Das kleine Modeimperium

Die Mode Bayard Group ist von einem Walliser Warenhaus zu einer Kette mit 75 Filialen angewachsen. 
Nun wird die Gruppe mit Sitz in Bern im Vaucher-Haus an der Marktgasse ein weiteres Geschäft eröffnen.

Bayard-Filiale im Einkaufszentrum Westside: So ähnlich soll es nächstes Jahr auch im Vaucher-Haus aussehen.

Bayard-Filiale im Einkaufszentrum Westside: So ähnlich soll es nächstes Jahr auch im Vaucher-Haus aussehen.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian Sulc@adriansulc

Nein, für den Fotografen posieren wollen Fredy und Silvia Bayard nicht. «Es ist uns wohl, wenn wir nicht allzu bekannt sind», sagt Fredy Bayard im breiten Walliserdeutsch. Der 51-Jährige führt und besitzt die Mode Bayard Group gemeinsam mit seiner 52-jährigen Ehefrau Silvia, ebenfalls Walliserin. Seit sich das Walliser Modeunternehmen Bayard 2003 mit der Berner Wartmann-Kette zusammengeschlossen hat, arbeiten die beiden in Bern und nicht mehr in Visp.

Von der Bayard-Zentrale an der Neuengass-Passage aus steuern die beiden ein Netz von 75 Filialen mit 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. «Bern ist für uns ideal gelegen – eine Stunde von Basel, Zürich und Luzern entfernt, aber auch nur eine Stunde vom Wallis», sagt Fredy Bayard. Er trägt ein hellblaues Freizeithemd, darunter ein weisses ­T-Shirt, seine Frau ein weiss-grau gemus­tertes Oberteil.

Paternoster als Publikumsmagnet

Unter der Woche bleibt das Ehepaar zwar in Bern, am Wochenende fahren die beiden aber ins Oberwallis. Dort hatte 1912 der Grossvater von Fredy ­Bayard mit einem Gemischtwarenladen den Grundstein für das Familienunternehmen gelegt; sein Vater baute das Geschäft zum Modehaus aus. Dieser starb 1989, Sohn Fredy übernahm das Unternehmen und baute ein Filialnetz auf. Dank dem Zusammenschluss mit der damaligen Loeb-Tochter Wartmann gelang der Sprung über den Lötschberg.

Seither hat das Modehaus verschiedene lokale Kleidergeschäfte und kleine Ketten übernommen und führt diese unter ihrem Namen weiter, neben Wartmann etwa Ehrbar und Krause. «Das ­waren Familienunternehmen ohne Nachfolge», sagt Fredy Bayard, «wir haben diese nicht gesucht, aber sie wurden uns angeboten.» Zusätzlich betreibt die Mode Bayard Group sogenannte Mono-Label-Läden, etwa für Esprit und Marc O’Polo. So kommt das Unternehmen alleine in der Stadt Bern auf elf Geschäfte, drei ­davon im Einkaufszentrum Westside.

Nächstes Jahr wird nun ein zwölfter Laden dazukommen: Seit dem 1. November ist die Mode Bayard Group Mieterin des Hauses an der Marktgasse 27, wo Ende Juli der Berner Sportartikelhändler Vaucher sein Geschäft schloss.

Die Bayards wollen das Haus umbauen und im September 2015 darin eine Bayard-Filiale eröffnen, also ein Modegeschäft unter dem eigenen Namen. Dabei wollen sie auf das Ladenkonzept zurückgreifen, welches in der Bayard-Filiale im Westside bereits umgesetzt wurde: Industrie-Chic mit Werkstatt- und Nähatelier-Elementen.

Der Paternoster-Lift sei dabei ein zent­rales Element, um die Kunden auf die oberen Stockwerke des schmalen und hohen Altstadthauses zu bringen, sagt Silvia Bayard. Dass die Bayards den stadtbekannten offenen Lift erhalten wollen, ist mit ein Grund, dass sie sich gegen die anderen Mietinteressenten durchsetzen konnten. Das Haus gehört einer Zürcher Anlagestiftung.

Bis zur Eröffnung der neuen Bayard-Filiale soll das Erdgeschoss der Liegenschaft als Mode-Outlet genutzt werden.

«Viele haben damit Geld verloren»

Die Bayard-Geschäfte siedeln sich preislich im mittleren bis oberen Preissegment an, jedoch nicht im Top-Segment. Gegen die starke Konkurrenz aus der Schweiz und dem Ausland könne sich das Unternehmen dank seiner Flexibilität und seiner schlanken Struktur behaupten, sagt Fredy Bayard. So arbeiten nur 25 Personen am Hauptsitz der Gruppe, eigene Designer beschäftigen die Bayards nicht, und so geben sie auch keine eigenen Kollektionen in Auftrag. «Es gibt viele, die damit Geld verloren haben», sagt Fredy Bayard. «Wir kaufen Kleider ein und verkaufen sie wieder. Schuster bleib bei deinem Leisten.»

Was nicht rentiert, fliegt raus

Die Ware bezieht Bayard bei rund 80 Lieferanten. Und diesen, das räumt er ohne Umschweife ein, überlasse er meist auch die Auswahl des Sortiments. «Der Lieferant weiss besser als ich, was gefragt ist.» Doch jeden Morgen wirft Fredy Bayard einen Blick auf die Verkaufszahlen der 75 Filialen. Wenn sich eine Kleidermarke schlecht verkaufe, werde sie rasch wieder aus dem Sortiment geworfen, um Platz für rentable Ware zu schaffen. Mit dieser Arbeitsweise lasse sich auch im Mode-Detailhandel ein «vernünftiger Gewinn» erzielen.

Und wie sieht es bei der Mode Bayard Group mit den Löhnen aus? Die Kleider- und Schuhbranche steht bei den Gewerkschaften ganz oben auf der Liste der Lohnsünder. «Die Mindestlohninitiative wäre für uns gut gewesen», sagt Fredy Bayard. Das Unternehmen bezahle den Angestellten mindestens 4000 Franken pro Monat. «Die Initiative hätte nicht uns, sondern der Konkurrenz wehgetan.» Silvia Bayard, die auch Personalchefin der Gruppe ist, nickt. «Wir bieten viel, aber wir verlangen auch viel», fügt sie an.

Der Bund

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