Die Postfinance betreibt ein riskantes Spiel

Die Postfinance will mit einem Schnäppchenportal Kundendaten kommerziell ausnutzen und riskiert damit das Vertrauen ihrer Klientel. Das Projekt ist ein heikles Unterfangen, aber verwerflich ist es nicht.

Matthias Pfander@MatthiasPfander

Die Macht der Daten ist verführerisch. Unternehmen wie Amazon, Google und Facebook beweisen, was mit den Informationsspuren, die ihre Nutzer hinterlassen, alles möglich ist. Dieses Spannungsfeld von Kommerz und Privatsphäre erreicht jetzt auch die Finanzwelt und damit einen besonders sensiblen Bereich.

Auf einem Bankkonto laufen Informationen aus verschiedenen und auch intimsten Lebensbereichen zusammen. Diese können ein weit genaueres und ­umfassenderes Bild einer Person zeichnen, als es mit der Auswertung eines Cumulus-Kontos bei der Migros oder der Supercard-Transaktionen bei Coop möglich ist – um zwei Beispiele zu nennen.

Noch vor zwei Jahren klang es anders

Postfinance legt beim Ausschöpfen dieser ­Möglichkeiten eine besonders forsche Gangart an den Tag. Zumindest im Vergleich mit der Konkurrenz im Inland. Das Anfang 2012 eingeführte E-Cockpit, das Geldflüsse auf einem Konto automatisch analysiert, in Kategorien gliedert und auswertet, war ein Novum. Damals hiess es, man werde die daraus gewonnenen ­Informationen nicht an Dritte weitergeben. Jetzt will Postfinance damit sogar Geld verdienen – auch wenn die Identität der Kunden geschützt bleibt.

Das Projekt von Postfinance ist ein riskantes ­Unterfangen. Für Banken ist das Kundenvertrauen das wichtigste Kapital. Und bei einem Unternehmen in Staatsbesitz wie Postfinance liegen hier die ­Ansprüche noch höher. Zweifel sind deshalb angebracht, ob die Verbindung eines Onlinebanking-­Systems mit einem Schnäppchenportal dem Ziel dient, das Vertrauen zu pflegen und zu stärken.

Misstrauen schon vor dem Start

Verwerflich ist das Vorgehen von Postfinance nicht, der Kunde erhält einen Gegenwert in Form von Rabatten. Und das Unternehmen lässt – wie dies das Datenschutzgesetz vorschreibt – dem Kunden die Wahl, ob er bei diesem Geschäft dabei sein will oder nicht. Stossend ist allerdings, dass die Kunden bereits jetzt zur Zustimmung aufgefordert werden, bevor das neue Rabattportal überhaupt in Betrieb ist und sie sich ein Bild machen können. Mit diesem Vorgehen erntet Postfinance schon vor dem Start Misstrauen.

DerBund.ch/Newsnet

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