Bei der ZKB fliegen die Kader vom Karussell

Hintergrund

Bruno Meier, Vizechef der Zürcher Kantonalbank, geht. Anlagechef Marco Curti ebenso. Dito Karl Haller, Chefinspektor. Und auch Personalchef René Hoppeler. Was ist los in der ZKB-Chefetage?

Sparsame Kommunikation: Sitz der Zürcher Kantonalbank.

Sparsame Kommunikation: Sitz der Zürcher Kantonalbank.

(Bild: TA / Nicola Pitaro)

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Den vier Spitzenleuten der Staatsbank sind zwei Dinge gemeinsam. Alle vier haben den 60. Geburtstag hinter sich. Keiner von ihnen hat aber das Rentenalter – 62 bei der ZKB – erreicht. Sie gehen vorzeitig in Pension. Über die Gründe legt die Bank einen Dunstschleier.

  • Marco Curti war verantwortlich für die Anlagestrategie der ZKB. Mit seinen Auftritten in den Medien und seinen Kommentaren zu den Finanzmärkten gab er der Bank ein Gesicht in der Öffentlichkeit. Mit einer Medienmitteilung vom 16. September wurde er stillschweigend abserviert. «Christoph Schenk wird neuer Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank» lautete der Titel der Meldung. Er trete die Nachfolge von Curti an. Keine Begründung, kein Dank, keine Würdigung, nichts.
  • Karl Haller, Chefinspektor, 35 Jahre bei der ZKB, wird in der Medienmitteilung vom 29. November mit Dank «für sein grosses Engagement» verabschiedet. Warum er in den vorzeitigen Ruhestand tritt, wird nicht kommuniziert.
  • René Hoppeler, Personalchef, wird in der gleichen Mitteilung «für die engagierte Weiterentwicklung des Personalwesens» gedankt und «alles Gute für den Ruhestand» gewünscht. Er geht «aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in die Pension». Worunter Hoppeler auch immer leidet – er soll putzmunter beim Skifahren beobachtet worden sein.
  • Bruno Meier, Risikochef und Stellvertreter von ZKB-Chef Martin Scholl, 42 Jahre für die ZKB tätig, verschwindet am 31. Dezember still und leise von der Bildfläche. Die Öffentlichkeit erfährt nichts über dessen vorzeitigen Abgang, nichts über dessen Gründe und nichts darüber, wer neuer Stellvertreter und damit Nummer 2 der Bank wird.

Das Onlineportal «Inside Paradeplatz» machte Meiers Abgang und die Ernennung von Christoph Weber zum neuen CEO-Stellvertreter publik. Die ZKB bestätigt beides. Warum sie es nicht von sich aus publik gemacht hat, bleibt rätselhaft. Man habe entschieden, die Ernennung Webers zum Stellvertreter nur intern zu kommunizieren.

Kumpel ohne kritische Distanz

Weber leitet die Geschäftseinheit Private Banking. Er und Scholl haben sich zwar nicht gerade im Sandkasten kennen gelernt, aber als Lehrlinge der Kantonalbank. Weber verliess später das Staatsinstitut. Doch Scholl holte ihn zurück in die Generaldirektion, als er 2007 Vorsitzender derselben wurde. Auch die Bank bestätigt: «Es steht ausser Zweifel, dass zwischen Martin Scholl und Christoph Weber ein enges Vertrauensverhältnis besteht.» Ein zu enges, argwöhnen Bankinsider. «Hätte die Generaldirektion über die Ernennung des Stellvertreters abgestimmt, wäre der Entscheid mit 7 zu 2 Stimmen gegen Weber ausgefallen», sagt einer. Entschieden hat der Bankrat, auf Antrag Scholls.

Problematische Ernennung

Ob die Ernennung Webers klug ist, wird sich spätestens dann zeigen, wenn die Bussenzahlung der ZKB im US-Steuerstreit fällig wird. Mit dieser Busse wird die Finanzmarktaufsicht (Finma) möglicherweise die Gewährsfrage stellen – die Frage nach der Verantwortlichkeit für den Entscheid, nach 2008 noch US-Kunden mit unversteuerten Vermögen zu akzeptieren.

Sollte es dazu kommen, dürfte Scholl als Chef der Bank kaum mehr zu halten sein. Mit Blick darauf mag es unklug sein, ausgerechnet den Chef jenes Geschäftsbereichs zu Scholls Stellvertreter zu ernennen, der für die reiche Kundschaft verantwortlich zeichnet. Weber ist allerdings zugutezuhalten, dass die Mehrzahl der US-Kunden von externen Vermögensverwaltern akquiriert wurde. Für diese war nicht das Private Banking, sondern das Firmenkundengeschäft der ZKB zuständig.

Anlagechef Curti soll zu den Kritikern Scholls gehören. Zumindest soll er sich gegen den Entscheid gewehrt haben, den von ihm verantworteten Bereich in die Geschäftseinheit Products and Services zu verschieben. Damit wird die Investmentstrategie der ZKB neu dort bestimmt, wo die Anlageprodukte vertrieben werden. Der Verdacht liegt nahe, dass damit die Produkte die Anlagestrategie vorgeben, die Unabhängigkeit derselben also nicht mehr gesichert ist.

Tages-Anzeiger

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