BKW muss eine halbe Milliarde auf ihren Anlagen abschreiben

Der Berner Energiekonzern BKW muss hohe Sonderabschreibungen auf Kraftwerken vornehmen.

Muss eine halbe Milliarde abschreiben: Die BKW.

Muss eine halbe Milliarde abschreiben: Die BKW. Bild: Keystone

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Die tiefen Strompreise in Europa machen der BKW zu schaffen: Sie muss auf ihren Kraftwerken Wertberichtigungen vornehmen und Rückstellungen im Umfang von rund einer halben Milliarde Franken tätigen. Das ist ein neuer Rekord, nachdem der Konzern bereits 2011 ausserordentliche Abschreibungen von 318 Millionen Franken und 2012 solche von 112 Millionen Franken verbucht hatte.

Betroffen sind vor allem neuere Anlagen, unabhängig von Technologie und Standort, wie aus der gestrigen Mitteilung der BKW hervorgeht. Um wie viel welche Anlage abgeschrieben wird, gab das Unternehmen noch nicht bekannt. Der Jahresabschluss sei noch nicht revidiert, einzelne Zahlen könnten sich noch ändern. Weitere Details kommuniziere die Konzernleitung an der Bilanzmedienkonferenz vom 26. März, sagte Mediensprecher Antonio Sommavilla.

Kohlekraftwerk bald in Betrieb

Aus der Medienmitteilung kann geschlossen werden, dass die Wertkorrekturen schwergewichtig dieselben Anlagen wie in den Vorjahren betreffen werden. Dabei handelt es sich insbesondere um das neue deutsche Kohlekraftwerk Wilhelmshaven. Dieses befindet sich laut Sommavilla im Testbetrieb und soll im Verlauf des ersten Halbjahres ans Netz gehen. Die BKW hat sich verpflichtet, ein Drittel des Stroms aus diesem Werk zu Gestehungskosten zu beziehen. Sie geht nun davon aus, dass diese höher sein werden als der Erlös, den sie auf dem Markt erzielen wird. Um die erwartete Lücke füllen zu können, muss sie Rückstellungen bilden. Gleich verhält es sich mit den italienischen Gaskraftwerken Livorno Ferraris und Tamarete. Letzteres ist auf die Produktion von Spitzenstrom ausgelegt. Wegen des hohen Anfalls an Sonnenenergie ist aber insbesondere über die Mittagszeit weniger Strom aus Gaskraftwerken nachgefragt, weshalb sich die erwarteten hohen Preise nicht realisieren lassen.

Etwas überraschend musste die BKW bereits 2012 auch auf dem im Bau befindlichen neuen Wasserkraftwerk Hagneck Wertberichtigungen vornehmen. Auch 2013 hat es laut Sommavilla für die Wasserkraft nicht besser ausgesehen, es waren weitere Abschreibungen nötig.

Noch mehr überrascht die Aussage Sommavillas, sogar auf neueren Wind- und Solaranlagen im In- und Ausland seien Wertberichtigungen nötig. Diese profitieren zwar zum Teil von staatlichen Förderungen in Deutschland, Italien und der Schweiz. Gleichzeitig leiden sie aber offenbar ebenfalls unter der Überproduktion an Strom in Europa.

Von den rekordhohen Abschreibungen von einer halben Milliarde entfällt «ein hoher zweistelliger Millionenbetrag» auf die geplante vorzeitige Ausserbetriebnahme des Atomkraftwerks Mühleberg per 2019. Diese ausserordentliche Abschreibung wurde bereits im Oktober angekündigt. Das AKW Mühleberg war Ende 2012 noch mit einem Wert von 400 Millionen Franken in der Bilanz aufgeführt. Nachdem gegen 100 Millionen Franken abgeschrieben worden sind, dürfte es per Ende 2013 noch mit etwas über 300 Millionen Franken in den Büchern stehen.

Bis am 30. Juni 2014 muss die BKW nachweisen, dass sie das AKW Mühleberg bis zum Betriebsende 2019 sicher betreiben kann. Dies verfügte die Atomaufsicht Ensi. Die Arbeiten für die Eingabe bis Jahresmitte verliefen nach Plan, sagte Sommavilla. Mehr wollte er zum jetzigen Stand nicht sagen.

Dividende trotz Verlust

Aufgrund der hohen Abschreibungen rechnet die BKW für 2013 mit einem Jahresverlust von 200 bis 250 Millionen Franken. Ohne die Sondereffekte hätte ein Reingewinn von 150 Millionen Franken resultiert, schreibt sie in der Mitteilung. Für das Jahr 2012 hatte sie einen Gewinn von 135 Millionen Franken ausgewiesen. Trotz des hohen Verlustes will der Konzern eine unveränderte Dividende von Fr. 1.20 je Aktie auszahlen. Die gesamte Ausschüttung beläuft sich auf 63,3 Millionen Franken. Davon fliessen 33,2 Millionen Franken in die Staatskasse: Der Kanton Bern ist mit einem Anteil von 52,5 Prozent Mehrheitsaktionär. Die Ausschüttung sei aufgrund des guten operativen Geschäftsgangs gerechtfertigt, sagte Sommavilla. Der Konzernumsatz ging 2013 um 5 Prozent auf 2,7 Mrd. Franken zurück.

Wertberichtigungen sind eine buchhalterische Massnahme. Die BKW muss ihre Anlagen für den Jahresabschluss neu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Für die neuesten Wertberichtigungen und Rückstellungen macht sie die «Verzerrungen auf dem Strommarkt» verantwortlich. In Deutschland werden in diesem Jahr durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 25 Mrd. Euro umverteilt. Weil der damit geförderte Solar- und Windstrom im Netz Vorrang hat, wird es für die Betreiber von Wasser-, Kohle- und Gaskraftwerken finanziell eng. Das gilt für allem für neuere, noch nicht abgeschriebene Anlagen.

Falls der Strompreis wieder steigen sollte, könnte die BKW die Rückstellungen teilweise wieder auflösen. Aber danach sieht es im Moment nicht aus. (Der Bund)

Erstellt: 17.02.2014, 09:56 Uhr

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