Bald zahlen fürs Essen bei der Swiss?

Die Airline denkt darüber nach, kostenlose Getränke und Snacks auf Europaflügen abzuschaffen – die Gründe.

Flight-Attendant auf einem Swiss-Flug: Möglich, dass sie für das Essen bald Geld verlangen wird. Foto: Markus A. Jegerlehner (Keystone)

Flight-Attendant auf einem Swiss-Flug: Möglich, dass sie für das Essen bald Geld verlangen wird. Foto: Markus A. Jegerlehner (Keystone)

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Für die Briten ist es wohl so schlimm wie ein Schlag in die Magengrube. Auf Europaflügen mit British Airways ist seit kurzem nicht einmal mehr der Tee gratis. Eine Tasse English Breakfast, Earl Grey, Pure Green oder Peppermint kostet umgerechnet 2.80 Franken. Nur wer selbst eine Tasse und einen Beutel mitnimmt, der bekommt noch kostenlos heisses Wasser. Alle anderen Getränke und Snacks kosten etwas.

Was British Airways seit Mitte Januar macht, tun längst nicht mehr nur Billigairlines, sondern auch immer mehr klassische Fluggesellschaften: Sie verlangen von Economy-Passagieren auf kürzeren Flügen Geld für die Verpflegung an Bord. SAS, Iberia und Icelandair kassieren seit längerem für Getränke und Essen, Air Berlin führte die Bezahlpflicht vergangenen Herbst ein, Alitalia plant, sie im Rahmen des neusten Sparprogramms einzuführen. Auch bei der Swiss ist es kein Tabu mehr. «Das ist sicher ein Thema, das auch bei uns diskutiert wird», heisst es am Hauptsitz in Kloten.

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Zahlen für Snacks und Getränke im Flugzeug...




Sparen in der DNA

Warum man bei der Premium-Airline überhaupt über so etwas nachdenkt, ­erklärt Roland Busch. «Allein im vergangenen Jahr sind unsere durchschnittlichen Erlöse um 7,9 Prozent gefallen», so der Swiss-Finanzchef. Sie lägen damit heute ein Fünftel tiefer als noch vor drei Jahren. Eine Besserung ist nicht in Sicht. So steigt nach einer langen Phase mit Tiefstnotierungen der Kerosinpreis wieder, und der Franken ist weiterhin stark, was die Schweiz zu einem teuren Standort macht. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz immer härter wird. Immer mehr Lowcost-Anbieter fliegen nach ­Zürich und setzen so die Swiss in der Economy Class preislich unter Druck. Dass man deshalb weiter an der Kostenschraube drehen muss, versteht sich für Busch von selbst. «Das steckt schon in unserer DNA.»

Und eines der Stellräder ist eben die Bordverpflegung. Zwar ist sie bei Fluggesellschaften allgemein für weniger als zwei Prozent der Kosten verantwortlich. Aber bei den dünnen Margen, von denen die Branche leben muss, hilft jede Einsparung. Noch stehe bei der Swiss ein Entscheid nicht unmittelbar bevor, betont Operativchef Markus Binkert, der für das Angebot an Bord verantwortlich ist. «Vorstellbar ist, dass man zuerst einmal irgendwo im Lufthansa-Konzern einen Test macht, um zu sehen, wie es ankommt.» In welche Richtung das gehen könnte, verrät der Manager anhand seiner eigenen Präferenzen. «Mir wäre als Passagier manchmal lieber, für ein hochwertiges Angebot mit Auswahl zu bezahlen als etwas inklusive zu bekommen, das ich gar nicht haben möchte.»

Nur eines ist für den Swiss-Manager ganz sicher: «Wir müssen mehr sein als Ryanair. Daher wird es sicherlich immer etwas Kleines geben. Aber nicht mehr in dem Umfang wie heute», sagt Binkert. Statt eines Sandwichs und einer Cola werden künftig vielleicht nur noch ein paar Bretzeli und ein Glas Wasser gereicht. Die Richtung gibt die belgische Brussels Airlines vor, die seit Januar ebenfalls zum Lufthansa-Konzern gehört. Auf Flügen unter zwei Stunden können Reisende etwa Wraps oder Sandwiches für je fünf Euro kaufen, ein Erfrischungsgetränk, ein Bier oder ein Kaffee kosten drei Euro.

Auf längeren Flügen innerhalb von Europa oder an Ziele rund ums Mittelmeer gibt es auch warme Mahlzeiten auf der Speisekarte. Und noch etwas ist für Binkert eine zwingende Voraussetzung: «Wir müssen weiterhin sicherstellen, dass es ein schweizerisches Produkt ist.»

Schon mal eingeführt

Ganz neu ist die Idee auch für die Swiss nicht. Kurz nach ihrem Start im April 2002 gab es schon einmal eine Phase, in der die Bordverpflegung in Europa etwas kostete. Nach der Übernahme durch die Lufthansa schaffte man die Bezahlpflicht wieder ab. Es passe einfach nicht zum Premium-Anspruch, hiess es.

Bildstrecke – Das sind die fünf besten Airlines der Welt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.03.2017, 07:00 Uhr

Ergebnis

Swiss fliegt weniger Gewinn ein

Noch immer ist die Swiss die profitabelste Fluggesellschaft im Lufthansa-Konzern. 2016 konnte die Schweizer Tochter aber nicht mehr an ihre Rekorde aus dem Vorjahr anschliessen. Der Umsatz sank um 4,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Franken, der Betriebsgewinn (Ebit) ging um 5,3 Prozent auf 429 Millionen Franken zurück. Unternehmenschef Thomas Klühr zeigt sich dennoch zufrieden: «2016 war ein sehr erfolgreiches Jahr», sagte er gestern vor der Presse. Er meinte damit vor allem, dass die Swiss trotz des anhaltend hohen Wettbewerbsdrucks und des Umbaus der Flotte mit 8,9 Prozent die angestrebte Betriebsgewinnmarge von 8 Prozent erneut übertraf. 2017 erwartet die Fluggesellschaft trotz des Einsatzes spar­samerer Flieger erneut ein leicht tieferes Ergebnis. Sie begründet dies mit dem verschärften Wettbewerbsdruck und dem wieder deutlich gestiegenen Ölpreis. (SDA)

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