Die knapp bekleideten Hostessen am Genfer Autosalon verschwinden

Autofirmen fürchten schlechte Presse: Immer mehr Hersteller setzen bei ihren Ständen am Genfer Autosalon auf Männer und weniger sexy Outfits.

Sollen weniger aufreizend Autos anpreisen: eine Hostess am Genfer Autosalon.

Sollen weniger aufreizend Autos anpreisen: eine Hostess am Genfer Autosalon. Bild: Martial Trezzini/Keystone

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Knackenge, kurze Kleider, High Heels und dickes Make-up: Autohersteller setzen am Genfer Autosalon seit jeher auf vornehmlich weibliche Hostessen mit aufreizenden Outfits, um den primär männlichen Kunden Autos anzudrehen. In den letzten Jahren sind zwar immer mehr Hersteller dazu übergegangen, die Frauen an ihren Ständen anstatt Models nun «car explainer», also Autoerklärer, zu nennen. Am Dresscode der Damen hat sich aber bislang wenig geändert. Bis jetzt.

Für den diesjährigen Autosalon, der am Donnerstag in Genf beginnt, haben einige Hersteller die Dresscodes ihrer «Booth Babes» (Stand-Luder), wie die Frauen industrieweit oft genannt werden, überarbeitet. Grosse Unternehmen wie Toyota und Nissan wollen den Mitarbeitern einen lockereren Look verpassen. Das hat auch mit der globalen #MeToo-Bewegung zu tun. Autofirmen fürchten um ihr Image, wenn sie weiterhin auf leicht bekleidete Frauen setzen.

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«Produktspezialisten machen mehr Sinn»

«Zeiten ändern sich», sagt Sara Jenkins, Sprecherin von Nissan Schweiz, zu Bloomberg. Der Autoverkäufer hatte letztes Jahr aufgehört, Models für den Autosalon zu rekrutieren. «Es macht mehr Sinn, Produktspezialisten anzustellen, weil wir Autos verkaufen.»

Lexus, die Luxusmarke von Toyota, bestätigt, dass in Genf keine Models mehr an ihrem Stand stehen werden. Fiat Chrysler, zu dem Marken wie Maserati, Jeep und Alfa Romeo gehören, hat ebenfalls Verträge mit mehreren weiblichen Models aufgelöst. Stattdessen sollen Männer und Frauen mit weniger freizügigen Outfits die Autos an den Mann oder die Frau bringen.

Pirelli setzt auf Hosenanzüge

Die Änderungen stehen in scharfem Kontrast zum Look des letzten Jahres: 2017 standen bei Lexus noch Frauen in schulterfreien, auberginefarbenen Roben und High Heels, am Alfa-Romeo-Stand Hostessen in kurzen, schwarzen Kleidchen.

Sogar Pirelli, der italienische Reifenhersteller, der für seine aufreizenden Kalender bekannt ist, hat den Look seiner Hostessen überarbeitet. 2018 sollen an diesem Stand Models in schwarzen Hosenanzügen anstelle von Frauen in knappen Kleidchen und Stilettos stehen.

«‹Knapp› liegt im Auge des Betrachters»

Amag, der offizielle Volkswagen-Importeur der Schweiz, teilt dieser Zeitung mit, grundsätzlich dem Trend zu folgen, die «car explainer» sportlich oder elegant einzukleiden. «Das können auch mal Latzhosen oder Jeans sein, das kann ein Anzug sein ohne Krawatte, das kann ein elegantes Damenkleid sein», sagt ein Sprecher. Ausserdem würden bei allen Marken, also VW, Audi, Seat und Skoda, Männer und Frauen eingesetzt.

Am Volkswagen-Stand präsentierten im letzten Jahr tatsächlich Frauen und Männer in sportlicher Kleidung und flachen Schuhen die Autos. Am Audi-Stand räkelten sich allerdings Frauen in hautengen, hautfarbenen, rückenfreien Kleidern mit tiefem Ausschnitt auf den Motorhauben der Autos. Der Amag-Sprecher teilt dazu mit, die Frauen seien von einem Tuning-Unternehmen, an dem Amag-Marken keine Beteiligung hätten. Frauen hätten bei Audi in der Vergangenheit klassische Kleider getragen, die bis oberhalb des Knies reichten. Inwieweit diese knapp waren, liege im Auge des Betrachters.

#Nocarbabes

Für die Autoindustrie hat das Abweichen von weiblichen Models zur Produktpräsentation noch einen weiteren Vorteil: Denn längst verkaufen Hersteller nicht mehr nur vornehmend Männern ihre Boliden. In Deutschland, Europas grösstem Automarkt, kaufen Frauen mittlerweile rund ein Drittel aller Neuwagen. In Frankreich sind es 37 Prozent.

Die französische PSA-Gruppe, zu der Marken wie Peugeot, Citroën und Opel gehören, teilt Bloomberg denn auch mit: «Die PSA-Gruppe wird kein erniedrigendes Bild, weder von Frauen noch von Männern, vermitteln». Die E-Mail endet mit dem Hashtag #Nocarbabes (Keine Auto-Babes). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2018, 15:32 Uhr

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