Der Mitentwickler der USM-Möbel ist gestorben

Paul Schärer, der ehemalige Chef der Münsinger Möbelfirma USM, ist 78-jährig verstorben. Das USM-Möbelsystem wird seit 40 Jahren erfolgreich verkauft.

Ohne Paul Schärer undenkbar: Die USM-Möbelmanufaktur in Münsingen.

Ohne Paul Schärer undenkbar: Die USM-Möbelmanufaktur in Münsingen. Bild: Keystone

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USM-Möbel sind heute aus der Schweizer Bürolandschaft nicht mehr wegzudenken, und auch im Ausland haben sie sich durchgesetzt. Aber längst nicht alle Nutzer wissen, dass sie auch heute noch von einer traditionsreichen Münsinger Firma hergestellt werden.

Gegründet wurde das Unternehmen 1885 in Münsingen als Eisenwarenhandlung und Schlosserei durch Ulrich Schärer. Ab 1920 wurden Fensterverschlüsse zu einem wichtigen Produkt. Im Jahr 1929 übernahmen Robert, Paul und Hans Schärer, die Nachkommen des Gründers, das Geschäft. Aus der Einzelfirma entstand die Kollektivgesellschaft U. Schärer Söhne, Münsingen - abgekürzt ergab dies das Firmenlogo USM.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte das Unternehmen einen Aufschwung, als es in den Metallbau und die Blechbearbeitung einstieg.

Idee beim Stahlbau abgeschaut

Im Jahr 1961 trat mit Paul Schärer jun., dipl. Ing. ETH, ein Vertreter der dritten Generation ins Familienunternehmen ein. Und er war für die entscheidende Weichenstellung verantwortlich: Die Firma entschied sich für den Bau eines neuen Fabrik- und Verwaltungsgebäudes an der Thunstrasse in Münsingen. Der Architekturauftrag ging an den Solothurner Fritz Haller, der später Professor an der Universität Karlsruhe wurde.

Haller entwickelte für den Neubau nicht nur ein eigenes Stahlbausystem, das danach als USM-Fabrikbausystem weitervermarktet wurde. Um Kosten zu sparen, fragte Paul Schärer den Architekten an, ob er nicht auch gleich eine Idee für die Möblierung des Verwaltungsgebäudes habe. Haller machte sich an die Arbeit. Ausgehend von den flexibel anpassbaren Modulen, welche er beim Bau der Halle verwendet hatte, erfand er das modulare Büromöbelsystem USM Haller. Unterstützt wurde der Architekt und Designer Haller dabei vom Ingenieur Schärer: Die Kooperation Designer-Ingenieur wird als eines der Erfolgsgeheimnisse angesehen. Die zuerst für den Eigenbedarf hergestellten Möbel wurden ab 1965 auch an Kunden verkauft, und seit 1969 werden sie serienmässig hergestellt. Der erste Grossauftrag betraf die Möblierung der Bank Rothschild in Paris, was zeigt, dass USM Haller von Anfang an ein erfolgreiches Exportprodukt war: Heute werden 80 Prozent der USM-Möbel exportiert.

Als Kunstwerk im Museum

Kernstück des patentgeschützten Systems USM Haller ist die Kugel, mit welcher verchromte Stahlrohre und Verkleidungselemente aus pulverbeschichtetem Stahlblech, perforiertem Metall und Glas miteinander verbunden werden. Auf diese Weise entstehen fixe und fahrbare Aktenschränke, Tische, Arbeitsplätze und vieles mehr. Jedes Möbelstück kann auseinandergenommen und in anderer Form wieder zusammengesetzt werden.

Längst sind USM-Möbel nicht nur in Büros und Empfangshallen zu finden, sondern sie sind auch zu einem Statussymbol in vielen Wohnungen geworden. Nichts könnte den Stellenwert der USM-Haller-Möbel besser illustrieren als deren Aufnahme in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York im Jahr 2001. Das sei eine hohe Auszeichnung und bestätige den Kunstcharakter des Design-Klassikers, hält die Firma USM fest.

Die vierte Generation

Im Jahr 1990 übernimmt Paul Schärer die Aktienmehrheit am Familienunternehmen. Drei Jahre später tritt mit seinem Sohn Alexander Schärer, dipl. Ing. EPFL, die vierte Generation ins Unternehmen ein. Er ist heute auch Firmenchef.

Trotz der hohen Löhne und des starken Frankenkurses fabriziert USM bis heute in Münsingen. «Qualität ist an den Standort Schweiz gebunden», schrieb Alexander Schärer in diesem Frühjahr in einer Designbeilage der NZZ. Zwar habe das Unternehmen den Einkauf von Halbfabrikaten im Ausland mehrmals geprüft, aber stets verworfen. Die hohen Qualitätsanforderungen bei Grossmengen könnten nur von wenigen Lieferanten erfüllt werden. Die USM-Gruppe beschäftigt rund 400 Mitarbeitende, wovon die Mehrheit in Münsingen. Paul Schärer ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 78 Jahren gestorben. Er war laut Handelsregister bis zuletzt Verwaltungsratspräsident der USM Holding AG. (Der Bund)

Erstellt: 02.08.2011, 09:25 Uhr

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