2500 Franken für ein Airbnb-Zimmer in Basel

Airbnb-Hosts versuchen, aus der Kunstmesse in Basel Profit zu schlagen. Die Kritik an der Plattform wächst.

Preise explodieren zu Gross-Events hin: Airbnb.

Preise explodieren zu Gross-Events hin: Airbnb. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Das Zimmer ist einfach: Holzbett, weisse Bettwäsche, ein Fernseher, Eckschrank. Es kostet 2500 Franken pro Nacht – Wohnzimmer und Küche dürfen mitgenutzt werden. Der simple Raum liegt in einer Wohnung in Basel. Hier findet am Wochenende die Art Basel statt, die Tausende von Kunstfans, Galeristen und Händler anzieht. Zu entsprechend satten Preisen vermarkten Anbieter ihre Wohnungen über Airbnb.

Die Plattform verzeichnet während der renommierten Kunstmesse viermal so viele Gäste in Basel, wie es normalerweise sind. Das nützen gewisse Hosts aus. Airbnb teilt in einer Mitteilung zwar mit, dass sich die durchschnittlichen Übernachtungskosten für ein Zimmer während der Art Basel auf 169 Franken pro Nacht belaufen. Bei einer Stichprobe am 13. Juni wird für den Zeitraum vom 14. bis 17. Juni auf der Plattform aber ein Durchschnittspreis von 358 Franken pro Nacht angezeigt.

2325 Franken pro Nacht für ein Studio

Einzelne Angebote schiessen deutlich über diesen Preis hinaus. Ein Studio in Riehen, einer Gemeinde im Kanton Basel-Stadt, wird für 2325 Franken pro Nacht angeboten. Das sind 7379 Franken für die gesamte Zeit der Art Basel. Das Zimmer mit Doppelbett wird mit dem Satz «Perfekt für Paare geeignet» beworben. Weitere Informationen gibt es nicht, im Inserat steht nur, dass die Wohnung sechs Haltestellen vom Messeplatz entfernt liegt, an dem die Kunstmesse stattfindet. Die Wohnung hat noch keine Bewertung und scheint extra für die Art Basel aufgeschaltet worden zu sein.

Ein weiterer Anbieter wirbt explizit mit einem «Apartment für Galeristen und Aussteller». Kostenpunkt: 1800 Franken pro Nacht. Dafür kriegen die Mieter eine Wohnung mit drei Schlafzimmern. Die Preise für gewisse Airbnb-Angebote übersteigen diejenigen von Hotels. Der beste Preis für ein Doppelzimmer in Basel für den Zeitraum der Art Basel liegt bei 520 Franken für drei Nächte.

Heizt Wohnungsmarkt an

Für den Wohnungsmarkt in Basel seien solche überteuerten Angebote gefährlich, sagt Beat Leuthardt, Co-Geschäftsleiter beim Mieterverband Basel. «Mieter merken, dass sie mit ihrer Wohnung Geld machen können. Das heizt den Wohnungsmarkt weiter an».

Eine Airbnb-Sprecherin sagt zu den Angeboten während der Art Basel: «Die Gastgeber legen ihre Preise selbst fest und richten sich dabei auch nach Angebot und Nachfrage.» Wenn eine Unterkunft gross sei und beispielsweise mehrere Zimmer habe, liege der Preis wahrscheinlich eher darüber. «Wenn ein Gastgeber eine Unterkunft für einen Preis anbietet, welcher der Unterkunft nicht gerecht wird, wird sie im Zweifel nicht gebucht», so die Sprecherin.

Nicht höher als Wohnungsmiete

Die Kunstmesse ist allerdings nicht das einzige Event, aus dem Airbnb-Hosts versuchen, Profit zu schlagen. Auch am Weltwirtschaftsforum in Davos oder an Grossmessen wie dem Genfer Autosalon oder der Uhren- und Schmuckmesse explodieren die Preise für gewisse Angebote auf der Plattform.

Grundsätzlich gilt für Anbieter: Sie müssen ihre Vermieter informieren, es gelten dieselben Regeln wie bei der Untervermietung. Der Mietpreis darf die Wohnungsmiete im Mietvertrag demnach nicht übersteigen. Nur für die Reinigung und Möblierung sowie zusätzliche Dienstleistungen darf ein Aufschlag verlangt werden.

Professionelle Anbieter in der Kritik

Unabhängig von überteuerten Angeboten zu Gross-Events wächst die Kritik an Airbnb. Immer wieder gibt es Berichte von überteuerten Angeboten: Studenten in Zürich etwa sollen mit der Vermietung ihrer Zimmer das Doppelte ihrer Miete eingenommen haben, berichtete die «Schweiz am Wochenende».

Kritisiert wird zudem, dass professionelle Anbieter Wohnungen nur zu dem Zweck anmieten könnten, um sie an Touristen zu vermieten. Dies könnte die Mietpreise in den Zentren in die Höhe jagen und einheimische Mieter vertreiben. In einem Vorstoss der SP in Luzern heisst es: «Jede professionelle Airbnb-Wohnung verdrängt eine bisherige Mietwohnung. Selbst wenn die professionellen Airbnb-Wohnungsanbieter sämtliche Taxen und Steuern begleichen sollten, dürften diese kaum denselben entsprechen, wie wenn die Wohnung dauerhaft an angemeldete Personen vermietet würde.»

Verdrängungseffekte

Eine Studie des Inura-Instituts Zürich, die im Auftrag des Zürcher Mieterinnen- und Mieterverbands durchgeführt wurde, bestätigt: Airbnb & Co. hätten negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in Städten, die stark vom Tourismus geprägt sind und eine tiefe Leerstandsquote haben. Die kommerzielle Vermietung über Airbnb zeige Verdrängungseffekte.

Die Airbnb-Sprecherin teilt mit: Die meisten Gastgeber auf Airbnb seien Privatpersonen, die einzelne Zimmer oder ihr ganzes Zuhause an Reisende vermieteten, wenn sie selbst beruflich oder privat unterwegs seien. «Sie bewohnen ihre Wohnungen selbst.» Zudem nutzten traditionelle Beherbergungsbetriebe wie Bed & Breakfasts oder Boutiquehotels Airbnb als Vermarktungskanal.

Nur 60 Tage vermieten

Erste Städte haben dennoch Konsequenzen gezogen. In Genf gilt seit April: Mieter dürfen ihre Wohnung nur noch während maximal 60 Tagen pro Jahr über Plattformen wie Airbnb vermieten. Überschreitet jemand die Limite, gehen Behörden davon aus, dass es ein kommerzielles Angebot ist. Auch Bern plant, das Homesharing-Angebot zu regulieren: Ganze Wohnungen nicht selbst zu bewohnen, sondern sie auf Plattformen wie Airbnb anzubieten, soll in der Berner Altstadt künftig verboten sein. In Luzern wünscht sich die SP eine ähnliche Regelung.

Die Airbnb-Sprecherin sagt dazu: «Wir befinden uns sowohl mit Bern als auch mit Genf in konstruktiven Gesprächen.» In Kantonen wie Zürich, Zug und Baselland hat Airbnb Vereinbarungen über die automatisierte Erhebung von lokalen Tourismusabgaben und -steuern über die Plattform geschlossen. In Zürich wird Airbnb ab dem 1. August für jede Übernachtung 2.50 Franken einziehen und die Steuer anschliessend an Zürich Tourismus weiterleiten.

Verbote in Japan und auf Mallorca

Nicht nur in der Schweiz zieht die Regulierung von Homesharing-Angeboten an. Seit dem 15. Juni müssen sich Anbieter in Japan bei den lokalen Behörden registrieren. Zudem dürfen Zimmer nicht mehr als 180 Tage im Jahr untervermietet werden.

Die Hauptstadt der Ferieninsel Mallorca geht noch radikaler gegen das Angebot vor: Ab dem 1. Juli dürfen Privatwohnungen in Palma de Mallorca nicht mehr an Touristen vermietet werden. Nur Einfamilienhäuser dürfen weitervermittelt werden. Palma de Mallorca argumentiert mit explodierenden Mietpreisen: Viele Eigentümer hätten Wohnungen für die Vermietung an Touristen reserviert und damit die Preise in die Höhe getrieben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2018, 13:11 Uhr

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