Ist der Airbus A380 am Ende?

Airbus sucht neue Käufer für sein grösstes Flugzeug. Doch Fluggesellschaften wollen keine A380 mehr. Konkurrent Boeing geht es nicht besser.

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In der Konsumgüterbranche versucht man es mit der «neuen Formel», welche die Zahnpasta «noch wirksamer», das Waschpulver «noch weisser» waschend macht. Die Lebensmittelhersteller sprechen von einer «neuen Rezeptur», die den Fruchtsaft noch schmackhafter, die Beutelsuppe noch mundiger macht.

Die Flugzeugindustrie macht es nicht anders. Kürzlich stellte Airbus kleine Verbesserungen am A380 vor. Dank neuen Flügelspitzen und baulichen Veränderungen im Innern kann der Riesenvogel künftig mehr Passagiere befördern, weiter fliegen und weniger Kerosin verbrauchen. A380 Plus heisst die verbesserte Version. Was auf dem Papier gut klingt, hat einen Haken: Sie änderte – bislang zumindest – nichts am generellen Trend: Der A380 verkauft sich nicht mehr.

Nur noch acht pro Jahr

Die Orderflaute hält inzwischen mehr als ein Jahr an. Damals bestellte Grosskundin Emirates zwei weitere Exemplare des Fliegers, der bei einer durchschnittlichen Bestuhlung rund 540 Passagiere befördern kann. Zuvor hatte die japanische ANA All Nippon Airways drei A380 bestellt. Ein Verkaufserfolg sieht anders aus. Die letzte grosse Bestellung datiert von 2013.

Darum muss Airbus handeln. Der europäische Konzern fährt die Produktion drastisch herunter. Ab 2019 stellt er nur noch acht Superjumbos pro Jahr her – oder nur noch 0,66 Exemplare pro Monat. Momentan rollen noch 1,7 A380 pro Monat aus den Airbus-Werkshallen. Einst waren es mehr als zwei monatlich gewesen.

Kommt die Verschrottung?

Nicht nur neue Bestellungen fehlen. Erste Fluggesellschaften versuchen bereits, sich von ihren A380 zu trennen. Malaysia Airlines suchte lange nach Käufern, fand aber keine. Nun will sie die Jets für Pilgerflüge von Muslimen nach Mekka brauchen. Singapore Airlines verlängert den Leasingvertrag für einen Superjumbo nicht mehr, der dieses Jahr ausläuft. Die Besitzer des Flugzeuges versuchen zwar, neue Mieter zu finden, bisher aber erfolglos. «Wir können eine Zerlegung des Flugzeuges nicht ausschliessen», meinte darum kürzlich ein Vertreter der deutschen Finanzfirmen Dr. Peters und Doric, denen der A380 von Singapore Airlines gehört.

Video - Ein A380 im Landeanflug über Kloten

Am Flughafen Zürich starten und landen täglich drei der Superjumbos (1x Singapore, 2x Emirates), welche zumindest bei den Fans auf der Zuschauerterrasse weiterhin sehr beliebt sind. (Video: Tamedia)

Airbus glaubt dennoch weiter an seinen Riesenflieger. In der Welt gebe es immer mehr Grossstädte, argumentiert der Flugzeugbauer. Und das führe zu Mehrverkehr. Oftmals seien aber die Flughäfen nicht mehr erweiterbar – darum brauche es grosse Flugzeuge. Zudem sei der A380 in Sachen Kosten pro Passagier unschlagbar.

Ende der Produktion?

Nur eines kann Airbus trösten. Dem Erzrivalen Boeing geht es nicht besser. Von seinen Jumbojets hat er schon lange keinen mehr verkauft. Die letzte Passagierversion wird wohl schon bald ausgeliefert, nun bauen die Amerikaner nur noch Frachtexemplare der 747-8. Seit Herbst 2016 werden nur noch 0,5 Stück pro Monat gebaut. Als das Programm 2008 gestartet worden war, hatte die Produktionsrate noch 2,0 betragen. Boeing hat deshalb schon einmal ein Ende der Produktion angedeutet.

Noch ist es nicht so weit. Boeing hofft wie auch Airbus auf eine Bestellung in letzer Minute. Doch die Fluggesellschaften halten sich zurück und kaufen lieber kleinere Flugzeuge, die sie besser füllen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2017, 18:01 Uhr

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