Kann Skistar die Urner Berge erklimmen?

Die schwedische Firma Skistar will in Andermatt und Sedrun eine Skiarena aufbauen. Die Erfahrung zeigt: Ausländische Investoren haben in den Schweizer Bergen nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

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Simon Schmid@schmid_simon

Aus Andermatt und Sedrun soll eine zusammenhängende Skiarena werden – diesen Plan verfolgt die schwedische Firma Skistar, die als Partner in Samih Sawiris' Tourismusprojekt in Andermatt rund 140 Millionen Franken in Bau und Modernisierung von Liftanlagen investieren will.

Kommt das Projekt zustande, so wäre Andermatt-Sedrun die erste Skiregion in der Schweiz, die Touristen auf und neben der Piste mit einem allumfassenden Kombiangebot bedient. Die Zentralschweizer Skiarena würde nach dem gleichen «All-inclusive-Prinzip» aufgebaut, das Skistar auch in Schweden und Norwegen anwendet: Bergbahnen, Skischulen und Restaurants würden vom Unternehmen selbst betrieben und von Besuchern pauschal gebucht.

Philipp Boksberger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur, hält diese Strategie für Erfolg versprechend: «Der Trend im Wintersport geht klar in die Richtung von Pauschalangeboten.» Weil der Skisport in der Schweiz je länger, je weniger ein fester Kulturbestandteil sei, würden Touristen ihren Skiurlaub zunehmend als Paket über Reisebüros buchen. Auch sehr beliebt seien Pauschalangebote bei Touristen aus dem Ausland – also bei einer wichtigen Zielgruppe des geplanten Andermatter Skiresorts.

Unterschiedliche Erfahrungen in den Schweizer Bergen

Ausländische Bergbahnbetreiber in Schweizer Urlaubsorten: Diese Kombination gibt es nur selten. Denn die Schweizer Skidestinationen sind im Lauf der Zeit aus sich heraus gewachsen. Liftanlagen wurden etappenweise gebaut, Skischulen, Geschäfte, Restaurants und Hotels nach und nach eröffnet. Weil der Staat bei vielen Bergbahnen Miteigentümer ist, wird hierzulande etwas langsamer und mit Vorsicht geplant.

Am Beispiel der französischen Compagnie des Alpes zeigt sich, dass es Grossinvestoren in diesem Umfeld nicht immer leicht haben. Das Unternehmen im Besitz des Französischen Investementfonds HIG Capital France hatte sich im vergangenen Jahrzehnt an Bergbahnen in Verbier, Riederalp und Saas Fee beteiligt. Doch die Umstrukturierungspläne der französischen Aktionäre stiessen auf lokalen Widerstand. Bereits nach wenigen Jahren stiess Compagnie des Alpes ihre Anteile wieder ab.

Auch in Flims-Laax entstand in den letzten Jahren ein neues Tourismuskonzept. Hier ist mit der Weissen Arena AG ein Schweizer Unternehmen tätig, das gleichzeitig Bergbahnen, Schneesportschulen, Hotellerie- und Gastronomiebetriebe betreibt. Bei der Weissen Arena liess man sich bewusst vom schwedischen Resortmodell inspirieren, indem man den ehemaligen Unternehmenschef von Skistar, Thorvald Sverdrup, als Verwaltungsrat ins Unternehmen holte. Wie die Geschäftszahlen der letzten Jahre zeigen, hat sich die Neuausrichtung finanziell ausgezahlt.

Auch das Engagement von Skistar in Andermatt und Sedrun könnte sich finanziell lohnen, sagt Philipp Boksberger. Weil Skistar für das lokale Gewerbe eine potenzielle Bedrohung darstelle, sei es aber für das Unternehmen besonders wichtig, bestehende Sportzentren und Restaurationsbetriebe in seine Planung mit einzubeziehen. Boksberger glaubt, dass die Schweden dafür die richtigen Voraussetzungen mitbringen – denn auch die von Skistar betriebenen Resorts in Sälen, Are oder Vemdalen seien nicht einfach vom Reissbrett aus entstanden.

DerBund.ch/Newsnet

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