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290-Millionen-Bonus für einen Abtrünnigen?

Anlage-Guru Bill Gross ist eine lebende Legende – und er sorgte mit einem abrupten Abgang jüngst für einigen Wirbel. Nun setzt ein Bericht dem Ganzen noch eins obendrauf.

Der König unter den Anleihenhändlern: Bill Gross spricht an einer Investorenkonferenz in Chicago. (19. Juni 2014)
Der König unter den Anleihenhändlern: Bill Gross spricht an einer Investorenkonferenz in Chicago. (19. Juni 2014)
Reuters

Wo Bill Gross hingeht, da fliesst auch das Geld hin: Als der Investor mit Starpotenzial im September die Fondsgesellschaft Pimco verliess, verlor sie innerhalb von vier Tagen über 870 Millionen Dollar an Wert. Gleichzeitig steigerte sein neuer Arbeitgeber, der US-Vermögensverwalter Janus Capital, den Firmenwert schlagartig um 700 Millionen Dollar. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Gross zudem kurz vor seinem Abgang bei Pimco einen mehr als grosszügigen Bonus eingestrichen: Die Tochter der deutschen Allianz-Versicherung soll ihm 2013 rund 290 Millionen Dollar bezahlt haben – dies trotz bescheidener Anlageerfolge.

Gross soll nicht der Einzige gewesen sein, der von Pimco 2013 fürstlich entlöhnt wurde. Ex-CEO Mohamed El-Erian, der seinen Posten im Januar räumte, bekam 230 Millionen Dollar Bonus ausbezahlt. Zum Vergleich: Der Bonus von Laurence D. Fink, CEO des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock, betrug 22,9 Millionen Dollar. Michael Diekmann, CEO der Pimco-Mutter Allianz, strich 7,2 Millionen Dollar ein.

Schlechte Zahlen und gewaltige Irrtümer

Pimco widerspricht den Angaben von Bloomberg. Man kommentiere Kompensationszahlungen grundsätzlich nicht, aber der genannte Betrag sei falsch, so ein Sprecher. Bloomberg hingegen beharrt auf der Zahl: Sie biete einen seltenen Einblick in die Bonuskultur von Pimco, die ausgesprochen grosszügig sei, auch wenn die Geschäfte nicht rundliefen. Allein im vierten Quartal 2013 verlor Pimco fast 45 Milliarden Dollar Anlagegelder, bis Mitte 2014 stieg der Verlust auf 125 Milliarden Dollar an. Der von Gross gemanagte Fonds Total Return Fund schnitt zudem schlechter ab als viele Konkurrenzprodukte.

Gross war gemeinsam mit El-Erian für die Verwaltung von mehr als 2 Billionen Dollar verantwortlich. Daraus erkläre sich auch die exorbitante Höhe seines Bonus, schreibt Bloomberg.

Sein Abgang bei Pimco sorgte im September für grosses Aufsehen. Und zwar nicht nur, weil viele Investoren ihm folgten und ihre Gelder abzogen. Gross hatte Pimco 1971 mitbegründet und war danach zum Guru unter Anleihenhändlern aufgestiegen, sein Wort galt als Gesetz. In den letzten Jahren hat sein Image jedoch gelitten, er lag mit seinen Einschätzungen öfter daneben. Zum Beispiel, als er Anfang 2011 alle US-Staatsanleihen verkaufte, auf fallende Kurse wettete – und so einen Kurssprung von bis zu 15 Prozent verpasste. Auch mit seinen Vorhersagen vom Oktober 2010 und vom April 2013, wonach die über 30-jährige Phase steigender Kurse an den Anleihenmärkten zu Ende gehe, irrte Gross gewaltig.

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