Das kleine Atomkraftwerk

Upower-Chef Jacob De Witte präsentiert am am Energie- und Klimaforum in Bern Überraschendes.

Upower-Chef Jacob De Witte gestern im Berner Kursaal. Bild: Swissecs

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Die Schweiz plant den Atomausstieg, gemäss der Absicht des Bundesrats wird in unserem Land kein neues AKW mehr erstellt. Doch weltweit wird weiter in Sachen Nuklearenergie geforscht. Das amerikanische Jungunternehmen Upower beispielsweise will bis in fünf Jahren eine Nuklearbatterie auf den Markt bringen, wie Firmenchef Jacob De Witte am Mittwoch am Schweizer Energie- und Klimagipfel im Berner Kursaal ankündigte.

Das kleine Kraftwerk wird laut De Witte in einem Schiffscontainer Platz haben. Mit einer Leistung von 2 Megawatt werde es 2000 Haushalte während 12 Jahren mit Strom versorgen. Als Brennstoff kämen Uran, Thorium, Plutonium und sogar AKW-Brennstoffabfälle infrage. Die Batterie könne einmal wieder aufgeladen werden, so entstehe erst nach 24 Jahren radioaktiver Abfall in der Grösse eines Baseballs mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren. In der Batterie gebe es keine beweglichen Teile, sie sei selbstkühlend, und die Strahlung bleibe tief. Bei einer Störung gebe es keine Kettenreaktion, vielmehr fahre die Batterie selbstständig runter. Bei einer Beschädigung des Gehäuses würde im schlimmsten Fall die Strahlung des Brennstoffs austreten.

Am MIT in Boston entwickelt

De Witte ist Doktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Sein Unternehmen hat er zusammen mit zwei Partnern gegründet. Im vergangenen Jahr wurde es in Boston als das hoffnungsvollste Start-up ausgezeichnet. «Die von uns entwickelte Technologie verfügt über das Potenzial, die Energieversorgung zu revolutionieren», sagte er. Der Schweiz empfahl er, ihre Atomkraftwerke möglichst lange in Betrieb zu halten und sie dann durch seine Nuklearbatterie zu ersetzen – in einigen Jahren werde sie günstigen Strom produzieren.

Die Batterie hat im Keller eines Ein- oder Mehrfamilienhauses Platz. Durchsetzen werde sie sich aber wohl in erster Linie als Notstromversorgung für Industriebetriebe sowie für die Stromversorgung in Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie könne im Boden vergraben werden und benötige keine Betreuung, sagte er. Nach 12 Jahren werde sie wieder in den Schiffscontainer verladen und abtransportiert. In den USA soll sie in ländlichen Regionen als Alternative zu Dieselgeneratoren und Gaskraftwerken angeboten werden.

Die Reaktionen auf das Projekt seien in seinem Land unterschiedlich, sagte er. Aber die Zahl der positiven Reaktionen steige. Auch an dem vom Swiss Economic Forum organisierten und von der Gebäudeversicherung Bern, der BKW und weiteren Sponsoren unterstützten Swiss Energy & Climate Summit gab es am Gipfel mehrheitlich kritische Fragen aus dem Publikum. Vor allem die Ausführungen De Wittes zur Sicherheit wurden hinterfragt. (Der Bund)

Erstellt: 04.09.2014, 14:58 Uhr

Kursaal statt Bundesplatz


Der Swiss Energy & Climate Summit wurde in den vergangenen Jahren auf dem Bundesplatz in einem grossen Zelt durchgeführt. Die Veranstalter suchten so die Nähe zur Bevölkerung. Der Aufwand war sehr gross, und das Zelt musste aufgrund der kühlen Herbsttemperaturen mit Erdgas geheizt werden. Deshalb wurde die Veranstaltung in diesem Jahr in den Berner Kursaal verlegt.

Widerwillig für Subventionen

Die Wasserkraft sei wichtig für die Energiewende, aber sie stehe aufgrund der tiefen Strompreise in Europa unter Druck. Um diesen Druck zu lindern, gebe es keine Alternative zu den im Parlament diskutierten Subventionen von 600 Millionen, sagte Bundesrätin Doris Leuthard am Energie- und Klimagipfel.

Die Subventionen seien unbedingt nötig, sagten auch BKW-Chefin Suzanne Thoma und Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin. Sie frage sich allerdings, was sie bewirken werden, sagte Thoma weiter. Von den 600 Millionen, verteilt auf 20 Jahre, werde ja nur ein Teil für die BKW anfallen. Im Vergleich zu den grossen Projekten im Grimselgebiet werde es sich um eine relativ kleine Summe handeln. Wenn das Parlament die Gelder bewilligt habe, werde der Verwaltungsrat entscheiden, welche Projekte nun aus wirtschaftlicher Sicht verwirklicht werden könnten.

Moderator Reto Brennwald fragte Thoma und Staiblin, wie sie die Energiepolitik gestalten würden. Sie antworteten übereinstimmend, sie würden sämtliche Subventionen streichen. Angesichts der massiven Förderung der Wind- und Sonnenenergie müsse jetzt aber konsequenterweise auch die Wasserkraft subventioniert werden.

«Wir hätten die Energiewende billiger haben können», sagte Johannes Lackmann, der frühere Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energien in Deutschland. Heute leitet er ein Windkraftunternehmen. Wenn die Regierung früher auf die Bremse getreten wäre, müssten die deutschen Steuerzahler den grünen Strom nicht mit über 20 Milliarden Euro pro Jahr unterstützen. Beim Solarstrom seien die Ansätze zwar nun nach unten angepasst worden, bei der Windenergie leider nicht: In Norddeutschland werde eine Kilowattstunde Windstrom für 5 bis 5 Cent produziert aber der Bund bezahle via die EEG-Umlage 8 Cent dafür.

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