Ammann verlagert Bau von Strassenwalzen nach Tschechien

In Langenthal kommt es voraussichtlich zu 28 Kündigungen, weil der Bereich rote Zahlen schreibt.

In Langenthal werden wahrscheinlich 28 Stellen gestrichen.

In Langenthal werden wahrscheinlich 28 Stellen gestrichen.

(Bild: Keystone)

Hans Galli

Die schwache Wirtschaft in vielen europäischen Ländern macht der Maschinenbaufirma Ammann zu schaffen. Die Herstellung von Strassenwalzen am Hauptsitz in Langenthal arbeitet seit Ausbruch der Finanzkrise mit Verlust. Deshalb konzentriert das Unternehmen bis Ende Jahr die gesamte Walzenproduktion in Nove Mesto in Tschechien, wo Ammann 2005 eine Firma gekauft hat. Heute wird dort mit 620 Mitarbeitenden bereits ein Grossteil der Ammann-Strassenwalzen für Europa gefertigt. In Langenthal umfasst der Bereich Walzen dagegen nur rund 100 Mitarbeitende. Von ihnen müssen nun bis zu 28 mit der Kündigung rechnen, wie Firmenchef Hans-Christian Schneider gestern an einer Personalorientierung ankündigte.

«Es handelt sich um meinen bisher schmerzlichsten Entscheid», sagte Schneider später gegenüber den Medien. Er leitet das Familienunternehmen Ammann seit Anfang 2013 in der sechsten Generation. Er fügte aber gleich bei, ein börsenkotiertes Unternehmen hätte wahrscheinlich viel rascher gehandelt und nicht fünf Jahre versucht, den Bereich ohne Entlassungen in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Investitionen in Langenthal

Es handle sich aber nicht nur um eine Sparmassnahme, sondern um einen strategischen Entscheid, sagte Schneider. Künftig werde jedes Produkt der Ammann-Gruppe nur noch an einem Standort hergestellt. Der Betrieb in Nove Mesto produziere schon heute alle grossen Strassenwalzen für Europa, nun würden auch Entwicklung und Herstellung der kleinen Walzen dorthin verlagert. Die Konzernstruktur werde so einfacher, und natürlich seien in Tschechien die Löhne tiefer als in der Schweiz.

Der Standort Langenthal, wo heute 500 Mitarbeitende tätig sind, soll durch diese Massnahme nicht geschwächt, sondern gestärkt werden, sagte Schneider weiter. In den kommenden fünf Jahren seien dort Investitionen von total 50 Millionen Franken geplant. In der Oberaargauer Metropole werden gemäss seinen Ausführungen die Herzstücke für Asphaltmischanlagen entwickelt und gebaut – von der Software für die Maschinensteuerungen bis zu einzelnen fertigen Komponenten. Diese Herzstücke werden dann in ganz Europa vor Ort in die Mischanlagen eingebaut.

Keine Walzen mehr

Ausserdem wird Langenthal zum Zentrum für den neuen Asphaltfertiger, wie Schneider ankündigte. Fertiger sind jene Maschinen, welche die Strassen und Plätze asphaltieren. Mit ihnen wurden unter anderem die Autobahnen, die grossen Plätze und der Flughafen für Sotschi im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele gebaut, wie aus einer Firmenbroschüre hervorgeht.

Obwohl künftig in Langenthal keine Walzen mehr geschmiedet werden, bleiben Ersatzteillager und Service für den Schweizer Markt dort, wie weiter betont wurde. Und dank seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung bleibe Langenthal das Technologiezentrum der Ammann-Gruppe.

Der Bund

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