Das GPS, das auch in der brennenden Tiefgarage funktioniert

Das Berner Jungunternehmen Aionav hat ein System entwickelt, das Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten durch Gebäude navigieren kann. Auch für Migros-Kunden könnte es zur Anwendung kommen.

3-D-Aufzeichnung eines Testlaufs um, in und auf das Berner Münster.

3-D-Aufzeichnung eines Testlaufs um, in und auf das Berner Münster.

(Bild: zvg)

Adrian Sulc@adriansulc

«Ich sehe vielleicht nicht aus wie ein Jungunternehmer», sagte Ulrich Walder am Freitag an der Pressekonferenz der Berner Start-up-Initiative Basecamp for Hightech, «und ich werde auch schon pensioniert.» Trotzdem ist Walder ein Jungunternehmer. Der Berner, der noch bis Ende Jahr Professor für Bauinformatik an der Universität Graz ist, hat in Bern das Unternehmen Aionav gegründet. Mit diesem will Walder ein System auf den Markt bringen, mit dem künftig Einsatztruppen von Feuerwehr, Polizei und Militär ausgerüstet werden sollen.

Für Einsätze unter freiem Himmel können sich die Organisationen heute grundsätzliche auf die GPS-Satelliten verlassen. Jedes Smartphone kann die Signale der Satelliten heute empfangen und daraus Längen- und Breitengrad sowie die Höhe berechnen. In Gebäuden sind die Signale jedoch bereits schwächer – und in Liftschächten, Kellergewölben oder Tiefgaragen praktisch nicht mehr empfangbar.Deshalb sind Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung etwa in einer Garage weiterhin auf sich gestellt. Der Kommandant kann die einzelnen Trupps zwar mit dem Funkgerät erreichen. Doch in einem verzweigten Bau finden sich die Feuerwehrleute bei Rauch oder Dunkelheit nur schlecht zurecht – und im Notfall können sie zur Bergung nur schwer gefunden werden.Walder und seine vier Mitarbeiter wollen die Feuerwehrmänner nun mit einem Bewegungssensor im Schuh ausrüsten.

Der Sensor muss nur die Koordinaten des Startpunkts kennen – dann berechnet er autonom aus den Bewegungen des Feuerwehrmanns, wo sich dieser gerade aufhält. Über Funk überträgt der Sensor diese Information an die anderen Nutzer des Systems. Auf der App des Jungunternehmens kann der Feuerwehrkommandant so in Echtzeit verfolgen, wer sich wo befindet. Auch die Feuerwehrmänner können mit einem Smartphone ausgerüstet werden, das sie am Ärmel hinter einer Schutzfolie tragen. So können auch sie sehen, wo sich ihre Kollegen befinden – oder sie können dank dem aufgezeichneten Weg wieder aus der Tiefgarage herausfinden. Walder sagte, sein Unternehmen stehe bereits mit zwei internationalen Feuerwehrausrüstern in Verhandlungen.

Google zieht den Hut

Wenn der Nutzer über einen Plan des Gebäudes verfügt, kann er diesen zudem in die App bauen. So könnten etwa Soldaten, die ein Gebäude bewachen, von ihren Vorgesetzten jederzeit auf Stockwerk und auf den Raum genau geortet werden, erklärte Ulrich Walder, der früher selbst Divisionär in der Schweizer Armee war. Er konnte auch den staatlichen Rüstungskonzern Ruag als Kunden gewinnen.

Rund zwei Millionen Franken an Investorengeldern hat die Aionav bisher erhalten – doch für die Entwicklung der fertigen Produkte brauche es noch mehr, sagt Walder. Google und Samsung seien zwar am System interessiert und ein Google-Vertreter habe gar eingeräumt dass das System von Aionav «zehnmal besser» sei als das Produkt «indoor Google Maps». Doch bis von grossen Konzernen Geld fliesse – oder gar ein Übernahmeangebot komme, dauere es sehr lange, so Walder.

Deshalb tüftelt das Berner Start-up an einzelnen Anwendungen, die für Kunden programmiert werden können. Neben einem Navigationssystem für Blinde und einer Navigations-App für grosse Bürokomplexe oder Messen ist dies auch ein Projekt für die Migros: Die Firma hat das gesamte Shoppyland in Schönbühl digitalisiert. Mit der von Aionav entwickelten Smartphone-App kann der Kunde von seinem Ausgangspunkt aus beispielsweise die Ex-Libris-Filiale suchen. Das Programm weist ihm den schnellsten Weg, inklusive aller Lifte und Hindernisse. Die Shoppyland-Betreiber könnten den Weg aber auch künstlich verlängern und den Kunden so an bestimmten Punkten vorbeilotsen.

Wo ist schon wieder die Hefe?

In der grossen Migros-Filiale in Schönbühl geht die App noch einen Schritt weiter: Sie zeigt dem Kunden auf der Karte, in welchen Gestellen welche Produktgruppen zu finden sind. Mit der Suchfunktion kann gar nach einzelnen Produkten gesucht werden. Wo sind schon wieder die Hefewürfel?

Das Programm markiert das betreffende Regal und berechnet den kürzesten Weg durch die Filiale. Für die Öffentlichkeit ist die App jedoch noch nicht erhältlich. «Die Migros ist selbst technisch noch nicht so weit», sagt Walder.

Der Bund

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