BKW baut jede zehnte Stelle ab

Beim Berner Energiekonzern werden insgesamt 255 Arbeitsplätze verschwinden. Die ersten 30 sind bereits abgebaut, die übrigen werden im kommenden Jahr folgen.

BKW will sparen, damit sie weiter investieren kann.

BKW will sparen, damit sie weiter investieren kann.

(Bild: Keystone)

Hans Galli

Der Umbruch in der Energiebranche macht den Stromkonzernen schwer zu schaffen. Die Alpiq-Gruppe in Olten hat kürzlich den Abbau von 450 Stellen angekündigt, und auch die Axpo in Baden will Kosten sparen, indem sie den Personalbestand verkleinert. Die BKW Energie AG in Bern hat im September bekannt gegeben, sie wolle ihre Kosten um 15 Prozent senken, was 95 Millionen Franken pro Jahr entspricht. Seither gibt sie schrittweise bekannt, wie sie dieses Ziel erreichen will.

Im Oktober kündigte sie in einem ersten Schritt die Reduktion von 55 Stellen im Bau und der Betreuung des Stromnetzes an. Davon sind bisher 30 Arbeitsplätze abgebaut worden, wobei es 25 Entlassungen gab, wie BKW-Sprecher Antonio Sommavilla gestern sagte.

Im zweiten Schritt werden weitere 200 Stellen abgebaut, wie der Stromkonzern gestern mitteilte. Betroffen seien alle Geschäftsbereiche und Tochtergesellschaften. Ausserdem soll die Organisation angepasst werden. Im laufenden Jahr gebe es noch keine Kündigungen, versicherte Sommavilla. Die BKW werde im Januar festlegen, wie viele Stellen jeder Bereich abbauen müsse. Vorgesehen sei, dass 50 heute offene Stellen nicht wieder besetzt würden. Weitere Stellen könnten durch die natürliche Fluktuation eingespart werden. Wie viele Entlassungen es geben werde, stehe noch nicht fest. Der Abbau von 255 Stellen bedeutet, dass fast jeder zehnte der rund 2800 Arbeitsplätze bis Ende 2012 verschwunden sein wird.

Die BKW biete den Entlassenen einen grosszügigen Sozialplan an, sagte Sommavilla. Dazu gehöre, dass die Betroffenen rasch bei vollem Lohn freigestellt würden, sodass sie sich beruflich neu ausrichten könnten. Die Personalabteilung unterstütze sie bei der Stellensuche und berate sie in Bezug auf Weiterbildungsmöglichkeiten. Der Lohn werde je nach Dienstjahren und Alter mehrere Monate über die Kündigungsfrist hinaus weiter ausbezahlt. Damit werde die Entlassung finanziell abgefedert, trotzdem sei sie natürlich für alle Betroffenen eine grosse Belastung.

Solarstrom drückt den Preis

Die BKW nennt für die einschneidenden Massnahmen sowohl wirtschaftliche als auch regulatorische Gründe. Ein wesentlicher Faktor ist die Förderung der erneuerbaren Energien: Die deutschen Solarkraftwerke liefern am Mittag am meisten Strom; das drückt auf die Einnahmen von Alpiq, Axpo und BKW, denn früher konnten sie in den Mittagsstunden, wenn in Haushalten und Restaurants gekocht wird, teure Spitzenenergie aus ihren Pumpspeicherkraftwerken verkaufen. Künftig wird Strom aus Wasserkraft eher am Abend gefragt sein, aber es ist noch unsicher, wie sich dieses Geschäft entwickeln wird.

Gas ist laut BKW kaum rentabel

Die Verbilligung des Wind- und Solarstroms schmälere auch die Aussichten für Gaskraftwerke, sagten BKW-Vertreter kürzlich an einem Medienanlass in Bern. Die Politik setze mit der Energiewende auf subventionierte, erneuerbare Energien, Gaskraftwerke seien allenfalls als Reserve vorgesehen: Sie könnten rasch eingeschaltet werden, falls zu wenig Strom aus Wasser-, Wind-, Solar- und Biomassekraftwerken vorhanden wäre. Da sie aber nur an wenigen Tagen pro Jahr in Betrieb wären, könnten die Investitionen nicht amortisiert werden. Der Bau von Gaskraftwerken in der Schweiz sei deshalb wenig lukrativ, solange die Reservehaltung nicht genügend entschädigt werde.

Die Aussichten für neue Gaskraftwerke sind auch deshalb ungünstig, weil in Europa Überkapazitäten herrschen. Obwohl Deutschland bereits mehrere Atomkraftwerke abgeschaltet hat, gibt es bisher keine Anzeichen für eine Stromknappheit. Ob das bei einem kalten Winter auch so sein wird, muss sich zeigen. Offensichtlich gibt es aber europaweit zu viele und nicht zu wenige Gas- und Kohlekraftwerke. Eine Rolle spielt dabei auch die schwache Konjunktur insbesondere in Italien.

Keine Freude haben die Stromkonzerne an der Regulierung durch die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom). Diese unterbindet nicht nur Preiserhöhungen, sondern sie verlangt zuweilen sogar Preissenkungen. Verordnete Preissenkungen seien der Hauptgrund für den Stellenabbau im Netzbereich, heisst es bei der BKW. Sie räumt aber ein, dass die Elcom letztlich nichts anders mache, als die Verordnungen des Bundesrats umzusetzen. Sie kritisiert jedoch, die Politik verlange Widersprüchliches: Im Hinblick auf die Energiewende verlange sie den Ausbau des Stromnetzes, aber gleichzeitig untersage sie, dass die Energiewirtschaft genügend Mittel für die Finanzierung der Investitionen erwirtschaften könne.

Die BKW macht auch die schwachen Aktienmärkte und die Eurokrise für die Sparmassnahmen verantwortlich, denn es sei nicht mehr möglich, den Gewinn durch Finanzanlagen aufzubessern. Darunter litten auch der Stilllegungsfonds für die Atomkraftwerke sowie der Entsorgungsfonds für nukleare Abfälle. Die BKW muss künftig pro Jahr 30 Millionen Franken zusätzlich in die beiden Fonds einzahlen, wie das Bundesamt für Energie kürzlich bekannt gab. Diese Ankündigung sei nicht überraschend gekommen, sagte BKW-Sprecher Sommavilla. Die Erhöhung der Beiträge gegen Ende der Laufzeit von Mühleberg sei so geplant worden. Der jetzt angekündigte Stellenabbau habe deshalb nichts mit diesen höheren Beiträgen zu tun.

Stellen in Mühleberg bleiben

Das AKW Mühleberg sei vom Personalabbau ausgenommen, bis die hängigen Fragen geklärt seien, teilte die BKW mit: Gegen die unbefristete Betriebsbewilligung ist eine Beschwerde hängig, und die Aufsichtsbehörde Ensi klärt ab, welche zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen nötig sind. Bei der BKW heisst es, sie werde in das AKW Mühleberg investieren, solange dieses rentabel betrieben werden könne.

Der Bund

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