Drei Fragen zum Postfinance-Paukenschlag

Warum die Kehrtwende des Bundesrats bei der Bank der Post? Wer sind die Verlierer? Antworten zum überraschenden Entscheid aus dem Bundeshaus.

Schon bald Hypothekar-Beratungen bei der Postfinance? Geht es nach dem Bundesrat, soll das möglich werden.

Schon bald Hypothekar-Beratungen bei der Postfinance? Geht es nach dem Bundesrat, soll das möglich werden. Bild: GAETAN BALLY/Keystone

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Der Bundesrat hat heute vorgeschlagen, der Postfinance den Einstieg in das Hypothekar- und Kreditgeschäft zu erlauben (wir berichteten). Im Gegenzug soll das Kapital der bisher 100-prozentigen Posttochter geöffnet werden, wobei die Post Mehrheitseigner bleiben soll. Die Entscheidung ist eine Überraschung. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen.

1. Warum ist der Entscheid so bedeutend?
Der Entscheid stellt eine 180-Grad-Wende des Bundesrats dar. Mehrmals hatte sich die Regierung dagegen ausgesprochen, dass die de facto staatliche Postfinance in den Kredit- und Hypothekarmarkt einsteigen darf. Nun will die Regierung das doch erlauben. Dies, weil die Lage der Postfinance sich dramatisch verschlechtert. Da sie keine Kredite vergeben darf, legt sie den Grossteil der Kundenvermögen in der Höhe von rund 120 Milliarden Franken am Kapitalmarkt an. Doch wegen des tiefen Zinsniveaus werfen die Gelder immer weniger Ertrag ab. Die Folge: Der Gewinn sinkt immer schneller, im ersten Halbjahr brach das Ergebnis um zwei Drittel ein.

2. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer?
Sollte der Bundesrat mit dem Vorhaben beim Parlament durchkommen, so dürften sich zuallererst die Konsumenten freuen. Denn mit Postfinance tritt ein neuer, sehr potenter Teilnehmer in den Hypothekenmarkt, der bereits heiss umkämpft ist. Zuletzt sind Versicherer und Pensionskassen hier aktiv geworden. Dies mit der Folge, dass die Zinsen für Hypotheken unter Druck sind. Der Einstieg von Postfinance dürfte den Preiskampf verstärken.

Verlierer sind die Kantonalbanken und die Raiffeisen-Gruppe, letztgenannte ist im Hypothekargeschäft mit einem Anteil von rund 18 Prozent Marktführer. Hypotheken sind das wichtigste Produkt der Raiffeisen, daher dürfte der Widerstand der Bankengruppe gegen den Einstieg der Postfinance in ihr Kerngeschäft massiv werden.

Auch die Kantonalbanken dürften sich nicht über die neue Konkurrenz aus Bern freuen. Die Banken im Besitz der Kantone dürften ihrerseits ihre politischen Drähte glühen lassen, um die geplante Gesetzesänderung zu verhindern. Schon im Vorfeld hatte die Bankiervereinigung stets argumentiert, dass der wettbewerbsintensive Hypothekarmarkt keine Konkurrenz ausgerechnet von einer Staatsbank braucht.

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3. Welche Interessen stehen hinter dem Entscheid?
Auslöser ist ironischerweise eine Vorgabe des Regulierers. Denn wegen ihrer grossen Bedeutung im Zahlungsverkehr gilt die Postfinance als für die Schweiz systemrelevante Bank. Als solche muss sie dickere Eigenkapitalpolster aufbauen. Die Rede ist von einem Betrag von rund zwei Milliarden Franken.

Der Bundesrat musste nun klären, woher das Geld kommen soll. Postfinance hatte drei Alternativen vorgeschlagen, unter anderen, dass der Bund einfach dem Finanzinstitut eine Art Garantie ausspricht, im Krisenfall das nötige Geld einzuschiessen.

Statt dessen wählt der Bundesrat nun den politisch wohl heikleren Weg: Postfinance soll das nötige Kapital selbst mit Gewinnen verdienen. Da die Erträge wegen der Niedrigzinsen unter Druck sind, will die Regierung nun Postfinance neue Ertragsquellen erschliessen. Um den Beschluss politisch akzeptabler zu machen, soll parallel das Kapital der Postfinance geöffnet werden. Kurz, das Institut soll teilprivatisiert werden. Die Teilprivatisierung dient ferner dazu, ebenfalls frisches Kapital aufzunehmen.

Der Schweizer Hypothekarmarkt wächst seit Jahren und ist auf rund eine Billion Franken angestiegen:

Wer hat am meisten Anteile im Land? Diese Grafik zeigt die Stärke der Raiffeisen:

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