Das Rennen um den UBS-Chefposten ist eröffnet

Wer folgt auf Bank-Chef Sergio Ermotti? Die Grossbank führt bereits Gespräche mit Kandidaten. Der Favorit kommt aus Österreich.

Bei der UBS steht ein Umbau der obersten Geschäftsleitung an: Sergio Ermotti (l.), Christian Meissner. Fotos: Keystone, PD

Bei der UBS steht ein Umbau der obersten Geschäftsleitung an: Sergio Ermotti (l.), Christian Meissner. Fotos: Keystone, PD

Holger Alich@Holger_Alich

Die UBS beginnt damit, die Nachfolge von Bank-Chef Sergio ­Ermotti konkret vorzubereiten. Die Diskussionen darum haben in der Bank-Spitze in den vergangenen 14 Tagen spürbar an Fahrt aufgenommen, berichten Bank-Insider. Es werden auch erste Gespräche mit möglichen externen Kandidaten geführt.

So steht die UBS in Kontakt mit Christian Meissner, Ex-Chef der Investmentbank der Bank of America. Das berichten interne Quellen und bestätigen damit einen Bericht der Agentur Bloomberg.

Den Informationen zufolge soll der Verwaltungsrat kommende Woche in einer Telefonkonferenz über Personalthemen beraten. Die Idee ist offenbar, Meissner zunächst zur UBS zu holen, um diesen als weiteren potenziellen Nachfolge-Kandidaten aufzubauen. Ob Meissner zur UBS kommt und wann konkret Ermotti als CEO abtritt, all diese Fragen seien derzeit noch vollkommen offen, so die Quellen weiter. Auch die Gespräche mit Meissner seien noch in einem sehr frühen Stadium.

«Keine Hauruckübung»

Ein Sprecher der UBS wollte die Informationen zu Gesprächen mit Meissner am Sonntag nicht kommentieren. Der Sprecher verwies auf ein Statement zur Nachfolge-Regelung. Deren Vorbereitung sei stets «Teil der ­regulären operativen Bankoperation». Es gäbe keinerlei Änderungen zu dem, was Bank-­Präsident Axel Weber und Bank-Chef Sergio ­Ermotti zum Nachfolge-Thema öffentlich gesagt hätten.

Der Tessiner leitet die grösste Bank der Schweiz seit dem Herbst 2011 und ist damit einer der am längsten dienenden Chefs einer Grossbank. Ermotti folgte damals auf Oswald Grübel, der wegen der Affäre um den Betrugshändler Kweku Adoboli zurückgetreten war.

Axel Weber hatte erst vor kurzem dem «Tages-Anzeiger» erklärt, dass er bis 2022 weitermachen wolle. Zur Nachfolge-Frage der Bank-Spitze sagte er: «Wir versuchen, den Übergang beim Chefposten und dem Verwaltungsratspräsidium als einen ruhigen, geordneten Prozess zu gestalten. Es wird kein Hauruckverfahren geben.» 

In kleinem Kreis hatte Weber aber einmal klargemacht, dass er die Nachfolge-Regelung des CEO-Postens noch als Bank-­Präsident aufgleisen will. Das würde bedeuten, dass Ermotti vor Weber seinen Posten abgeben würde.

Zudem zeichnet sich ab, dass Weber als Nachfolger für Ermotti ein externer Kandidat vorschwebt. So habe der Ex-Bundesbank-Präsident vor kurzem seine Kontakte in Deutschland aktiviert, um nach geeigneten Kandidaten zu fahnden – allerdings ohne fündig zu werden, heisst es von Bank-Insidern.

Von der aktuellen Bankführung werden oft die beiden Leiter der Vermögensverwaltung, Tom ­Naratil und Martin Blessing, als Aspiranten genannt. Auch der frühere Chef der Investmentbank, Andrea Orcel, galt intern dank seiner guten Leistung als «papabile». Doch der 55-Jährige verliess die UBS überraschend im Herbst, um als Chef bei der spanischen Santander anzuheuern. Der frühere Leiter der Vermögensverwaltung der UBS, Jürg Zeltner, hatte sich ebenfalls Hoffnung auf die Nachfolge Ermottis gemacht, doch wurde ihm beschieden, dass er dafür nicht infrage käme.

Keinen Leistungsausweis in der Kernsparte

Mit Blick auf die aktuelle Bankführung verweisen UBS-nahe Quellen darauf, dass Ermotti, Naratil & Co. alle ähnlich alt sind. Tom Naratil ist 57, Martin Blessing 55 Jahre alt. Beide sind also kaum jünger als Bank-Chef Ermotti (58) und würden damit nicht für einen Generationenwechsel stehen.

Den könnte Meissner dank seinen 49 Jahren verkörpern. Der Österreicher hat bisher allerdings keinen Leistungsausweis in der Kernsparte der UBS, der Vermögensverwaltung. Meissner ist ein gelernter Investmentbanker. UBS-Insider verweisen aber darauf, dass auch Andrea Orcel als Investmentbanker Chef der Privatkundenbank Santander wurde. Die Persönlichkeit sei für die Chefwahl entscheidend, heisst es. Und hier hat Meissner dem Vernehmen nach bei der UBS einen guten Eindruck hinterlassen.

Meissner war im vergangenen Jahr im Streit bei der Bank of America zurück getreten. Er und andere Führungskräfte sollen laut Medienberichten frustriert über die aus ihrer Sicht übervorsichtige Geschäftspolitik gewesen sein. 

Nach seinem Studium an der Elite-Uni Princeton begann er seine Karriere bei Goldman Sachs. 2004 wechselte er zu Lehman Brothers und stieg dort bis zum Europa-Chef auf. Nach dem Zusammenbruch von Lehman wechselte er nach einer Station bei Nomura zur Bank of America. Ob die nächste Station die UBS wird, das werden die kommenden Wochen zeigen. 

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