BKW baut gestaffelt 255 Stellen ab und bremst beim Solarstrom

Ausländische Sonnen- und Windenergie verderben der BKW das Geschäft: Bis Ende März kommt es zu 25 Kündigungen oder vorzeitigen Pensionierungen.

Die BKW will stärker in Windenergie investieren als in Sonnenenergie.

Die BKW will stärker in Windenergie investieren als in Sonnenenergie. Bild: Keystone

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Wind- und Sonnenenergie haben den Schweizer Stromkonzernen das Handelsgeschäft verdorben und die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) verordnet ihnen Preissenkungen. Aus diesem Grund bauen Alpiq, Axpo und BKW zusammen rund 1000 Stellen ab. Die BKW Energie AG will ihre Gesamtkosten um 95 Millionen Franken pro Jahr senken. Davon will sie zwei Drittel durch organisatorische Massnahmen senken und einen Drittel will sie beim Personal einsparen. Gestern hat sie die Details zum Abbau bekannt gegeben.

Insgesamt will der BKW-Konzern 255 seiner 2800 Stellen streichen. Im Bereich Netze sind im vergangenen Jahr bereits 35 Arbeitsplätze abgebaut worden. Zudem sind in der BKW-Gruppe 60 offene Stellen nicht besetzt worden, wie die BKW gestern mitteilte. Somit verbleiben 160 Stellen, welche in diesem und im nächsten Jahr eingespart werden, wie Mediensprecher Antonio Sommavilla sagte. Bis Ende März dieses Jahres sind 25 Entlassungen oder vorzeitige Pensionierungen vorgesehen. Der weitere Abbau wird gestaffelt erfolgen. Wer entlassen wird, erhält je nach Dienstalter noch bis zu 14 Monate den Lohn.

Auch Konzernzentrale betroffen

Fast ein Viertel des Abbaus erfolgt in der Zentrale, also in der Administration und den Finanzen. Noch etwas stärker betroffen ist das Energiegeschäft Schweiz, bei welchem 80 Stellen eingespart werden. Die Angestellten des Elektrizitätswerks Reichenbach in Meiringen sowie des Elektrizitätswerks Grindelwald werden in die BKW integriert, und es wird auch bei ihnen einen Abbau geben. Nicht erstaunlich ist die Stellenreduktion im internationalen Geschäft und im Handel, denn der lukrative Export von Spitzenenergie am Mittag ist wegen des gestiegenen Angebots an Solarstrom sowohl in Deutschland als auch in Italien stark zurückgegangen.

Fragen wirft dagegen die Ankündigung auf, dass im Netzbereich nach den bereits abgebauten 35 Stellen weitere 20 Arbeitsplätze verschwinden werden. Das scheint im Widerspruch zu den Aussagen zu stehen, das Netz müsse verstärkt werden. Als Hauptgrund für den Abbau führt die BKW die von der Elcom verordnete Senkung der Netzbenutzungspreise um 15 Millionen Franken pro Jahr an. Zudem hätten Vergleiche mit Konkurrenzunternehmen gezeigt, dass ihre Netzkosten zu hoch seien. Bei der für die Netzinstallation zuständigen Tochterfirma Arnold AG werde die Stellenzahl nicht reduziert, präzisierte BKW-Sprecher Sommavilla. Diese werde weiterhin in der Lage sein, Solarkraftwerke und andere Ökostromanlagen ans Netz anzuschliessen.

Bei ihren eigenen Ökostrominvestitionen tritt die BKW auf die Bremse: Die Tochtergesellschaft Sol-E Suisse AG muss 8 Arbeitsplätze abbauen. Sie wird sich laut der Medienmitteilung auf kleine Wasserkraftwerke, Windenergie und Fernwärme wie das Holzkraftwerk in Grindelwald konzentrieren. Die Sonnenenergie, die Geothermie und die Wärmekraftkopplung werden aus Sol-E Suisse herausgelöst. Die BKW gebe diese Bereiche nicht auf, sagte Sommavilla, aber sie werde sie als Einzelprojekte zusammen mit Partnern angehen.Mit ihrem Solarkraftwerk auf dem Mont Soleil, welches Forschungszwecken dient, und dem Solardach auf dem Stade de Suisse ist die BKW Pionierin in der Sonnenenergie. Sie ist auch an einer Testanlage in St. Antönien GR beteiligt: Seit dem vergangenen Herbst läuft dort ein Versuch mit Solarzellen an Lawinenverbauungen.

Im Vergleich zu Wasser- und Windkraftwerken seien die Kosten für Solarkraftwerke immer noch sehr hoch, hielt der BKW-Sprecher fest.Beteiligt ist die BKW auch an einem Geothermieprojekt in der Region La Côte im Kanton Waadt. Dort wird in mehreren Tausend Meter Tiefe nach heissem Wasser gesucht. Eine Bohrung koste rasch einmal 20 Millionen Franken, sagte Sommavilla. Deshalb sei die BKW auch hier auf Partner angewiesen. (Der Bund)

Erstellt: 09.02.2012, 07:18 Uhr

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