Der frühere BAG-Chef Thomas Zeltner ist neuer Präsident der KPT

Der langjährige Chefbeamte Zeltner ersetzt den «Aufräumer» René Jenny an der Spitze der Berner Krankenkasse. Diese hat ein gutes Geschäftsjahr hinter sich.

Wechsel in der Chefetage: Bei der Berner Krankenkasse KPT übernimmt Thomas Zeltner das Ruder.

Wechsel in der Chefetage: Bei der Berner Krankenkasse KPT übernimmt Thomas Zeltner das Ruder.

(Bild: Valérie Chételat)

Adrian Sulc@adriansulc

Es war eine denkwürdige Standpauke: Letztes Jahr rügte die Finanzmarktaufsicht (Finma) den Verwaltungsrat der KPT massiv für dessen Finanzgebaren. Die Verwaltungsräte traten mehr oder minder freiwillig zurück, und das Gremium setzte sich vollkommen neu zusammen.

Der Freiburger René Jenny wurde Verwaltungsratspräsident, kündigte aber bereits nach einem Jahr wieder seinen Rücktritt an: Die zeitliche Belastung für das Amt sei für ihn zu gross gewesen. Dennoch zeigt sich Jenny im Geschäftsbericht 2012 mit seiner Aufräumarbeit in Sachen Transparenz und Struktur der KPT zufrieden: «Zudem konnten wir die Altlasten im Zusammenhang mit Unregelmässigkeiten der Vorjahre bereinigen.»

Am vergangenen Freitag wählten die Delegierten der Berner KPT-Genossenschaft nun den neuen Präsidenten. Es ist kein Unbekannter: Thomas Zeltner war fast 20 Jahre lang Direktor des Bundesamtes für Gesundheit. Laut Medienmitteilung der KPT ist der heute 65-jährige Zeltner seit 2012 Sonderbotschafter der Weltgesundheitsorganisation WHO. Zeltner sass bereits ein Jahr lang als einfaches Mitglied im Verwaltungsrat der KPT.

Giezendanner als Verwaltungsrat

Dass Zeltner als profunder Kenner des Schweizer Krankenkassensystems bereit war, die KPT zu präsidieren, kann als positives Zeichen gewertet werden. Denn Zeltner hätte sich an einer Krankenkasse mit Leichen im Keller nicht die Finger verbrennen wollen. Spätestens in fünf Jahren, bei Erreichen des 70. Altersjahrs, wird der neue Präsident seinen Posten wieder räumen müssen. So sehen es die Statuten der Versicherung vor.

Die Delegierten der KPT-Genossenschaft wählten zudem zwei neue Verwaltungsratsmitglieder: den Aargauer SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner (59) sowie Daniel Flach (49), Geschäftsführer und Chefarzt der Berner Klinik City-Notfall. Gienzendanner war bisher selbst Mitglied der Delegiertenversammlung der KPT.

Geld zurück für die Versicherten

Wirtschaftlich scheinen die negativen Schlagzeilen der vergangenen Jahre der KPT nicht geschadet zu haben. Die Versicherung steigerte die Zahl ihrer Grundversicherten per 1. Januar um 5,7 Prozent auf knapp 400 000 (inkl. Tochterkassen Agilia und Publisana). Bei den Zusatzversicherungen steigerte sich die KPT hingegen nur um 0,7 Prozent auf knapp 290 000 Kunden.

Finanziell war das vergangene Geschäftsjahr lohnenswert: Der Gewinn des Versicherers stieg um 15,8 Prozent auf 32 Millionen Franken. Gut 8 Millionen davon erwirtschaftete die KPT in der obligatorischen Grundversicherung; diese werden laut Mitteilung zur Stärkung der Reserven verwendet. Ein Grossteil des restlichen Gewinns floss in den neuen Überschussfonds – das Geld darin will die KPT den Versicherten zurückzahlen. Konkret wird der Überschuss von 22 Millionen Franken unter allen Kunden mit einer Spitalzusatzversicherung proportional zur Prämie aufgeteilt.

Der Ende Jahr abtretende KPT-Chef Christoph Bangerter verdiente letztes Jahr 450 000 Franken, 41 000 Franken weniger als im Vorjahr. Der abgetretene Präsident René Jenny erhielt unverändert 160 000 Franken.

Der Bund

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