Chef der WIR-Bank tritt ab und hinterlässt hartnäckiges Problem

Die Genossenschaftswährung WIR-Geld steckt in der Krise.

Nicht von allen Seiten beklatscht: Germann Wiggli. Foto: PD

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Germann Wiggli, 54, tritt ab. Es ist ein Abgang, der nicht von allen Seiten gewürdigt wird. Wiggli war 13 Jahre lang als Chef der WIR-Bank tätig, in denen er das Institut wesentlich prägte.

Einer seiner grossen Erfolge ist, dass er die kleine Genossenschaft ohne nennenswerte Kollision durch die Finanzkrise manövrierte und seinem Nachfolger eine gesunde Bank hinterlassen wird. Doch Wiggli konnte in seiner Amtszeit nicht verhindern, dass das hauseigene WIR-Geld in die schwerste Krise seiner Geschichte stürzte. Für den Kurs, mit dem er die Währung führte, erntete er denn auch manche Kritik.

Wigglis Nachfolger als WIR-Chef wird Bruno Stiegeler, sein bisheriger Stellvertreter. Der interne Wechsel sei schon lange geplant gewesen. Es sei der Wunsch von Wiggli gewesen, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Wiggli will der Bank erhalten bleiben und stellt sich an der nächsten Generalversammlung als Verwaltungsrat zur Wahl.

Unter den Schweizer Banken ist die WIR-Bank ein Farbtupfer. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist das WIR-Geld, das vor über 80 Jahren gegründet wurde. Es ist quasi ein analoger Vorreiter des Bitcoin.

Die Idee: KMU bezahlen einen Teil ihrer Rechnungen mit WIR, damit die Wertschöpfung im lokalen Wirtschaftskreislauf bleibt. Doch wegen der anhaltend tiefen Zinsen und den vollen Auftragsbüchern der Handwerks­betriebe verliert das WIR-Geld stetig an Bedeutung. Die Umsätze sind seit Jahren rückläufig. Heute liegen sie noch bei knapp mehr als einer Milliarde Franken pro Jahr. Zu Spitzenzeiten waren es 2,5 Milliarden.

Vom WIR-Geld ist die Bank finanziell nicht abhängig, ihr Kerngeschäfts sind Hypotheken und Vorsorgeangebote, deren Marktanteile unter Wiggli deutlich ausgebaut werden konnten.

Die Bilanzsumme lag Ende vergangenen Jahres bei 5,36 Milliarden Franken (plus 1,1 Prozent). Unter dem Strich verdiente das Institut 15,2 Millionen Franken, was einer Steigerung um 7 Prozent entspricht.

Doch mit dem WIR tut man sich schwer. 2016 wollte Wiggli der schwächelnden Währung neues Leben einhauchen – mit drastischen Massnahmen. Unter anderem sollte sich jeder Teilnehmer öffentlich zu erkennen geben. Dies hatte zur Folge, dass Teilnehmer aufgefordert wurden, fortan aufs Bankgeheimnis zu verzichten. Das sorgte für Ärger. In der Folge bildeten verärgerte Genossenschafter eine Opposition, die sich nicht nur gegen die neuen Spielregeln, sondern auch gegen die Bankspitze auflehnte. Für Wiggli wurde es erstmals ungemütlich.

Umsätze mit dem WIR-Geldsind regelrecht eingebrochen

An der folgenden Generalversammlung konnte sich Wiggli zwar durchsetzen, doch ein Drittel aller Firmen sind danach aus dem WIR-System ausgetreten. Im vergangenen Halbjahr sind die Umsätze mit WIR um 30 Prozent regelrecht eingebrochen. Dennoch hat die Bankleitung rund um Wiggli gegen aussen nie Fehler eingeräumt. Bis heute werden als Grund für den Rückgang einzig die Rahmenbedingungen genannt.

Wiggli ist ein naturverbundener Mensch, der gern auf die Jagd geht und auf Berge steigt. Vor zwei Jahren hat er über den Liongrat das Matterhorn bestiegen. Er ist als 29-Jähriger in die Genossenschaft eingetreten und wurde mit erst 41 Jahren deren Chef.

Sein Engagement für den WIR brachte ihn jüngst aber privat in Bedrängnis. Wiggli, der auch Präsident der Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland ist, wurde vorgeworfen, dass er sein Doppelmandat als Chef der WIR-Bank ausgenutzt habe.

In einer öffentlichen Ausschreibung stand: «Ein Anteil der Entschädigung soll in WIR-Franken geleistet werden.» Es gab einen Streit mit einem früheren Auftragsnehmer, der von Wiggli wegen Verleumdung und übler Nachrede angezeigt wurde.

Das Solothurner Kantons­gericht erteilte Wiggli allerdings eine Abfuhr. Der Transporteur darf in diesem Zusammenhang weiterhin sagen, dass «es filzelet». Das Gericht hält aber fest, dass Wiggli damit kein konkretes, sittlich vorwerfbares Verhalten unterstellt wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2018, 20:19 Uhr

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