Die neue UBS zeigt ihre Muskeln

Was vom überraschenden 2-Milliarden-Gewinn zu halten ist und warum die Grossbank nun optimistisch in die Zukunft schaut.

Beeindruckendes UBS-Resultat im ersten Quartal: UBS-Gebäude in Zürich. (10. Februar 2015)

Beeindruckendes UBS-Resultat im ersten Quartal: UBS-Gebäude in Zürich. (10. Februar 2015)

(Bild: Keystone Ennio Leanza)

UBS-Chef Sergio Ermotti kann nach dreieinhalb Jahren erstmals die Früchte seiner Arbeit ernten. Mit 2 Milliarden Gewinn im 1. Quartal überzeugt seine Bank. «Die Ergebnisse zeigen einmal mehr die Vorteile einer frühzeitig definierten Strategie mit Fokus auf langfristiger Wertschöpfung», sagt Ermotti.

Nicht zufällig betont der Tessiner Strategie und Langfristigkeit. Ende 2012, als Ermotti ein Jahr lang im Amt war, stellte die UBS unter seiner Führung die Weichen Richtung Vermögensverwaltung und weg von «Big Trading». Die Investmentbank wurde gezähmt und in den Dienst des Wealth Managements gestellt.

Teure Altlasten

Unter der Oberfläche begann sich eine neue UBS abzuzeichnen. Doch stets wurden die operativen Fortschritte von hohen Bussen, Rückstellungen und Umbaukosten überdeckt. 1,5 Milliarden Dollar bezahlte die Bank für Betrügereien im Zinsengeschäft mit dem Libor Ende 2012, fast 800 Millionen waren es letzten Herbst im Devisenfall, wo in naher Zukunft noch mehr ansteht.

Dazwischen folgten weniger Aufsehen erregende Straf- und Vergleichszahlungen, die nichtsdestotrotz ins Tuch gingen. Unter dem Strich führte das Quartal für Quartal zu enttäuschenden Resultaten. Der Eindruck entstand, dass die UBS unter Ermotti nicht richtig auf Touren kommt.

Bis heute. Beim Börsenstart schoss die UBS-Aktie um fast 5 Prozent hoch. Erstmals seit ihrem tiefen Fall in der Finanzkrise 2008 kann der Titel die 20-Franken-Marke nach oben durchschreiten.

Dort wird die Luft allerdings dünn. Der Buchwert pro UBS-Aktie lag per Ende März bei 14.33 Franken. Stellt man diesen Wert – er verkörpert das Eigenkapital der Bank pro Aktie – in Relation zum Kurs, dann wird die UBS derzeit mit 1,4 Mal Buchwert gehandelt; ein vergleichsweise stolzer Wert.

Beeindruckende Eckzahlen

Was die UBS auszeichnet, ist ein Geschäftsmodell, das auf mehreren Pfeiler steht. Alle Einheiten, von der Vermögensverwaltung über die Schweiz zum Asset Management und der Investmentbank, trugen zum Jahresauftakt zum Erfolg bei.

Sergio Ermotti und seine Kollegen in der Konzernleitung betonen insbesondere die Grösse und Breite ihrer Vermögensverwaltung. Von einem «unique global footprint» schwärmen sie, einem «einzigartigen weltweiten Fussabdruck» im Kerngeschäft also, mit dem die Bank «in den grössten und am schnellsten wachsenden Märkten» unterwegs sei.

Die Eckzahlen fallen tatsächlich auf und stellen Konkurrenten wie die Credit Suisse in den Schatten. In ihren beiden Kernsparten, der Vermögensverwaltung «Americas» und jener der restlichen Welt, verwaltete die UBS Assets von Privatkunden im Umfang von 2 Billionen Franken, gleichmässig verteilt auf die beiden Bereiche.

Vor allem die Dimension in den USA sorgt dafür, dass die UBS doppelt so viel Gewicht auf die Waage bringt wie die CS, die in Übersee im Geschäft mit der Privatkundschaft eine Nischenanbieterin ist. Es ist die «Franchise» im weltgrössten Finanzmarkt, den USA, die die UBS zur klaren Nummer eins unter den Schweizer Vermögensverwaltern macht.

Phänomenaler Leistungsausweis in der Investmentbank

Weil die Bank dort, wo sie überzeugen muss, gut abschneidet, kann sie der lauten Kritik von aussen gelassen entgegentreten. Die englische UBS-Investorin Knight Vinke hatte am Wochenende ihre Forderung erneuert, die Investmentbank vollständig von der Vermögensverwaltung abzutrennen. Dies würde die UBS stabiler machen und den Wert ihrer Aktien massiv erhöhen.

Nun zeigt sich, dass die UBS ausgerechnet in der Investmentbank, die angesichts ihrer unrühmlichen Vergangenheit in breiten Kreisen weiterhin umstritten ist, einen starken Leistungsausweis erbracht hat. Vom gesamten Ertrag des Unternehmens – in der Industrie würde man vom Umsatz sprechen – von 8,8 Milliarden Franken entfielen für die Periode von Januar bis März 2,7 Milliarden auf die Sparte der Investmentbank.

Das entspricht gut 30 Prozent, und damit liefert die Investmentbank den grössten Einzelbeitrag zur sogenannten «top-line», den Einnahmen über dem Strich. Darunter, beim Vorsteuergewinn, liegt die Investmentbank im internen Ranking hinter der weltweiten Vermögensverwaltung auf Platz 2.

Paradedisziplin Wealth Management

Das gute Abschneiden drängt die notorische Skepsis, welche die UBS-Führung in früheren Quartalen geäussert hatte, in den Hintergrund. Viele der stets aufgeführten Probleme würden zwar weiterhin einer Lösung harren, schreibt die Bankspitze. Zudem würde die UBS angesichts der tiefen Zinsen ihre Preise in der Vermögensverwaltung teilweise anpassen. Doch davon abgesehen geht das Topmanagement heute davon aus, dass die Paradedisziplin Wealth Management auch im laufenden 2. Quartal «weiterhin positive Nettoneugelder generieren» würde.

Ein für UBS-Verhältnisse überraschend positiver Ausblick. Dieser passt zur Lage bei den Altlasten. Bei den Devisenbetrügereien seien die Verhandlungen mit der US-Justiz «fortgeschritten», meldet die UBS. Allgemein wird mit einer Milliarde Dollar Strafe gerechnet, und zwar noch in diesem Monat.

Dafür scheint die UBS vorgesorgt zu haben. In ihrem Quartalsbericht weist sie Rückstellungen für Rechtsfälle aus, die von 3,1 Milliarden per Ende Dezember auf noch 2,7 Milliarden per Ende März gesunken sind. Sergio Ermotti und seine Leute sind offenbar der Meinung, genug für den Devisenfall auf die Seite gelegt zu haben.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt