Abgang des Direktors der Lindenhof-Gruppe wirft Fragen auf

Direktor Jean-François Andrey verlasse die Lindenhof-Gruppe freiwillig, schreibt das Unternehmen. Er selber sieht das anders.

Verlässt die Lindenhof-Spitalgruppe: Jean-François Andrey.

Verlässt die Lindenhof-Spitalgruppe: Jean-François Andrey.

(Bild: Manu Friedrich)

«Die Lindenhof-Spitalgruppe will die nächste strategische Phase einleiten», teilte die Gruppe gestern mit. Zur Lindenhofgruppe gehören seit dem 1. Februar 2012 neben dem Lindenhof-Spital auch die Spitäler Sonnenhof und Engeried. «Das durch den Zusammenschluss entstandene Synergiepotenzial soll weiter genutzt werden, um die Ertragskraft der Gruppe langfristig und nachhaltig sicherstellen zu können», heisst es in der Mitteilung weiter.

Fischer übernimmt interimistisch

Bei dieser Gelegenheit gab die Spitalgruppe gleich auch noch den Abgang von Direktor Jean-François Andrey bekannt. «Er möchte diese langfristige Aufgabe nicht mehr übernehmen und die Chance zur persönlichen Neuorientierung nutzen», lautet die offizielle Darstellung. «Ich halte es für schlau, dass man die Gelegenheit für eine Neuorientierung nutzt, wenn eine Phase abgeschlossen ist», sagt Peter Fischer, Präsident des Verwaltungsrates, auf Anfrage. Er übernimmt interimistisch die Führung der Lindenhof-Gruppe.

Nahegelegte Neuorientierung

Jean-François Andrey äussert gegenüber dem «Bund» indes eine andere Version. «Ich wurde am Mittwoch vom Verwaltungsrat der Lindenhof-Gruppe dahin gehend informiert, dass das Vertrauen in mich nicht mehr vorhanden sei», sagte Andrey. Ob er angesichts dieser Ausgangslage das Arbeitsverhältnis beenden wollte, habe er selber entscheiden können. «Ich habe mich daraufhin entschlossen, die Konsequenzen zu ziehen.» Über den Vertrauensentzug sei er «sehr überrascht». Weiter möchte sich Andrey dazu nicht äussern. «Ich stütze die Medienmitteilung der Lindenhof-Gruppe.»

Andrey dementiert weiter eine Agenturmeldung, die auch auf Derbund.ch kurzzeitig aufgeschaltet war. Die Agentur interpretierte seinen Abgang als Zeichen von Unzufriedenheit mit der neuen Ausrichtung der Lindenhof-Gruppe. «Ich begrüsse die Strategie der Lindenhof-Gruppe, nach weiteren Synergien zu suchen, um künftig noch effizienter zu wirtschaften», sagt Andrey. Wie jedes Unternehmen müsse auch ein Spital versuchen, die Ausgaben so tief wie möglich zu halten. «Seit der Einführung der Fallpauschale hat sich der Kostendruck gar noch verstärkt», sagt Andrey.

Wie die Neuausrichtung der Lindenhof-Gruppe dereinst aussehen könnte, ist noch unklar. «Wir sind noch ganz am Anfang dieses Prozesses», sagt Direktor ad interim Peter Fischer. Man werde sich künftig überlegen, grössere Investitionen nur noch an einem Ort vorzunehmen. So könne es durchaus sein, dass eine Zusammenlegung der Geburtenabteilungen von Engeried und Lindenhof wieder aktuell werde. Seit der Übernahme der Spitäler Sonnenhof und Engeried wird über eine Konzentration der Geburtenabteilungen nachgedacht. Im Sommer 2013 äusserte sich Fischer noch dahin gehend, dass dieser Vorschlag nicht mehr im Fokus stehe.

Unbedingt auf Spitalliste bleiben

Klar sei, dass man auch weiterhin ein breites medizinisches Angebot unterhalte. «Wir wollen unbedingt auf der Spitalliste bleiben», sagt Fischer. Die Lindenhof-Gruppe gehöre auch in Zukunft nicht zu den «Rosinenpickern», was man gewissen Privatspitälern manchmal vorwerfe. Und noch in einem weiteren Punkt gibt er Entwarnung: «Ein Personalabbau ist kein Thema.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt