Der Viagra-Trick

Pfizer verkauft Viagra neben dem Original auch als identische Kopie unter anderem Namen, wobei die Kopie deutlich günstiger ist. Aber nur scheinbar.

Viagra muss sich künftig neben Cialis auch mit Generika mit identischem Wirkstoff messen: Ein Arbeiter in einer Pfizer-Fabrik im ägyptischen Kairo. (Archivbild Keystone)

Viagra muss sich künftig neben Cialis auch mit Generika mit identischem Wirkstoff messen: Ein Arbeiter in einer Pfizer-Fabrik im ägyptischen Kairo. (Archivbild Keystone) Bild: Keystone

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Viagra ist wohl das berühmteste Medikament überhaupt. Das Potenzmittel gegen Erektionsstörungen beim Mann füllte über Jahre die Kassen des US-Pharmakonzerns Pfizer. Letztes Jahr stieg der Umsatz der blauen Pille auf über 2 Milliarden Dollar. In Europa ist das grosse Geschäft inzwischen allerdings vorbei, denn Viagra verliert in diesem Jahr den Patentschutz. In vielen Ländern war es vergangene Woche bereits so weit, auch in der Schweiz. Damit kommen die ­Generikafirmen mit ihren weit günstigeren Kopien auf den Markt, der Umsatz des Originalherstellers bricht in der Regel ein.

Wie bereits in anderen Fällen hat Pfizer dieser Entwicklung nicht tatenlos zugesehen. Der Pharmakonzern hat in den vergangenen Monaten vorgesorgt, um auch nach dem Ablauf des Patentschutzes die Konkurrenz durch die Generikahersteller im Zaum zu halten. 2012 erzielte die Firma mit dem Medikament einen Umsatz von knapp 15 Millionen Franken in der Schweiz.

Preis von Viagra steigt

Im Gegensatz zu den meisten rezeptpflichtigen Medikamenten wird Viagra von den Krankenkassen nicht zurückerstattet. Damit kann der Pharmakonzern den Preis des Potenzmittels selber bestimmen. Pfizer hat den Preis in zwei Schritten erhöht, im September 2012 um 15 Prozent und im März um 10 Prozent. Kurze Zeit später lancierte das Unternehmen mit Sildenafil Pfizer eine exakte Kopie von Viagra.

Sildenafil ist der Name des Wirkstoffs von Viagra. Dass die beiden Medikamente völlig identisch sind, geht aus einer Liste hervor, welche die Arzneimittelbehörde Swissmedic regelmässig publiziert.

Es ist eine gängige Strategie der Pharmafirmen, kurz vor dem Patentablauf eine Kopie zu lancieren, um den Generikafirmen das Wasser abzugraben. Dieser Fall ist jedoch speziell: Pfizer hat den Preis der Kopie gegenüber dem Original um 27 Prozent tiefer angesetzt. Damit war die Kopie praktisch gleich teuer wie das Original vor den beiden Preiserhöhungen im September und März.

Die Generikahersteller bezeichnen das Vorgehen von Pfizer als dreist. ­«Zuerst wird der Preis des Originals erhöht, nur um den Konsumenten später mit einem vermeintlich tieferen Preis zu ködern», sagt Peter Huber, Geschäftsführer des Branchenverbands Inter­generika. So würden die Patienten für dumm verkauft. Kritisch äussert sich auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz: «Mit diesem Vorgehen werden die Konsumenten hinters Licht geführt.» Generika seien dazu da, die gleiche Wirkung zu günstigeren Preisen zu erzielen. Pfizer führe das System mit diesem Vorgehen ad absurdum. Pfizer seinerseits will grundsätzlich keine Stellungnahme zur Preispolitik abgeben.

Bis zu 70 Prozent billiger

Am vergangenen Wochenende haben mehrere Generikafirmen ihre Kopien lanciert. Die Preise anderer Anbieter wie Mepha, Sandoz oder Axapharm bewegen sich zwischen 40 und 70 Prozent unter dem Original. Auch Pfizer hat auf den Patentablauf reagiert. Der Preis der Kopie Sildenafil Pfizer ist just auf das Niveau des teuersten Generikaanbieters gesenkt worden. Die Preise von Viagra bleiben unverändert.

Die nächsten Monate werden zeigen, inwieweit es Pfizer gelingen wird, Patienten von der vermeintlich günstigeren Kopie zu überzeugen. Viagra muss, wie bereits erwähnt, vom Kunden selber bezahlt werden. «Es wird interessant zu sehen sein, ob der Konsument nur über den Preise entscheidet oder ob auch die Marken- oder Firmenloyalität zum Original einen Einfluss hat», sagt Huber. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.06.2013, 13:35 Uhr

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