Twitter. Er werde nicht mehr mit der Airline fliegen:

Andere scherzen, dass man bald sogar für seine Kleidung Gebühren zahlen müsse:

Swiss: Verzögerungen lassen sich nicht ausschliessen

Ryanair hat im Vergleich zur Konkurrenz bislang die strengsten Handgepäcksregeln. Bei der Swiss können Passagiere, die Economy fliegen, weiterhin ein Gepäckstück à 8 Kilo gratis mit in die Kabine nehmen. Zu grosses oder zu schweres Handgepäck wird am Gate abgenommen und kostenpflichtig als Check-in-Gepäck transportiert, sagt Sprecherin Meike Fuhlrott.

Eine Anpassung dieser Handgepäckregelung sei derzeit nicht geplant. Ganz ausschliessen liesse es sich allerdings nicht, dass Verzögerungen bei der Abfertigung entstünden, wenn Passagiere Gepäck als Handgepäck mitführten, das nicht den Regeln entspreche, so die Swiss-Sprecherin. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2018, 13:09 Uhr

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Der Billigflieger Ryanair hat sich mit der Gewerkschaft Forsa im Streit um Arbeitsbedingungen für irische Piloten geeinigt. Das teilten beide Seiten mit.

Details wurden zunächst nicht bekannt. Zuerst sollten die Piloten über den Kompromiss abstimmen. Darauf hätten sich beide Seiten geeinigt, hiess es übereinstimmend. Erst danach soll das Ergebnis der Verhandlungen dem Ryanair-Vorstand vorgelegt werden.
Gestritten wurde unter anderem über Urlaub, Stationierungen und Aufstiegsmöglichkeiten. In Irland hatte das zu fünf Streiktagen von 100 der rund 350 in dem Land stationierten Ryanair-Piloten geführt.

Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern liegt Ryanair mit seinen Piloten im Clinch. Mitte August hatte der Streit der Airline den grössten Pilotenstreik in ihrer Geschichte beschert. Etwa 55'000 Passagiere waren von dem 24-stündigen Ausstand betroffen. (sda)

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