Für 87 Franken über den Atlantik

Die Billig-Airline Norwegian drückt den Preis für Überseeflüge auf einen neuen Tiefpunkt. Die Sitze sind schon ausverkauft.

Sparsamere Triebwerke und mehr Sitze erlauben billigere Tarife: Eine Maschine der Norwegian Airways in Berlin.

Sparsamere Triebwerke und mehr Sitze erlauben billigere Tarife: Eine Maschine der Norwegian Airways in Berlin. Bild: Reuters

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Ohne Freigepäck und Bordmahlzeit über den Atlantik – wer sich das zumuten will, erhält bei Norwegian ein One-Way-Ticket mit Abflugort Grossbritannien oder Irland im besten Fall für umgerechnet 87 Franken. Die Billig-Airline hat ihr neues Angebot gestern vorgestellt, die Sitze zu diesen Preisen sind heute bereits ausverkauft, wie der Website zu entnehmen ist. Die neuen Billigverbindungen starten von den britischen Flughäfen Belfast und Edinburgh sowie den irischen Standorten Cork, Dublin und Shannon. Angeflogen werden von dort drei Flugplätze an der US-Ostküste die jeweils anderthalb bis zwei Stunden von New York und Boston entfernt liegen.

Für die Verbindungen zum Kampfpreis setzt die norwegische Lowcost-Gesellschaft ein neues Fluggerät ein. Die Boeing 737 Max. Eine überarbeitete Version des Kurzstreckenvogels. Sie fasst 189 Sitze und ist mit sparsameren Triebwerken ausgestattet. Dadurch soll sich der Kerosinverbrauch pro Sitzplatz um rund 20 Prozent reduzieren lassen, zudem gewinnt die Maschine an Reichweite. Boeing spricht von 8 Prozent tieferen Betriebskosten gegenüber dem Hauptkonkurrenten. Womit der Airbus 320 Neo gemeint ist. Zudem verursache die 737 Max einen um 40 Prozent kleineren Lärmteppich als die herkömmlichen Flugzeuge in derselben Grössenklasse mit einem Gang. Weniger Lärm heisst tiefere Gebühren. Die ersten Maschinen des neuen Boeing-Typs sollen im Mai bei Norwegian eintreffen.

«Da ist auch Augenwischerei dabei»

Das neue Angebot von Norwegian ist nur der jüngste Schritt in einer Preisschlacht auf der Langstrecke, die bereits seit längerem am Himmel tobt. Die Herausforderungen, Lowcost-Konzepte auch auf Interkontinentalflüge anzuwenden, sind gross. Die Maschinen rotieren weniger als auf der Kurz- und Mittelstrecke. Sie nehmen die Passagiere auf und sind danach sechs Stunden oder mehr in der Luft. Die Standzeit nach der Landung ist länger. Das macht den Betrieb kostenintensiver als auf der Kurzstrecke. Neue Modellvarianten von Airbus und Boeing, die günstigere Betriebskosten pro Passagier erlauben, sowie der nach wie vor tiefe Erdölpreis scheinen nun aber die Branche buchstäblich zu beflügeln.

Neben Norwegian macht beispielsweise auch die isländische Gesellschaft WOW Air mit aggressiven Preisen über den Atlantik auf sich aufmerksam. Ein Flug von Frankfurt nach New York mit Umstieg in Reykjavik ist für rund 360 Franken erhältlich, retour. Der Luftfahrtkonzern IAG, zu dem British Airways und die spanische Iberia gehören, will demnächst Lowcost-Verbindungen über den Atlantik ab Barcelona anbieten.

Luftfahrtexperte Andreas Wittmer von der Uni St. Gallen relativiert den neuen Tiefpreis von Norwegian: «Da ist auch Augenwischerei dabei.» Zu diesem Preis werde die Airline nur ganz wenige Sitze weggeben und die tieferen Einnahmen über die weiteren Sitze kompensieren. Zudem komme der Passagiere mit ein paar Extraleistungen, die separat verrechnet werden, schnell in die Region von anderen Angeboten. Wer beim Buchen zum Beispiel eine warme Mahlzeit dazubuchen will, bezahlt pro Weg umgerechnet 25 Franken zusätzlich. Derselbe Betrag wird für eine Sitzreservation fällig. Die Aufgabe eines Gepäckstücks kostet rund 30 Franken.

Hype oder Trend?

Die Pläne für die neuen Billigverbindungen in die USA hatte Norwegian bereits im letzten Jahr skizziert. Einfach in der Umsetzung waren sie nicht. Als Unternehmen aus einem Nicht-EU-Land hatte die Gesellschaft Mühe, die geplante Anzahl Landerechte in den USA zu erhalten. Deshalb gründete sie für die Ausbau des Streckennetzes in die USA eine Tochtergesellschaft in Irland.

Diese als Norwegian Air International benannte Gesellschaft erhielt darauf Zugriff auf dieselben Verkehrsrechte, wie sie den EU-Airlines zur Verfügung stehen. Das Geschäftsmodell von Norwegian steht regelmässig in der Kritik. Piloten würden ohne feste Verträge beschäftigt, in Asien rekrutiert. Von Sozialdumping und Aushöhlung internationaler Abkommen ist die Rede. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2017, 17:20 Uhr

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