HP stellt die dritte Dimension des Druckers vor

Mit 3D-Druckern werden heute primär personalisierte Einzelstücke hergestellt. Mit einer neuen Technologie von HP könnte sich das ändern.

Ein 3D-Drucker in Aktion an einer Messe in Erfurt (D).

Ein 3D-Drucker in Aktion an einer Messe in Erfurt (D). Bild: Michael Reichel/Keystone

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Dreidimensionales Drucken hat den Zyklus öffentlichen Interesses durchlebt, der bei neuen Technologien häufig zu beobachten ist. In den 80er-Jahren von einem US-Ingenieur erfunden, interessierte sich während Jahrzehnten nur ein Fachpublikum für das Thema – bis der Hype folgte. Ein Auslöser waren Baupläne für selbstgedruckte Pistolen, die im Internet auftauchten. Medien schrieben über die möglichen Gefahren. 3D-Druck wurde in der breiten Masse zum Begriff. Eine Zeit lang herrschte dann die Vorstellung, demnächst würden sämtliche benötigten Produkte direkt auf dem privaten 3D-Drucker zuhause ausgedruckt. Doch nach dem Hype kam die Ernüchterung. Die Technik war noch zu wenig ausgereift und zu teuer.

Bisher war Markt zu klein

Individualisierte Produkte zu kleinen Stückzahlen werden zwar heute schon mit 3D-Druckern hergestellt: Miniaturstatuen von sich selbst beispielsweise, Plastikzahnspangen, die dem jeweiligen Gebiss angepasst sind, oder Ersatzstücke für zerschmetterte Knochen. Für grössere Stückzahlen und industrielle Anwendungen war das Verfahren bisher allerdings zu langsam und zu teuer.

Mit dem amerikanischen Computer- und Druckerhersteller HP ist nun aber ein grosser Player in den Markt eingestiegen. Das Unternehmen, das vor zwei Jahren aus der Zerschlagung von Hewlett-Packard hervorging und das klassische Hardware-Geschäft weiterführt, will den 3D-Drucker aus der Nische personalisierter Einzelstücke herausholen. «Bisher war 3D-Druck ein 6-Milliarden-Markt», sagte Adrian Müller, Chef von HP Schweiz, gestern an einem Vortrag in Bern auf Einladung des Telecomverbands Asut. Für einen Konzern wie HP sei ein solcher Markt zu klein. Da lohne sich der Einstieg nicht. HP erziele allein mit PCs und Druckern über 50 Milliarden Umsatz pro Jahr. Der weltweite PC-Markt sei ein 400-Milliarden-Markt. HP kam daher zum Schluss, nur dann in den 3D-Druck einzusteigen, wenn man die Technologie so weiterentwickelt könne, dass sie auch für neue Märkte interessant werde.

Rund zehn Jahre dauerte die Entwicklungszeit, bis das Produkt marktreif war. HP ist der Ansicht, dass es nun das Potenzial habe, 3D-Druck am breiten Markt zum Durchbruch zu verhelfen. Die Technologie, die das Unternehmen Multi Jet Fusion nannte, mache das Drucken verglichen mit anderen Verfahren schneller und billiger, sagte Müller. Bei 3D-Druckern, die etwa im Detailhandel für Private angeboten werden, trägt meist eine Art Spritzdüse die Druckmasse in Schichten auf. Dadurch entstehen allerdings feine Rillen. Ein anderes Verfahren arbeitet mit Laser und ist sehr präzise, dafür aber eher langsam.

HP überträgt bei seinem Verfahren gewissermassen den klassischen Tintenstrahldrucker auf die dritte Dimension. In einem ersten Schritt wird eine dünne Schicht pulverisiertes Druckmaterial auf der gesamten Druckfläche aufgetragen. Dann sprüht ein Druckkopf an den richtigen Stellen zwei verschiedene Flüssigkeit auf das Pulver. Die eine bewirkt, dass die Pulverkörnchen sich unter Hitze verkleben, die andere, dass sie getrennt bleiben. Schicht für Schicht wächst so das Objekt. Zum Schluss wird es aus dem losen Pulver herausgenommen.

Preis: 270 000 Franken

Der HP-3D-Drucker koste alles in allem etwa 270 000 Franken, sagte Müller. Zielkunden sind nicht Private, sondern Unternehmen. Unternehmen könnten mit dem 3D-Drucker entweder als Dienstleister für Dritte Druckaufträge ausführen – eine Art Copyshop mit dritter Dimension –, oder benötigte Teile wie etwa Zahnräder selbst herstellen statt in grossen Mengen zu importieren. Zu den ersten Käufern des HP-Druckers zählen die ETH sowie die zu Johnson & Johnson gehörende Medizinaltechnikfirma Synthes. (Der Bund)

Erstellt: 10.06.2017, 09:17 Uhr

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