Credit Suisse verliert einen ihrer Retter von 2008

Als die CS nach dem Lehman-Kollaps dringend Geld brauchte, stiegen Investoren aus Israel ein. Jetzt hat Koor Industries offenbar selber Probleme und handelt beim Engagement der Schweizer Bank.

Bitter: Mit Koor Industries aus Israel verliert die CS einen Ankeraktionär.

Bitter: Mit Koor Industries aus Israel verliert die CS einen Ankeraktionär.

(Bild: Keystone Alessandro Della Bella)

Koor Industries aus Israel verabschiedet sich endgültig als Ankeraktionärin der Credit Suisse. Gemäss israelischen Medienberichten hat die zur IDB-Gruppe des Financiers Nochi Dankner gehörende Investmentgesellschaft in den vergangenen Tagen mit dem Verkauf der restlichen CS-Anteile von 1,95 Prozent des Kapitals begonnen. Grund für den Ausstieg sind gemäss der Zeitung «Haaretz» Dankners Finanzprobleme.

Die Umstände und der Zeitpunkt des Rückzuges der israelischen Grossaktionäre sind insofern speziell, als Koor Industries fast auf den Tag genau vor fünf Jahren zu den drei Investoren aus dem Nahen Osten gehörte, die der Credit Suisse einen Monat nach dem Lehman-Konkurs privates Kapital zur Verfügung stellten und damit verhinderten, dass der Bund und die Schweizerische Nationalbank neben der UBS nicht auch noch die Credit Suisse retten musste.

Koor Industries, die saudi-arabsiche Olayan Group und die Katar Holding, der Staatsfonds des ölreichen Scheichtums am Persischen Golf, hielten der Schweizer Grossbank in jenen dunklen Tagen insgesamt 10,4 Milliarden Franken frisches Eigenkapital zu, wobei Koor im Unterschied zu Olayan, aber auch von Katar, zuvor keine nennenswerte Beteiligung an der Credit Suisse besessen hatte.

Holding schreibt Verluste

Koor hielt im Herbst 2008 rund 3,2 Prozent aller Credit-Suisse-Aktien. Die Beteiligung der Katar Holding belief sich sogar auf 8,9 Prozent und jene der Olayan Gruppe auf 6,6 Prozent. Inzwischen sind die Anteile der drei nahöstlichen Grossinvestoren auf unter 14 Prozent gesunken, nachdem sie zeitweise fast 20 Prozent aller Credit-Suisse-Aktien besessen hatten. CS-Chef Brady Dougan begründete die private Rekapitalisierung der Bank damals mit dem Argument, der Markt würde dies als Zeichen der Stärke werten. Die Möglichkeit, dass die Politik Einfluss auf die Geschäfte nehmen könnte, habe kaum einen Einfluss auf den Entscheid gehabt, sagte Dougan vor fünf Jahren.

Dankner verkauft nicht aus freien Stücken. Seine Holding schreibt Verluste. Er, der einst anderen mit Kapital aushalf, muss jetzt selber Investoren suchen, welche die Löcher in seiner Kasse füllen. Um seine Gläubiger zufriedenzustellen, hat er nicht viel Zeit. Als schwacher Trost bleibt ihm nur, dass er mit den CS-Aktien etwas Geld verdient hat. Seit er sie vor fünf Jahren gekauft hat, ist ihr Wert in seinen Büchern um rund 130 Millionen Dollar gestiegen.

Basler Zeitung

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