UBS-Aktie rutscht unter zehn Franken

Ein Händler in der Investmentbank der UBS hat mit unerlaubten Finanzoperationen in London zwei Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Der Mann ist mittlerweile in Haft. Die Aktie ist im Keller.

Milliardenausfall in der Investmentbank: UBS-Sitz in London.

Milliardenausfall in der Investmentbank: UBS-Sitz in London.

(Bild: Keystone)

Die UBS rechnet aufgrund des Milliardenfiaskos möglicherweise mit einem Verlust im laufenden dritten Quartal. Die UBS kündigte an, den Vorfall zu untersuchen und betonte, es seien keine Kundenpositionen von der Affäre betroffen.

Ansonsten schweigt die Bank eisern – zu Spekulationen am Markt, der Verlust sei möglicherweise durch Spekulationen gegen den Franken entstanden, äussert sich die UBS nicht.

«Beträchtliche krimineller Energie»

Laut UBS hat ein Mitarbeiter der Bank in London mit «beträchtlicher krimineller Energie» den Verlust verursacht. Die Bank habe den Betrugsfall am Mittwochnachmittag entdeckt und umgehend die Aufsichtsbehörden in Grossbritannien, den USA und der Schweiz informiert.

Die Polizei in der City of London, dem Finanzdistrikt der britischen Hauptstadt, verhaftete daraufhin am frühen Donnerstagmorgen im Zentrum der Stadt wegen Betrugsverdachts einen 31-jährigen Mann. Der Mann ist derzeit in Polizeigewahrsam.

Vertrauen erschüttert

Die Affäre dürfte nach Ansicht von Marktexperten das Vertrauen in die grösste Schweizer Bank erneut erschüttern. Nachdem die UBS kurz vor Börsenöffnung um 9 Uhr über den Fall orientierte, stürzte der Aktienkurs sofort ab. Zur Mittagszeit lag der Kurs bei 10.07 Franken und damit 7,9 Prozent im Minus. Kurz später durchbrach die Aktie dann erneut die wichtige Marke von zehn Franken, um 14.02 kostete sie 9.985 Franken.

Die Nachricht vom Milliardenausfall sei «katastrophal», sagte ein Händler. An den Finanzmärkten diskutieren Beobachter, ob die Warnlampen innerhalb der UBS versagt hätten. «Der Verlust wirft ein schlechtes Licht auf die Risikokontrolle der Bank und stellt deren Führung in Frage», sagte ein Händler der Nachrichtenagentur AWP.

65'000 UBS-Angestellten weltweit

UBS-Chef Oswald Grübel und die restliche Konzernleitung der Grossbank wandten sich am Donnerstag in einer kurzen e-Mail an die Mitarbeiter. Die fundamentale Stärke der Bank sei nicht in Frage gestellt, versuchten die Topmanager die etwa 65'000 UBS- Angestellten weltweit zu beruhigen.

Die UBS hat sich nach existenzbedrohenden Milliardenverlusten aus der letzten Finanzkrise in letzter Zeit mühsam wieder den Ruf einer respektablen Bank erkämpfen müssen. Der Schweizer Staat musste die Bank im Oktober 2008 mit Milliarden vor einem möglichen Kollaps bewahren.

UBS mitten im Stellenabbau

Experten gehen davon aus, dass der finanzielle Verlust der UBS im dritten Quartal weniger dramatische Folgen haben werde als der Vertrauensverlust. Vor Bekanntwerden des Milliardenverlusts gingen Analysten davon aus, dass die Bank für die Periode von Anfang Juli bis Ende September etwa 1,3 Milliarden Fr. Gewinn anmelden könnte.

Wie gross ein möglicher Verlust sein könnte, ist Gegenstand von Spekulationen. Nachdem die UBS Ende August wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage den Abbau von 3500 Stellen bekannt gegeben hatte, muss die Bank zudem in der zweiten Jahreshälfte Restrukturierungskosten von 450 Millionen Franken schultern.

bru

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt